SC Freiburg

Nachbarorte an Stadion interessiert – OB Salomon kontert Dutt

Freiburgs OB Dieter Salomon wehrt sich erstmals gegen die massive Kritik von SC-Trainer Robin Dutt zur Stadionfrage. Derweil gibt es positive Signale aus dem Umland: Während Umkirch sich auffallend bedeckt hält, ist Schallstadt interessiert – und Eschbach hätte sogar einen Investor.

Die rechtlichen Hürden allerdings wären enorm. Zwei Kriterien sind entscheidend für ein neues Fußballstadion: der Anschluss an die Schiene und eine gute Verbindung zur Autobahn. Viele Möglichkeiten gibt es nicht. Und manchen Gedankenspielen setzen die Bürgermeister ein Ende: Reinhard Bentler aus Gundelfingen etwa ist schon mehrfach wegen eines Standortes angesprochen worden.

Er winkt ab: Die einzige große Fläche im Norden der Gemarkung sei wertvolles Ackerland, das zudem als Ausgleichsflächen für Bauvorhaben vorgehalten wird. Marchs Bürgermeister Josef Hügle hat angesichts der kommunalen Finanznot andere Sorgen und außerdem nur ökologisch geschützte Flächen im Angebot. Gottenheim wolle seine dörflichen Strukturen erhalten, sagt Bürgermeister Volker Kieber.

Hingegen zeigt sich Schallstadts Bürgermeister Jörg Czybulka "offen für alle Gedanken und Visionen". Eine Fläche in der Nähe der Guildfordallee sei "nicht so ganz logistisch uninteressant". Möglich sei diese Variante allerdings nur in Kooperation mit der Stadt Freiburg. Am häufigsten als Standort genannt wurde bislang Umkirch. Bürgermeister Walter Laub teilte der BZ mit, dass er sich "nicht an Spekulationen über ein SC-Stadion beteiligen möchte". Beenden möchte er sie offensichtlich auch nicht.

Interaktive Karte: Wohin wandert der SC aus?


Das Magazin "Baden intern" bringt nun eine Fläche auf Gemarkung Eschbach beim Gewerbepark Breisgau ins Spiel, rund 20 Kilometer außerhalb von Freiburg. Einen Autobahnanschluss gibt es – und ein Industriegleis vom Bahnhof Heitersheim zur Müllverbrennungsanlage, das verlängert werden könnte. Ein großer Teil des Grundstücks gehört Carl-Heiner Schmid, Chef der Malerwerkstätten Heinrich Schmid, mit 4000 Mitarbeitern einer der größten Handwerksbetriebe Deutschlands. Die Idee mit einer Arena samt Einzelhandel, Hotellerie und Gastronomie klinge interessant, sagt Schmid, der ein Investor sein könnte: "Ich bin generell gesprächsbereit", wird er zitiert.

"Ich wünsche dem SC eine gute Reise" Freiburgs OB Dieter Salomon
Der Landpartie steht der gültige Regionalplan entgegen. Danach kommen Einzelhandelsgroßprojekte für Gemeinden in dieser Größenordnung "nicht in Betracht". Factory Outlets dürfen nur in Freiburg und Offenburg angesiedelt werden. Um ein Stadion mit Shoppingmeile zu realisieren, müsste der Regionalplan geändert werden, sagt Manuela Hahn vom Regionalverband Südlicher Oberrhein. Das wäre ein komplizierter politischer Prozess mit vielen Beteiligten. "Ein riesiger Aufwand", sagt auch Joachim Müller-Bremberger vom Regierungspräsidium. Er kennt keinen Vergleichsfall.

Im Freiburger Rathaus will man weiter nach Standorten in Freiburg suchen. Gegen die massive Kritik von SC-Trainer Robin Dutt wehrt sich nun erstmals OB Dieter Salomon: "Wer viel Ahnung vom Fußball hat, muss nicht unbedingt viel Ahnung von allem anderen haben." Zur Gewerbepark-Idee sagt der OB nur: "Ich wünsche dem SC eine gute Reise – aber das wird ein Zug nach Nirgendwo." Von Trainer Dutt will sich der OB jedenfalls nicht zu einem Stadionbau drängen lassen: "Bis dahin ist der doch längst Trainer in Hamburg, Stuttgart oder Wolfsburg."

DISKUTIEREN SIE MIT: Sind die Tage des SC in Freiburg gezählt?

Mehr zum Thema:
von Joachim Röderer und Uwe Mauch
am Mi, 02. Februar 2011 um 18:25 Uhr

Badens beste Erlebnisse