Familien in Südbaden

Musik liegt bei Familie Huber im Blut

Walti und Moni Huber haben sich auf der Bühne kennengelernt. Vielleicht liegt es daran, dass bei der Familie die Musik im Blut liegt. Auch die Enkelin ist eine Kandidatin für die Familienband.

LÖRRACH. Fragt man Walti Huber danach, wann seine zweitjüngste Tochter Céline zum ersten Mal gemeinsam mit den Eltern auf der Bühne gestanden hat, huscht ein Lächeln über sein Gesicht, das sich bald zum breiten Lachen auswächst. "Im Grunde genommen, als sie noch in Monis Bauch war", antwortet der in und um Lörrach herum bekannte Folkmusiker, der sich die Bezeichnung "Urgestein" in den vergangenen 35 Jahren wohlverdient hat. So lange existiert seine Band Jetsam bereits, und in der Tat gibt es noch eine alte Fotografie, die seine Frau Moni während eines Auftritts mit kugelrundem Babybauch zeigt.


Damals sei sie in der Tat mit Céline schwanger gewesen, bestätigt Moni Huber. Dem vierten von fünf Mädels wurde das Singen und die Musik also nicht erst in die Wiege gelegt – vielleicht ein Grund dafür, dass die mittlerweile 24-Jährige die einzige der Huber-Töchter ist, die neben der Liebe zur Musik auch die Passion für die Bühne mitbekommen hat, und zwar für die ganz große Bühne und ein Millionenpublikum. Wir erinnern uns: Vor knapp drei Jahren hat Céline an Stefan Raabs Castingshow "Unser Star für Baku" teilgenommen – mit einigem Erfolg, denn sie kam in die Finalshows und wurde am Ende Sechste.

Doch blättern wir zunächst im Familienalbum der Hubers zurück bis zum Anfang. Die Musik beziehungsweise ihrer beider Leidenschaft für sie war es, die Walti und Moni zusammenbrachte. Mitte der siebziger Jahre hatte der Lörracher mit einem Freund im Duo Folk gespielt, bevor dieser im jungen Alter von 22 Jahren an Lymphdrüsenkrebs gestorben war. "Ich hatte damals genau zwei Optionen", blickt der mittlerweile ergraute Gitarrist, Sänger und Komponist zurück. "Entweder ich hänge die Musik an den Nagel, oder aber ich mache blitzartig etwas Neues." Entschieden hat er sich für die zweite Variante und schloss sich sofort einem Basler Duo an. Es war noch die Zeit, bevor die große Irish-Folk-Welle ausbrach, aber was Walti Huber da mit akustischer Gitarre und mehrstimmigem Gesang hören ließ, lag durchaus im Trend. In Basel gab es genauso wie in Freiburg bereits eine Szene und einen Club.

Bald ging man auf die Suche nach einer Sängerin für Jetsam und wurde fündig. Für Walti Huber wurde die Schweizer Lehrerin weit mehr als eine Verstärkung der Gesangslinie in der Band: 1978 heirateten er und Moni und entschieden, eine Familie zu gründen. Im Jahr 1980 wurde die älteste Tochter geboren und so ging das weiter – insgesamt fünfmal. Zehn Wochen nachdem Céline das Licht der Welt erblickt hatte, zogen Hubers von Basel nach Lörrach um. Jedes Mal wenn Moni schwanger war, holte man sich eine Ersatzsängerin, unter anderem Anne Ehmke, mittlerweile erfolgreich als Solistin unterwegs, oder Christiane Stolzenberg, die bis heute dabeiblieb und wie die Kolleginnen und Kollegen quasi zur Familie gehören. Anne Ehmke und Gitarrist Daniel Vogel wurden Paten der Huber'schen Mädchen.

"Wir haben immer bei uns in der Küche und im Esszimmer geprobt."Walti Huber über Musik und Familie
Die Mädchen wuchsen in einem Haus voller Musik und mit den Liedern von Jetsam auf, die sie alle auswendig konnten. "Wir haben immer bei uns in der Küche und im Esszimmer geprobt", erzählt Walti Huber. "Da hatten wir die beste Akustik." Nur wenn alle neune sich zum Repetieren trafen – üben mussten die Musiker und Sänger nicht groß, wie er anfügt – ging man ins Schlafzimmer. Deshalb konnte Céline direkt einsteigen, als sie das unbedingt wollte.

