"Mut zu neuen Ideen"

BZ-FRAGEBOGEN zur Bürgermeisterwahl in Endingen: Kandidat Jörg Dengler (57).

ENDINGEN (BZ). Am 2. Dezember ist Bürgermeisterwahl in Endingen. Die BZ hat den drei im Rennen verbliebenen Kandidaten einen identischen Fragebogen geschickt. Heute lesen Sie die Antworten von Jörg Dengler.

BZ: Warum wollen Sie in den nächsten acht Jahren Bürgermeister von Endingen sein?
Dengler: In meinem Beruf und im Ehrenamt habe ich gelernt, Lösungen für ökologische, wirtschaftliche und soziale Herausforderungen der Zukunft zu finden. Für Endingen möchte ich diese Erfahrung nutzen und gemeinsam mit den Bürgern die Gestaltung unserer Zukunft aktiv in die Hand nehmen.

BZ: Falls Sie gewählt werden: Welche konkreten drei Projekte wollen Sie zuerst anpacken?
Dengler: Der geplante Neubau der Grundschule, Mensa und Sporthalle und die Sanierung der Realschulen erfordern ein Investitionsvolumen von mindestens 40 Millionen Euro. Der Standort am Erle bietet Platz für 250 bezahlbare Wohnungen, die Endingen dringend braucht, auch für den Erhalt von Handel, Lebensqualität und Lebendigkeit in der Kernstadt. Als Bürgermeister werde ich die Prüfung des Schulstandortes unverzüglich in die Wege leiten. Ein alternativer Standort muss verkehrsgünstig und schneller umsetzbar sein, als die schon jetzt mit vielen Sollbruchstellen versehenen Pläne am Erle. Kein Unternehmen würde eine Investitionsentscheidung in dieser Höhe und Tragweite an einem vergleichbaren Standort treffen.

Heute garantiert das Auto die Mobilität im ländlichen Raum. Schnellstmöglich müssen ergänzende Angebote ausgebaut werden: Komfortable und sichere Radwege nach Königschaffhausen und Amoltern, und Stundentakt der Buslinien bis Mitternacht. Die Verkehrsberuhigung der Altstadt will ich so gestalten, dass Bewohner, Besucher und Geschäftswelt profitieren.

Die Sanierung der historischen städtischen Gebäude und die bürger- und mitarbeiterfreundliche Gestaltung der Arbeitsplätze in der Verwaltung werde ich schnell auf den Weg bringen. Die Bürger werde ich umfassend beteiligen.

BZ: Wo sehen Sie die größte Herausforderung für den künftigen Endinger Bürgermeister?
Dengler: Darin, den Blick auf die langfristige nachhaltige Entwicklung Endingens und der Winzerdörfer zu lenken. Bezahlbaren Wohnraum für eine wachsende Einwohnerzahl und Attraktivität für Fachkräfte zu schaffen, den lokalen Handel, die Wein- und Obstbaubetriebe strukturell zu stärken und Klimaschutz mit Lebensqualität zu verbinden. Das erfordert einen strategischen und vorausschauenden Blick und Mut, diese Themen anzupacken.

BZ: Gibt es ein Thema, das Sie im Wahlkampf besonders überrascht hat – zum Beispiel von seiner Bedeutung für die Menschen?
Dengler: Nach 24 Jahren wünschen sich viele einen Neuanfang. Mit meinem Wahlprogramm stehe ich am stärksten für einen Neuanfang. Es nimmt die drängenden Zukunftsthemen auf und zeigt Mut zu neuen Ideen. Dennoch wurde ich in diesem Zusammenhang öfter auf mein Alter angesprochen.

BZ: Laut einer BZ-Leserbefragung von 2017 fühlen sich die Menschen in Endingen wohl. Wie könnte man Ihrer Meinung nach dieses Gefühl noch weiter stärken?
Dengler: Mal ganz grundsätzlich: Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, muss sich einiges ändern. Und ganz praktisch: Für berufstätige Eltern ist der Ausbau der Ganztagsbetreuung wichtig, in den Winzerdörfern die Sicherstellung der Nahversorgung. Längerfristig möchte ich angesichts des demografischen Wandels der Vereinzelung entgegenwirken und Zusammenhalt und Miteinander stärken.

BZ: Endingens Bürger wollen laut der Umfrage stärker in kommunalpolitische Entscheidungen einbezogen werden, etwa durch Bürgerentscheide. Ist das der richtige Weg ? Oder haben Sie andere Vorstellungen von Bürgerbeteiligung?
Dengler: Der Bürgerentscheid ist ein sehr aufwändiges und teures Verfahren, das vor allem bei Großprojekten, etwa dem Bau eines neuen Bildungszentrums ein wichtiges Instrument sein kann. Bürgerbeteiligung muss aber sehr viel weiter unten ansetzen, schon im Vorfeld der Ratsentscheidungen.

