Mit einem tiefen, sanften Dröhnen

BZ-SERIE: In Hofsgrund ist die Orgel etwa so alt wie der Organist.

OBERRIED-HOFSGRUND. Die schweren, grauen Wolken hängen tief über dem Ort. Fast scheinen sie die Turmspitze der Pfarrkirche St. Laurentius zu berühren. Das über 1000 Meter hoch gelegene Bergdorf Hofsgrund, das zur Gemeinde Oberried gehört, wirkt an diesem Spätnachmittag wie verlassen. In der Pfarrkirche brennt Licht. Beim Betreten des Gebäudes ist der raumfüllende Klang der Orgel bereits zu hören. Jeder Tritt auf die Orgelpedale erzeugt ein warmes, dumpfes Klopfen.

Über eine Seitentreppe gelangt man auf die Orgelempore, das Reich von Ewald Lorenz. Der bescheidene Hofsgrunder Organist ist ein ruhiger Zeitgenosse. Immer wieder betont er, dass er sich als Laie nicht mit den Organisten aus dem Dreisamtal vergleichen möchte. Am liebsten würde er nur sein Instrument sprechen lassen. Dass er sein Handwerk präzise beherrscht, zeigt Lorenz bei einer kurze n Vorstellung seiner Orgel.

Sie wurde 1963 von den Gebrüdern Späth in Ennetach bei Mengen als Opus 765 gebaut. Sie besitzt zwei Manuale mit jeweils 56 Tönen von c bis g. Die 30 Pedale reichen von c bis f. Als Lorenz eine 16-Fuß-Pfeife per Pedal ertönen lässt, füllt ein tiefes, sanftes Dröhnen, dem Klang eines Schiffshorns gleich, den Kirchenraum. Der Motor der Orgel, der auf Knopfdruck ein Windpolster für die Pfeifen aufbaut, steht auf dem Speicher.

Seit mehr als 25 Jahren ist Lorenz der Organist in Hofsgrund. "Ich habe direkt mit der Orgel angefangen, vorher nie Klavier gespielt", erklärt Lorenz. Die Orgel, die fast so alt ist wie er, ist ihm mittlerweile ans Herz gewachsen. "Ich finde ihren Klang sehr angenehm". Das Instrument dankt es ihm mit Zuverlässigkeit. Nur ganz selten habe die Orgel einen Defekt. "Davor graut es einem natürlich", sagt Ewald Lorenz.

Hinter den Prospektpfeifen über dem Schwellwerk mit seinen 224 Pfeifen befindet sich das Hauptwerk. Es besitzt 336 Pfeifen und zusammen mit den Subbass- und Oktavbasspfeifen der Pedaltürme kommt die Hofsgrunder Orgel auf 620 Pfeifen. "Man kann hier schön tutti spielen", erklärt Lorenz, während er alle Register zieht und den vollen Orgelklang in der Kirche erschallen lässt. Es dröhnt ihm aber regelrecht in den Ohren, gibt der Organist zu. Deswegen schließt er die Klappläden vor dem Schwellwerk, die als mechanischer Lautstärkeregler dienen.

Ihm machten oft die einfachen Dinge am meisten Spaß. "Das Schönste ist, wenn ich etwas von der Gemeinde zurück bekomme. Das trägt mich dann beim Spielen und oft sind dafür die einfachen Sachen am schönsten und besten geeignet".
von Christian John
am Di, 03. Februar 2015

ORGEL IN ST. LAURENTIUS IN HOFSGRUND

- Baujahr: 1963

- Gebrüder Späth, Ennetach bei Mengen

- 12 Register, dazu ein Tremulant

- 620 Pfeifen

Weitere Teile der BZ-Orgelserie gibt es unter mehr.bz/orgelserie
 

Autor: joh

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