Mitunter klingen noch die Alemannen durch

BZ-SERIE: Von den häufigsten Namen in Reute, die teilweise auch in Vörstetten häufig sind, gehen die meisten auf alte Rufnamen zurück.

REUTE. Seit einem Vierteljahrhundert befasst sich der Freiburger Sprach- und Literaturwissenschaftler Konrad Kunze mit der Herkunft unserer Familiennamen. In einer BZ-Serie erklärt er, welche Wurzeln Namen haben, die in der Region häufig vorkommen. Heute geht es um die häufigsten Namen in Reute, von denen die meisten auf alte Rufnamen zurückgehen.

Zwei Prozent der Einwohner heißen Rich, ein Name, der insgesamt 380 Mal in Deutschland vorkommt, außer in Reute noch verstreut in Baden-Württemberg. Wie Ulrich zu Uhl und Wolfgang zu Wolf verkürzt werden konnten, so wurde Richard zu Rich. Eine andere Möglichkeit wäre ein alemannischer Übername in der Bedeutung "der Reiche". Von den insgesamt rund 410 Heiny bilden viele ein Nest in Reute, 4,5 Prozent der Einwohner heißen so. Auch im Oberelsass ist der Name häufig, während die Heini in der Schweiz heimisch sind; von den etwa 200 Heini in Deutschland wohnen die meisten in Villingen-Schwenningen. Ihre Vorfahren hatten den Rufnamen Heinrich und wurden kurz Heini gerufen.

Auf eine alemannische Kurzform des Rufnamens Quirinus, der wegen der Verehrung des heiligen Märtyrers Quirinus von Neuss am Nieder-, Mittel- und Oberrhein häufig war, gehen die zirca 560 Kury zurück. Sie sind im Elztal heimisch und von da in den Breisgau gewandert. Im Raum Emmendingen/Kenzingen schreiben sie sich Kuri (etwa 280). Hettich heißen in Reute vier Prozent aller Einwohner. Die rund 2400 Hettich finden sich vor allem im Raum Stuttgart, im Hochschwarzwald und in Reute, hinzu kommen 260 Hättich in St. Peter, St. Märgen und Furtwangen, 240 Hättig in Offenburg und Oberkirch und 370 Hettig in West- und Ostfalen. Der Name wird manchmal auf die Redewendung "hätt’ ich (doch nur ...)" zurückgeführt, die zum Übernamen einer Person wurde, die diesen Ausdruck ständig im Munde führte. Wahrscheinlicher handelt es sich um Nachkommen von Männern mit Rufnamen Hattich, einer Nebenform von Namen wie Hartwig.

Ein weiteres Namennest in Reute bilden mit 2,3 Prozent der Einwohner die Siegel. Von den 13 400 Personen dieses Namens wohnen die meisten in Thüringen und Sachsen, dann der Pfalz, in Südhessen und in Baden-Württemberg. Sie gehen auf den germanischen Rufnamen Sigilo zurück, eine Verkleinerung von Siegfried oder Siegward. Im Einzelfall kann es ein Amtsname sein für jemanden, der Siegel hergestellt oder Urkunden gesiegelt hat. Von den ungefähr 390 Schwitzer wohnen viele in Reute, andere sind in Norddeutschland verstreut. Die Vorfahren bekamen diesen Namen wegen ihrer Herkunft aus dem Ort oder der Region Schwyz. In diesen Familiennamen hat sich das alte alemannische i erhalten, während es sich in den meisten anderen Fällen zu Schwei(t)zer entwickelt hat.

Etwa 470 Personen heißen Steigert. Sie wohnen in der Pfalz und in Reute. Es handelt sich um den t-Antritt an den Namen Steiger. Weil 1,2 Millionen Menschen in Deutschland einen Namen tragen, der auf -ert endet (Albert, Ebert, Gebert, Siefert), ist oft auch an Namen, die auf -er enden, ein -t angefügt worden. Steiger heißt jemand, der an der Steige wohnt oder aus einem Ort namens Steig stammt. In Bergbaugebieten kommt auch der Berufsname Steiger in Frage.

Etwa 140 Personen tragen den Familiennamen Mörder, fast alle in Reute (zwei Prozent der Einwohner) und im benachbarten Vörstetten. Das Motiv für eine solche Benennung muss nicht unbedingt ein Mord gewesen sein, auch unbeabsichtigte Tötung oder nur eine grobe Schelte kann diesen Namen veranlasst haben.

Alle Teile der Namensserie unter badische-zeitung.de/nachnamen
von Konrad Kunze
am Sa, 29. Oktober 2016

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