Porträt

Moshé Feldenkrais: Therapeut mit schwarzem Gürtel

Die Krankenkassen erkennen seine Methode bislang nicht für an, dennoch schwören viele Menschen auf die von Moshé Feldenkrais entwickelte Bewegungsform. Ein Porträt.

Der 1904 in Slawuta in der Ukraine geborene Moshé Feldenkrais war ein israelischer Physiker und Physiologe. Er studierte Physik in Paris und assistierte Frédéric Joliot Curie bei der ersten Kernspaltung in Frankreich. Später emigrierte Feldenkrais nach Großbritannien, wo er von bis 1946 er für die britische Admiralität in Schottland im Bereich der Sonartechnik zur Erkennung von U-Booten arbeitete. Nebenbei las er Bücher über Neurophysiologie und Neuropsychologie.

Feldenkrais war begeisterter Sportler. Schon zu seiner Zeit in Paris war er mit Jigoro Kano, dem Begründer des Judo zusammengetroffen. Er ließ sich zum Judolehrer ausbilden und schrieb Bücher über die fernöstliche Kampfsportart. 1936 erlangte er als erster Europäer den schwarzen Gürtel. Auch dem Fußball gehörte seine Liebe.

Anfang der 50er-Jahre veranlasste ihn das Aufbrechen einer beim Kicken zugezogenen Knieverletzung zur exakten Analyse körperlicher Abläufe und physiologischer Zusammenhänge. Ärzte hatten ihm zuvor nicht weiterhelfen können. Auf seine eigenen Studien aufbauend, entwickelte er in der Folge die nach ihm benannte Bewegungsmethode zur Verbesserung des menschlichen Verhaltens und zur Heilung schwerer physiologischer Schäden. Aus jahrzehntelangen Beobachtungen entwickelte Feldenkrais die Grundlagen einer Methode, "besser" und "menschlicher" zu werden. Durch die Methode "Bewusstheit durch Bewegung" soll durch koordinierte Körperbewegung ein erhöhtes Körperbewusstsein erreicht und über dieses neue Verhaltensschema ein verbessertes seelisches Bewusstsein hervorgebracht werden. Das Feldenkrais-Konzept war entwickelt.

Jahre später befreite er den israelischen Ministerpräsidenten Ben Gurion von einem hartnäckigen Rückenleiden – in dem er ihn (unter anderem) auf den Kopf stellte. Bis zu seinem Tod im Jahr 1984 unterrichtete Moshé Feldenkrais hauptsächlich in Tel Aviv. Oft wurde er auch in andere Länder eingeladen, um seine Lehre vorzustellen und zu unterrichten. Einige seiner Reisen führten Feldenkrais auch nach Deutschland, wo sich schon recht früh eine interessierte Gemeinde gefunden hatte. 1981 war der damals 77-jährige Feldenkrais auch in Freiburg zu Gast.

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am Mi, 11. Januar 2012 um 00:00 Uhr


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