Seit sie denken kann, singe sie, erzählt die zierliche junge Frau. Das habe mit Gutenachtliedern angefangen, zu denen sie bald die zweite Stimme sang. Seit sie acht war, hatte sie überhaupt nur noch eines im Kopf: Singen, Singen, Singen. Bei ihrem ersten echten Auftritt mit den Eltern Walter und Monika und Jetsam war sie elf Jahre jung, mit 14 ist sie ganz in die Band eingestiegen.

"Manche Leute glauben, dass Talent vererbbar ist", scherzte Walti beim bis dato letzten Konzert von Jetsam.5 im Lörracher Bühneli. "Die anderen haben keine Kinder." Auf Celine trifft Erstes sicherlich zu. Von der Mutter, die nach Angaben ihres Ehemanns viel Talent, aber weniger Ehrgeiz hat, hat sie das Talent und vom Vater, der sich als Schaffer, besonders beim Stückeschreiben bezeichnet, das Wollen und die Bereitschaft, für die Musik großen Aufwand zu treiben. Folglich möchte Céline auch im Gegensatz zu den Eltern Musik zu ihrem Beruf machen. Die Voraussetzungen dafür hat sie zwischenzeitlich geschaffen – zum einen bei der Lörracher "Stimmen"-Akademie Voicelab, zum anderen bei einem Vorstudium in Basel.

"Es war schrecklich, ich war noch nie so aufgeregt in
meinem Leben."Moni Huber über Célines TV-Auftritt
Als sie sich Anfang 2012 bei der ARD/Pro-7 -Castingshow "Unser Star für Baku" bewarb, hat sie niemandem in der Familie davon erzählt. Wie es der Zufall so wollte, hatten die Eltern just zu der Zeit selbst ein Angebot vom Fernsehsender Sat 1 erhalten, bei einer Castingshow mitzumachen. "Die suchten Teilnehmer in der Sparte Familien", erinnert sich Walti Huber. Erst in der Endphase vor dem Castingtermin in Stuttgart habe man ihnen mitgeteilt, dass sie nicht live spielen durften, sondern ein Playback mitbringen sollten. "Was für uns auf einmal total unpassend war", wie Moni und Walti übereinstimmend feststellen.

Zu dem Zeitpunkt, als die beiden abgesagt hatten und froh waren, diese Geschichte vom Hals zu haben, fuhr Céline mit einem Freund nach Köln, um sich, wie sie zu Hause sagte, ein schönes Wochenende zu machen.

Erst, als feststand, dass sie unter den letzten 30 Kandidaten war, hat sie die Eltern eingeweiht. Einmal kam Moni mit zu einer Live-Sendung. "Es war schrecklich, ich war noch nie so aufgeregt in meinem Leben", erinnert sie sich. Sechste ist Céline schließlich geworden. Die Zeit danach kam ihr sehr seltsam vor – zu groß war der Kontrast, gerade noch im Rampenlicht gestanden zu haben und gleich darauf wieder in der Küche daheim an der Kaffeemaschine.

Positiv sei gewesen, dass sie ihr Netzwerk habe erweitern können. So habe sie noch viele Fans von damals und außerdem tritt sie noch regelmäßig mit dem damaligen Sieger Roman Lob in Begleitung einer Bigband auf. Auch an Lebenserfahrung habe sie gewonnen.

"Gut, dass die Ausbildung vorbei ist, jetzt kann ich mich richtig reinhängen."Céline Huber über ihre Karriere
Vor zwei Jahren hat Céline ein Duo-Album mit Oliver Fabro herausgebracht, und auch in verschiedenen anderen Formationen tut sich etwas. Gerade erweitert sie ihren Horizont in einer HipHop-Band. "Gut, dass die Ausbildung vorbei ist, jetzt kann ich mich richtig reinhängen", freut sie sich auf alle kommenden Herausforderungen. Nach wie vor macht sie hie und da auch noch gerne Konzerte mit ihren lieben Eltern. "Schön, dass sie nicht abgehoben hat", findet Walti Huber seinerseits. "Wir brauchen keine fünf Solisten, sondern Sängerinnen, die sich zurücknehmen können und als Chor schön klingen." Durch die Berühmtheit der Tochter boten sich auch für Jetsam Gelegenheiten für größere Konzerte, beispielsweise trat die Band im Juli 2012 beim "Stimmen"-Festival im Riehener Wenkenpark auf.

Eventuell, so wagt der Vollblutmusiker noch einen vorsichtigen Blick in die Zukunft, gehe es bei der Band bald in die nächste Generation: Die ältere Enkelin sei zwölf und könne wunderschön singen.
von Barbara Ruda
am Do, 30. Oktober 2014 um 00:00 Uhr

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