Neue Klarheit(en) in Strich und Linie

ZUM ERSTEN, ZUM ZWEITEN, ZUM HELFEN: Klaus Kipfmüller ist in seiner Heimatregion Künstler geworden / Für die Benefiz-Veranstaltung gibt er ein Acryl-Bild.

LÖRRACH. Zwei Dutzend Künstler aus Lörrach und der Region stellen Arbeiten für die Benefizaktion "Zum Ersten, zum Zweiten, zum Helfen" zur Verfügung. Bis zur Versteigerung am 27. November in der Volksbank Dreiländereck in Lörrach präsentiert die BZ jeden Tag das Porträt eines Künstlers oder einer Künstlerin sowie das Werk, das im Rahmen dieser Aktion angeboten wird. Heute Klaus Kipfmüller.

Ein wenig ist es Klaus Kipfmüller ergangen wie dem Propheten im eigenen Land. In Weil am Rhein geboren, ist der Künster immer in der Region geblieben. Die Attitüde "Euch zeig ich's aber" habe jede Menge Energie gekostet, die nichts brachte. Heute würde Kipfmüller das anders machen und sich "in einem anderen Filz niederlassen". Und doch hat er es in der Heimat zu einiger Bekanntheit gebracht, nicht bloß als Mitbegründer der Rheinfelder Künstlergruppe H'Art, sondern auch durch sein Werk "So nimm Dein Kreuz" im Innenhof des Elisabethen-Krankenhauses, das nach dem Amoklauf vor einigen Wochen für Trauernde zur Gedenkstätte wurde.

Früher, so erzählt Klaus Kipfmüller, habe er einen richtigen Beruf gehabt, als leitender Angestellter im Einkauf. Früher, von 1973 bis 1983, hat er auch im "Happy Day" in Weil den DJ gegeben und durch Abende etwa mit Roberto Blanco geführt. Als die ersten PCs aufkamen und er vor der Entscheidung stand, sich weiterzubilden oder Künstler zu werden, hat sich Klaus Kipfmüller für die Kunst entschieden und ist auch mit dem Anspruch angetreten, von der Kunst leben zu können. Dass er nicht wie andere Künstler immer unter notorischer Geldnot leidet, ist seiner Frau zu verdanken, die für die Familie den Lebensunterhalt verdient.

Der "Kreativist", wie er sich selbst bezeichnet, hat eine starke künstlerische Entwicklung durchlaufen, die immer mehr zur konkreten Kunst hinging. Aus der expressiven Malerei orientierte er sich hin zur "Neuen Klarheit", im Wesentlichen also zu Strich und Linie. Auf vielen Bildern aus dieser Zeit tauchen noch selbst entwickelte Chiffren auf, für den Begriff "Wille" etwa. Vor allem die Werke aus den vergangenen Jahren, als er die Zeit des Philosophierens und Suchens hinter sich gelassen hatte, strahlen klare Eleganz aus.

Mit H'Art startet Kipfmüller noch in diesem Herbst ein "Land(H)Art"- Projekt. Der Kunst und der (Hardrock-)Musik widmet er sich seit einiger Zeit regelmäßig mittwochs zwei Stunden lang mit "H'Art on air" beim Radio Kanalratte. Im Rahmen seiner Radiosendung interviewt er Künstler und Musiker und verleiht hie und da den "Goldenen Nachttopf" für schlecht gemachte Kunst.

Klaus Kipfmüller: "Neue Klarheit 25", 60 x 50 Zentimeter, 2003, Acryl auf Leinwand, Mindestgebot 450 Euro

Erste – unverbindliche – Gebote können im Internet unter http://www.badische-zeitung.de/kunstaktion abgegeben werden
von Barbara Ruda
am Do, 11. November 2010

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