Tobias Eder

Neue Bildsprache für religiöse Fragen

LÖRRACH. Bildende Künstler aus der Region unterstützen die BZ-Weihnachtsaktion "Hilfe zum Helfen". In die Kunstaktion "Zum Ersten, zum Zweiten, zum Helfen" geben sie Arbeiten, die am 16. November versteigert werden. Die Arbeit der Künstler wird honoriert, statt einer Verkaufsprovision fließt ein Teil des Erlöses an die BZ-Weihnachtsaktion. Dieser doppelte Effekt fördert die regionale Kunstszene und hilft armen Menschen im Landkreis. Bis zur Auktion stellen wir alle Künstler vor. Heute N.N.

Die Arbeit der Künstler wird honoriert, statt einer Verkaufsprovision fließt ein Teil des Erlöses an die BZ-Weihnachtsaktion. Dieser doppelte Effekt fördert die regionale Kunstszene und hilft armen Menschen im Landkreis. Bis zur Auktion stellen wir alle Künstler vor. Heute: Tobias Eder.

Der Beitrag für die Auktion
Auf dem Bild "Leaving the body/ selig die Unwissenden", welches Tobias Eder in die Versteigerung gibt, sieht man Frauen, die ein Bild aufhängen mit einem Gekreuzigten und Linien, die aus seinem Brustkorb herauskommen. Damit greift der Künstler ein schwieriges Thema auf, das selbst Theologen gerne außen vor und eher im Nebulösen lassen: Kreuzigung, Tod und Auferstehung. Er findet es spannend, einmal andere Perspektiven zu sehen, wenn es sich ums Religiöse, hier etwa um die Frage "Geht die Seele?" dreht. In einer neuen Sprache sei es erlaubt, solche Fragen aufzugreifen, findet Tobias Eder. Würde man das malen, wäre es kitschig. Sich ein Bild oder eben kein Bild von etwas machen – wenn Kunst anregt, über solche Dinge zu sprechen –, könne ein Diskurs entstehen.

Blick in die Werkstatt
Bei seinen freien digitalen Werken arbeitet Tobias Eder gegenwärtig wieder an der menschlichen Form. Dabei entstehen eine Reihe von Objekten, die zum Teil als Bilder, zum Teil als 3D-Drucke realisiert werden. Das bedeutet, dass der Künstler öfter am Computer sitzt. Den 3D-Druck macht er noch nicht selbst, sondern lässt ihn in einem hochwertigen Verfahren mit vornehmer Haptik in Stuttgart fertigen. Bei der BZ-Aktion zeigt er so genannte "Rendering"-Bilder, das sind an einem selbst gewählten Zeitpunkt geschossene Screenshots von einem dreidimensionalen Werk. Auch wenn ein Großteil seiner Arbeit am Computer geschieht, muss er trotzdem nebenher mit dem Bleistift auf Papier zeichnen. Die Objekte – bei Tobias Eder vor allem Skulpturen – aus verschiedenen Schaffensphasen stehen dabei um ihn herum und inspirieren ihn zu Neuem. Der Freiburger Künstler ist einer von wenigen Bildhauern, die digital arbeiten, das heißt, er formt am Computer dreidimensional.

Der Einzelne für die Gesellschaft
Jeder Mensch hat seine Fähigkeiten, seine Begabungen, seinen Charakter. Was er daraus mache und ob dies auch für die Gesellschaft relevant sein könne, sei die Frage, meint Tobias Eder. "Der Künstler, der immer zwischen Öffentlichkeit und Privatheit hin- und herswitcht, kann mit der Sache, die er wichtig findet, nach außen treten", erklärt der gelernte Bildhauer. "Oftmals kostet das Überwindung, denn manch ein Künstler bleibt lieber für sich." Tobias Eder selbst greift gerne Themen auf, die ästhetisch interessant sind und in die er auch einen inhaltlichen Aspekt hereinbringen kann, etwa die Konsumästhetik, "wie wir heute unsere Welt designen".

Die Verbindung zur BZ-Auktion
Die BZ-Kunstauktion findet Tobias Eder wirklich gut und die Öffnung zur breiten Bevölkerung spannend. Mittels der täglich erscheinenden Artikelserie in der BZ könne der ganz normale Zeitungsleser in die Kunst eintauchen. Außerdem weckt die kulturelle Situation in Lörrach sein Interesse.

Bild in der Auktion: Tobias Eder "Leaving the body/ selig die Unwissenden", 2012, Rendering auf Folie gedruckt, MDF-Platte, 18cm x 14 cm x 1 cm

Der Künstler

Tobias EderIm Jahr 1966 in Rheinfelden geboren und aufgewachsen, machte Tobias Eder dort eine Bildhauerlehre, studierte dann an den Staatlichen Kunstakademien in Karlsruhe und München Bildhauerei und schloss sein Studium als Meisterschüler ab. Seine Arbeiten im öffentlichen Raum befinden sich etwa im ersten Obergeschoss der Sparkasse in Rheinfelden oder im Freiburger Stadthotel mit einem nur in weiß und gelb gehaltener "Raum der Begegnung". Eine rege Ausstellungstätigkeit begleitet Tobias Eders künstlerisches Arbeiten. Zuletzt zeigte er im Januar die Einzelausstellung "Digital Sculpture" im Schloss Donzdorf im Landkreis Göppingen. Noch bis Sonntag, 20. Oktober, kann man den "Drache mit Reiter" in zwei Meter Größe in der Feldbergkirche sehen. Ab November nimmt der in Freiburg lebende und arbeitende Bildhauer als Gastkünstler an einer Gruppenausstellung der Freien Gruppe Hochrhein in der Villa Berberich in Bad Säckingen teil. Tobias Eders auf einfache Formen reduziertes, an den Drachentöter Georg gemahnendes Reiterstandbild "Pferd" ist eben erst in erster Edition (Hannover) als Bronzeguss in der Edition Strassacker aufgelegt worden.

Künstlerporträts der Serie und Fotos von Bildern für die Ausstellung unter http://mehr.bz/kunstaktion
von Barbara Ruda
am Do, 17. Oktober 2013 um 16:53 Uhr

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