BZ: Was ist Ihre Vision für Endingen? Wo würden Sie die Gesamtstadt in den kommenden acht Jahren gerne besonders voranbringen?
Dengler: Am Ende meiner ersten Amtszeit steht Endingen als herausragender Bildungsort da. Neue Arbeitsplätze sind in den Wachstumsmärkten der Zukunft entstanden. Viele unserer Fachkräfte leben in bezahlbaren Wohnungen am Ort, die durch eine aktive Rolle der Stadt bei der Bauflächenentwicklung geschaffen worden sind. Mit ihrem verfügbaren Einkommen beleben sie den Endinger Handel und stärken die Direktvermarktung unserer landwirtschaftlichen Betriebe.

BZ: Im Wahlkampf spielte sich einiges auf den so genannten sozialen Medien ab. Ist die Präsenz des Bürgermeisters in diesen Medien Ihrer Meinung nach sinnvoll oder wichtig für die Kommunikation mit den Menschen in der Stadt?
Dengler: Auch als Bürgermeister werde ich auf diesen Kanälen regelmäßig ansprechbar sein. Zu einer guten Kommunikation der Verwaltung mit den Bürgern gehört nach meiner Ansicht ein seriöser und informativer Auftritt in sozialen Medien. Sicher ist hier eine dynamische Entwicklung zu erwarten, die ich aktiv gestalten möchte.

BZ: Was war für Sie persönlich die schönste Erfahrung im Wahlkampf, was die negativste?
Dengler: Die durchgängig positive Erfahrung dieses Wahlkampfes war die Offenheit, Ernsthaftigkeit und das hohe Maß an Informiertheit der vielen Gesprächspartner an den Wahlkampfständen, in Betrieben, Einrichtungen und Vereinen. Von Politikverdrossenheit keine Spur, dafür ist ein großer Beteiligungswille an der Gestaltung der Kommune sichtbar. Auf der anderen Seite wurde mir insbesondere beim Haustürwahlkampf bewusst, dass viele durch die herkömmlichen Formen der politischen Beteiligung nicht gut genug erreicht und einbezogen werden.

BZ: Mit welcher Wahlbeteiligung rechnen Sie am 2. Dezember nach der Polarisierung vor dem ersten Wahlgang?
Dengler: 61 Prozent, plus/minus 4 Prozentpunkte

BZ: Wo sehen Sie die größte Stärke der Gemeinde?
Dengler: Sicherlich ist der hohe Wohlstand eines großen Teils der Einwohner eine Stärke, wenn es weiterhin gelingt, daraus solidarisches Handeln zu entwickeln und darüber hinaus im Bewusstsein der eigenen guten Lage eine nachhaltige Zukunft zu gestalten.

BZ: ... und wo die größte Schwäche oder den größten Nachholbedarf?
Dengler: Die öffentliche Infrastruktur, insbesondere die sanierungsbedürftigen Schulen und Verwaltungsgebäude, aber auch die Anbindung der Ortsteile an den öffentlichen Nahverkehr stellen die größte, Herausforderung dar.



BZ: Was war Ihr Lieblingsfach in der Schule?
Dengler: Gemeinschaftskunde

BZ: Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?
Dengler: "Der Schwarm" von Frank Schätzing

BZ: Was ist Ihr Lieblingsessen?
Dengler: Wildschweinbraten mit Rotkraut und Knödel

BZ: Ihre schlimmste Angewohnheit?
Dengler: Einen gewissen Hang zum Perfektionismus kann ich nicht abstreiten. Meistens komme ich allerdings mit pragmatischen Lösungen schneller zum Ziel, besonders wenn unterschiedliche Interessen zu berücksichtigen sind.

BZ: Welche drei Dinge würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?
Dengler: Messer, Feuerstein und ein Segelboot. Aber ich habe wirklich nicht vor, auf eine einsame Insel zu ziehen, sondern mit meiner Familie nach Endingen, wenn ich zum Bürgermeister gewählt werde.

BZ: Welche berühmte Persönlichkeit würden Sie gerne mal treffen?
Dengler: Jorge Mario Bergoglio – Papst Franziskus

BZ: Was machen Sie, wenn Sie nicht als Bürgermeister gewählt werden?
Dengler: Dann werde ich weiter im Ehrenamt für eine moderne, für Mensch und Klima nutzbringende Mobilität und für echte Bürgerbeteiligung eintreten und meinen Beruf als Wissenschaftler für effiziente Energieversorgung mindestens noch zehn Jahre ausüben.

von bz
am Di, 27. November 2018

ZUR PERSON: Jörg Dengler

Alter: 57 Jahre

Wohnort: Freiburg

Familie: verheiratet, zwei Töchter
Ausbildung: Physiker und Politikwissenschaftler; Fortbildungen zu Arbeits- und Wirtschaftsrecht und Projekt-Management

Berufliche Tätigkeit: Projektleiter, Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme

Ämter: Stadtteilverein Freiburg-Vauban, Vorstand; AG Freiburger Bürgervereine; Verkehrsclub Deutschland, Regionalverband Südbaden, Vorsitzender

Kontakt: mail@joerg-dengler.de,
http://www.joerg-dengler.de
facebook.com/joergdengler.endingen, instagram.com/joergdengler  

Autor: bz

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