Hans-Jörg Hosch fährt aus Überzeugung Fahrrad

Mobil sein geht auch anders

125 JAHRE AUTOMOBIL: Hans-Jörg Hosch fährt per Rad zur Arbeit.

NEURIED. Es geht auch ohne Auto. Seit genau 25 Jahren fährt Hans-Jörg Hosch täglich zu seiner Arbeitsstelle und zurück. Zusammen mit so mancher Freizeit- und Urlaubsfahrt kommt er inzwischen locker auf 180 000 Kilometer, die er in dieser Zeit zurück gelegt hat. "Ich kann es mir inzwischen gar nicht mehr anders vorstellen", sagt Hosch zu der Leistung, die ihn, wäre er dem Äquator gefolgt, viereinhalb Mal um den Erdball geführt hätte.

Dabei begann sein Umstieg vom Auto aufs Rad ganz unspektakulär und ohne großen ökologischen Anspruch im Jahr 1983. "Nach einer längeren Radtour hab ich mir überlegt, ich könnte doch auch mit dem Rad zu meiner Arbeit fahren", sagt Hosch. Gesagt, getan. Zunächst nur im Sommer, fand der Mitarbeiter des E-Werks Mittelbaden Lahr zunehmend Gefallen am täglichen Radeln. Damals wohnte Hosch noch in Altenheim und seine Arbeitsstelle war in Offenburg. 1986 zog er nach Ichenheim um und seitdem nimmt er jeden Tag das Rad. Egal, wie das Wetter ist, auch bei Regen, Schnee oder minus 15 Grad. Einzige Ausnahme: wenn er etwas transportieren muss. Dann nimmt er das Auto, das es ja durchaus gibt in der Familie Hosch, die immerhin fünf Köpfe zählt.

So selten war der 52-Jährige hinter dem Steuerrad zu sehen, dass in Ichenheim nach seinem Umzug das Gerücht umging, er habe ja gar keinen Führerschein. "Das hat sich dann irgendwann erledigt", sagt Hosch und schmunzelt. Im Lauf der Zeit und mit jedem Fahrrad-Kilometer mehr hat er die Erfahrung gemacht, wie gut ihm das Radeln von und zur Arbeitsstelle tut. Auf dem Weg lässt er sich so manches Problem durch den Kopf gehen und hat festgestellt, dass ihm unterwegs gute Ideen kommen. Auf dem Heimweg kann er in den 45 Minuten Fahrt abschalten, den Tag verarbeiten und sich auf das einstellen, was eventuell auf ihn wartet.

Das ist einiges, denn Hosch hilft nicht nur im landwirtschaftlichen Betrieb mit, sondern singt auch im Kirchenchor und sitzt seit einigen Jahren für die Liste Umwelt und Leben (UL) im Gemeinde- und Ortschaftsrat. Was die vierköpfige UL-Fraktion betrifft, kann sie bei umweltgerechtem Verhalten im Verkehr voll punkten: Alle vier fahren täglich mit dem Fahrrad zum Arbeitsplatz – nach Lahr, Kehl oder Offenburg. Hoschs Strecke führt seit einigen Jahren nach Lahr, zum dortigen Firmensitz des EWM. Hin und zurück sind das genau 29,4 Kilometer. Den größten Teil der Strecke kann er auf Rad- und Wirtschaftswegen fahren, für ein paar Zwischenstücke, zum Beispiel zwischen Kürzell und Schuttern, muss er auf die Straße ausweichen.

Beim Städtevergleich der Radfreundlichkeit schneidet für ihn, der beide Städte intensiv "beradelt" hat, Lahr wesentlich schlechter ab als Offenburg. "In Lahr müsste einiges passieren", kritisiert er. Der einzig gute Radweg sei jener entlang der Schutter, ansonsten gebe es viele Ecken, die verbesserungswürdig seien. Gar nicht verstehen kann er die Schranken, die vor einiger Zeit am Radweg beim Schlachthof, zwischen Gutleut- und Dreyspringstraße, angebracht worden sind. Von schweren Unfällen ist Hosch verschont geblieben. Zwei-, dreimal ist er gestürzt, zweimal weil ihm die Vorfahrt genommen wurde, ein weiteres Mal, weil ihm ein Pedal abgebrochen ist. Letzteres war vor eineinhalb Jahren, da ist ihm klar geworden, dass es auch anders ausgehen hätte können. Seitdem fährt er mit Helm. Flickzeug nimmt er keines mehr mit. Zum einen haben sich die Reifen unglaublich verbessert ("unplattbar"). Zum anderen ruft er bei einer Panne per Handy jemanden zu Hilfe, der ihn samt Rad einlädt.

Immer wieder Probleme bereiten ihm frei laufende Hunde. Mit das größte Ärgernis sind für ihn allerdings die radelnden Kollegen, die nachts ohne Licht fahren. Da kann er von so manchem Beinahe-Unfall berichten. Es gebe heute so gute Nabendynamo, die merke man kaum, mit Sensor, der sich automatisch bei Dunkelheit einschaltet. Hosch: "Das gehört gesetzlich vorgeschrieben. Wenn ich Minister wäre, würde ich das als Erstes einführen."

Weitere Berichte zu 125 Jahre Automobil im Dossier http://www.badische-zeitung.de
von Hagen Späth
am Di, 03. Mai 2011

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