Mit Graffiti ins Business

André Morgner verdient sein Geld mit Straßenkunst, heute ist er selbstständiger Grafikdesigner.

LÖRRACH. Zwei Dutzend Künstler beteiligen sich an der Aktion "Zum Ersten, zum Zweiten, zum Helfen" zugunsten der BZ-Weihnachtshilfe. Sie stellen Arbeiten zur Verfügung, die am 19. November bei einer Veranstaltung in der Volksbank verkauft oder versteigert werden. Die BZ stellt  die  Künstler vor, heute André Morgner.

André Morgner hat im Alter von 17 Jahren zum ersten Mal ein e Farbdose in die Hand genommen. Zuvor war er schon in der Skateboard- und HipHop-Szene unterwegs gewesen und hatte in größeren Städten Graffitiwerke gesehen. In der Provinz im Erzgebirge, wo er aufwuchs, waren er und eine kleine Crew von vier bis fünf Leuten aber die Ersten, die gesprayt haben.

Fortan habe diese Kunstform ihn permanent gefesselt, erzählt André Morgner. Man sei immer besser geworden und habe beim Herumreisen neue Kontakte in der Szene geknüpft.In gewisser Weise sei er durch Graffiti und freies Arbeiten auch zum Design-Beruf gekommen. André Morgner bekam erste Aufträge, größtenteils von Firmen, die bei ihm wegen einer Fassadengestaltung anfragten. Diese Arbeiten - das liegt in der Natur der Sache - entwickelten einen unheimlichen Werbeeffekt. Bevor er sich entschied, nochmals die Schulbank zu drücken und Kommunikationsdesign an der Freien Hochschule Wiesbaden zu studieren, lebte der junge Mann drei Jahre davon.

Das, was er lernte, war wieder keine freie Kunst, sondern ging in Richtung Werbung und Gestaltung und sollte einen Zweck erfüllen. "Ich habe mich zunächst eher in Richtung Werbung eingeschossen", berichtet André Morgner, "doch ich habe bald festgestellt, dass die bunte Werbewelt mit ihren großen Agenturen nicht meine ist, und bin wieder zu Gestaltung und Grafikdesign zurückgekehrt."

In diesem Metier hat er sich in Wiesbaden im Jahr 2005 nach dem Studium  selbstständig gemacht. 2009 zog er mit Lebensgefährtin und Bulldogge ins schweizerische Rheinfelden. "Ein neues Abenteuer, ein neues Leben", sagt er zurückblickend. Den Umzug bereue er keineswegs. Schließlich möge er die Gegend, die Leute und als leidenschaftlicher Snowboardfahrer besonders die Berge in unmittelbarer Nachbarschaft.  Außerdem gelte Basel vom Qualitätsstandard her neben Berlin  als Europas Hotspot für Graffitikunst. Um den im vergangenen Jahr verstorbenen "Dare" alias Sigi von Koeding  herum sei ein großer Dunstkreis entstanden mit Leuten, die etwas hinterlassen - ob legal oder illegal. Morgner erzählt von der Bahnlinie zwischen Basel und Zürich, die so etwas wie das "Weltschaufenster der Graffiti" sei - obwohl immer noch illegal.

"Meine Galerie sind die Wände dieser Welt"

Wenn André Morgner unterwegs ist, versucht auch er am jeweiligen Ort ein Bild oder einen Namenszug zu hinterlassen, etwa in San Francisco oder Los Angeles hat er das gemacht. "Meine Galerie sind die Wände dieser Welt", sagt er. Seine Kunst ist gegenständlicher Art, nicht zuletzt, damit Passanten und das "normale Volk" etwas damit anfangen können. Zusammen mit  zwei Thüringern und einem Freiburger  sprüht  er unter dem Synonym "The Golden Boys".  Der Name stehe für eine gewisse Qualität, denn Graffiti habe immer etwas mit Battle zu tun. "Man will sich messen und man will die Messlatte ganz oben ansetzen", sagt André Morgner. "Man will in der Champions League spielen."

Im Sommer haben die Golden Boys sich in der Bridge Gallery unter der Autobahnbrücke ausgetobt und eine riesige Eistüte gemalt. Egal ob nun so ein öffentlichkeitswirksamer Eyecatcher, der durch die einschlägigen Graffitimedien ging,  oder eine individuelle Gestaltung – mit der Sprühdose als Werkzeug haben die Jungs in  den vergangenen 15 Jahren das Hobby zum Beruf gemacht und gestalten mittlerweile nahezu alles, was ein neues Gesicht vertragen könnte. Ein schöner Funke Idealismus gehöre auch dazu, stellt  André Morgner fest. Bei der BZ-Kunstauktion am 19. November in der Volksbank wird er eine etwa fünf Meter lange Wand aufstellen und in deren Mitte eine Leinwand (1 Meter mal 1 Meter) anbringen. Nachdem er den Tag über die ganze Wand bemalt hat, wird die Leinwand abgenommen und versteigert. Das Mindestgebot beträgt 400 Euro.

Die Lörracher Galerie Novotny, die André Morgner für die Kunstaktion gewinnen konnte, gibt selbst noch eine Fineart-Print  "Enter Lö" in die Auktion mit dem Motiv des "Eingangstors" zur Bridge Gallery, das der Urban Art-Künstler Mark Gmehlin im Sommer verwirklichte.

André Morgner: Graffiti auf Leinwand, vom Tag der Versteigerung,  1 x 1 Meter, Mindestgebot 400 Euro

Mark Gmehlin: 

 
"Enter Lö", 2011,Fineartprint,  limitierte Auflage 11/50,  70 x 50 Zentimeter,  gerahmt,   Startpreis: 230,-
von unser er Mitarbeiterin Barbara Ruda
am Sa, 05. November 2011

DIE AKTION

Zum Ersten, zum Zweiten, zum Helfen ist ein gemeinsames Projekt von Künstlern, der BZ-Weihnachtsaktion "Hilfe zum Helfen" und der Volksbank Dreiländereck. 30 Prozent der Erlöse gehen an die Weihnachtsaktion, die damit soziale Projekte im Landkreis Lörrach fördert. Der Rest deckt die Kosten der Künstler. Die Verkaufsausstellung und die Versteigerung in der Volksbank Dreiländereck in Lörrach (19. November) ist öffentlich.  

Autor: bz

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