Nach Umzug in passender Umgebung

AU. Schon draußen auf dem Parkplatz vor der Kirche ist sie zu hören. Drinnen im schlichten Kirchenbau, einem Kind der 50er Jahre, entfaltet sich ihr Klang vollends. Am Orgeltisch sitzt konzentriert Organist Engelbert Ehret. Er ist 20 Jahre alt und damit nicht einmal halb so alt wie das 1963 von der Firma Orgelbau Späth in Ennetach gebaute Instrument, das im vergangenen Jahr seinen 50. Geburtstag feiern konnte.

Erst im vergangenen Jahr hat Engelbert Ehret die C-Ausbildung zum nebenberuflichen Kirchenmusiker abgeschlossen. Orgel spielt er seit 2007. "Ich habe davor Klavier gespielt, dann hat der Heitersheimer Pfarrer kurzfristig einen Organisten gebraucht. Also habe ich mich mit dem Wissen vom Klavier an die Orgel gesetzt und die Messe gespielt. Die Pedale habe ich halt weggelassen", sagt Ehret, der aus der Malteserstadt stammt.

Mittlerweile lässt er nichts mehr weg und hat, nach nur sieben Jahren an der Königin der Instrumente, sowohl die Pedale als auch die zwei Manuale der Auer Orgel fest im Griff. Sein Lieblingsstück? "Das Präludium in Es-Dur von Johann Sebastian Bach", antwortet Ehret sogleich. Die Noten hätte er heute nicht dabei, aber das geht auch aus dem Kopf. Da staunen der Laie und der Kenner. Nach Au ist Ehret, der schon in vielen Kirchen in der Region gespielt hat, beispielsweise in St. Stephan in Breisach, in St. Mariä Himmelfahrt in Kirchhofen, aber auch im Freiburger Münster, über seinen Orgellehrer gekommen, der seinerzeit Kantor in Merzhausen war. "Außerdem kommen meine Eltern aus Au", sagt Ehret über die Verbundenheit mit Ort und Orgel.

Das Instrument kommt ebenfalls aus Merzhausen. Sie wurde 1963 für die Barockkirche St. Gallus gebaut. Diese wurde 1978 umfangreich renoviert und mit einer neuen Orgel ausgestattet; die alte zog um nach Au. Dort hatte man sich seit der Erbauung von St. Johannes im Jahre 1956 mit einem Harmonium begnügen müssen. "Kein Nachteil", sagt Ehret über das in der Nachbargemeinde ausgemusterte Instrument. Das schlichte Orgelgehäuse passt optisch perfekt in den Kirchenraum.

Und auch das Rückpositiv an der Brüstung der Empore wirkt wie immer dort gewesen. Gut dimensioniert ist auch der Klang, obwohl die Orgel nicht speziell für das Gebäude angefertigt wurde. Denn selbst dies sei nicht immer ein Garant für eine Harmonie zwischen Raum und Instrument, weiß der junge Kirchenmusiker. Es gibt Orgeln, die seien vom Klang schlicht zu wuchtig für den Raum.

Öfter aber ist das Gegenteil der Fall. "Je größer die Orgel, desto teurer. Manchmal langt wohl schlicht das Geld nicht", mutmaßt Ehret über zu kleine Orgeln in zu großen Kirchen. Für die Auer Orgel jedenfalls ist Ehret voll des Lobes, auch wenn sie mit ihren 17 Registern – eine große Orgel kann über 60 und mehr Register verfügen – zu den kleineren ihrer Art zählt. "Sie hat gute Klangfarben und eine gute Registerauswahl für diese Größe", findet der junge Kirchenmusiker. "Brummige Zungen im Pedal und im Manual, das gibt es nicht auf vielen kleinen Orgeln", fachsimpelt er weiter.

Jalousien regeln

die Lautstärke

Außerdem sei die Orgel mit relativ viel Technik ausgestattet. Auch das sei eine Ausnahme. Die Auer Orgel ist darüber hinaus mit drei Zungenregistern bestückt. Statt der üblichen Labialpfeifen sitzen hier Lingual- oder eben Zungenpfeifen, die einen besonderen Klang haben und es ermöglichen, beispielsweise auch französische Orgelmusik zu spielen.

Ein weiteres Gimmick ist die Walze, auch Registerschweller genannt. Eine kleine Walze hinter den Pedalen ermöglicht das Ziehen beziehungsweise Abstoßen von Registern, was wie das Schwellwerk, zur Lautstärkeregelung dient.

Nun wird es unruhig in der Kirche. Um 19 Uhr soll die Messe beginnen. Aber Engelbert Ehret hat keinen Dienst und sagt der Auer Orgel für heute Auf Wiedersehen und bis zum nächsten Mal.
von Julius Steckmeister
am Mi, 03. Dezember 2014 um 17:29 Uhr

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