"Mit Hut tritt man ganz anders auf"

Janna Schmidt widmet sich im Nebenerwerb einem fast vergessenen Handwerk: Für ihre Kundinnen formt sie Hüte aus Filz.

LAHR. Mode beeinflusst das täglich Leben. Mal offensichtlich, mal eher versteckt, beim einen mehr, beim anderen weniger, aber keiner kann sich ihr komplett entziehen. Die Badische Zeitung stellt in der Serie "Mode in Lahr" regelmäßig verschiedene Facetten und Menschen der Modewelt in und aus Lahr vor. Heute: Janna Schmidt, die sich im Nebenerwerb der Kunst des Hutmachens widmet.

Früher gehörte er dazu, sobald Mann oder Frau aus dem Haus ging. Elegant und klassisch, pompös und üppig oder einfach und praktisch: Ohne Hut ging nichts. Inzwischen ist aus einem ehemals selbstverständlichen Teil der Garderobe fast schon ein Modestatement geworden. "Trägt man einen Hut, tritt man ganz anders auf als ohne", bestätigt Janna Schmidt. Genau das mache für viele ihrer Kundinnen den Reiz aus. "Die meisten kaufen einen Hut heute zu einem besonderen Anlass oder für ein bestimmtes Outfit." Man könne die meisten Hüte jedoch durchaus auch im Alltag tragen.

"Wenn ich keine bestimmten Bestellungen habe, halte ich die Hüte schlicht in dezenten Farben, so kommen sie am besten an", sagt sie und sucht aus einer Schublade einen dunkelgrauen Filzrohling heraus, der entfernt an einen übergroßen Seppelhut erinnert. Sie könnte die Rohlinge, aus denen sie ihre Hüte macht auch selbst filzen, aber das gehört nicht zu ihren Lieblingsbeschäftigungen. Janna Schmidt formt die Hüte lieber.

Aus dem Regal nimmt sie eine Holzform, drei weitere unterschiedliche Formen stehen daneben. Mit Wasserdampf aus dem Bügeleisen macht sie den Filz formbar und sprüht Hutsteife hinein. "Wie alles, findet man auch Anleitungen zum Hütemachen im Internet", erzählt sie, und dass sie sich eigentlich alles, was sie könne, selbst beigebracht habe. Wie sie zu den Hüten kam? Recht pragmatisch. "Ich habe zuerst Kindermützen genäht, aber das machen momentan so viele, deshalb wollte ich das nicht mehr. Hutmacher gibt es nur wenige, die nächste ist, soweit ich weiß, in Freiburg. Es ist etwas Spezielleres, deshalb hat es mich interessiert", sagt die 25-jährige Lahrerin. Zuerst nur für sich selbst, später für Freunde, fing sie an, Hüte zu machen. "Irgendwann hatte ich zu viele bei mir herumliegen, als dass ich sie alle wirklich hätte tragen können. Das fand ich schade, also habe ich begonnen, sie zu verkaufen", erzählt sie von den Anfängen. Seit einem Jahr hat sie ihren kreativen Zeitvertreib als Nebenerwerb angemeldet. Seither verkauft sie ihre Hüte im Internet und auf Märkten. "Ich mache auch oft Einzelanfertigungen. Hutform, Farbe, Band und Verzierungen kann man ganz individuell mit mir abstimmen. Die meisten Menschen haben nämlich schon eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie sie ihren Hut gerne hätten. Man muss es manchmal nur ein wenig aus ihnen herauskitzeln, weil es ihnen selbst nicht bewusst ist", erzählt Janna Schmidt.

Den Hutrohling auf die hölzerne Hutform zu ziehen scheint ein ordentliches Stück Arbeit zu sein: "Ich habe inzwischen sehr kräftige Daumen bekommen", sagt Janna Schmidt lächelnd, und steckt eine Stecknadel durch den Filz ins Holz. Danach bügelt sie die Hutkrempe runter und schlingt eine Schnur um den Hut. Dort wird später das Hutband sitzen. "Das ist nicht nötig, aber ich mache es zur Sicherheit, damit auch ja nichts verrutscht", erklärt sie dazu. Nun heißt es warten. Erst am nächsten Tag ist der Hut fertig getrocknet und kann weiterverarbeitet werden. Dann wird sie die Hutkrempe nähen und das Hutband befestigen. "Im Schnitt mache ich um die zehn Hüte im Monat. In der Adventszeit, wenn viele Märkte sind, habe ich auch schon in einer Woche fünf gemacht. Die habe ich im Backofen getrocknet", erzählt sie. Und das nach Feierabend, neben ihrem eigentlichen Beruf. Tagsüber arbeitet sie als Erzieherin im Kindergarten Schutterflöhe in Lahr.

Vor einiger Zeit hat sie angefangen mit sogenannten Fascinators zu experimentieren. Diese Art des Kopfschmucks, die in England immer noch beliebt ist, war in Deutschland besonders in den 60er Jahren in Mode. "Mir gefällt der Stil dieser Zeit sehr und da gehört ein Fascinator einfach dazu." Auch die Arbeit mit Stoffhüten hat sie schon ausprobiert, die gehörten aber eher in die Kategorie Kostüme. Woran sie sich auf jeden Fall in Zukunft noch versuchen möchte, sind Strohhüte: "Ich habe letzten Sommer einen komplett selbst geflochten. Das ist sehr viel Arbeit. Aber auch hier gibt es Rohling zu kaufen, vielleicht lässt sich damit arbeiten." Wie wichtig ihr persönlich Mode ist? "Mode ist natürlich etwas, das immer präsent ist, wenn auch nicht immer bewusst. Da es bei mir im Kindergartenalltag eher praktisch sein muss, genieße ich es, am Wochenende etwas Besonderes auszusuchen, und mich bewusst meiner Laune entsprechend zu kleiden. Dann natürlich nicht ohne Hut", sagt sie mit einem Augenzwinkern.

von Hanna Fedricks-Zelaya
am Sa, 25. Februar 2017


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