Wohnen in Freiburg

Neues Stadtquartier Westarkaden fast komplett vermietet

BZ-SERIE (TEIL 9): Das neue Quartier Westarkaden ist fast fertig, 80 Prozent der Wohnungen sind vermietet.

Das derzeit größte private Bauvorhaben in der Stadt – die Westarkaden an der Ecke Breisacher Straße/Berliner Allee – steht nach einer komplizierten Entwicklungsgeschichte kurz vor dem Abschluss: Acht der 20 Geschäfte sind eröffnet, seit Januar ziehen peu à peu die Mieter in die Wohnungen ein. Am 10. April sollen die Westarkaden dann auf dem Gelände der ehemaligen Holzhandlung Brielmann mit einem "Gässlefest" offiziell eingeweiht werden. Während sich in der Stadt die Kritik auf Architektur und Bauweise konzentriert (siehe Artikel unten), stören sich die Mieter an Baumängeln und der Hausverwaltung. Lob gibt es von ihnen für die Lage und den Zuschnitt der modernen Wohnungen und die guten Einkaufsmöglichkeiten.

Das "Gässle" ist eine Einkaufsstraße für Fußgänger, die das neue Wohnquartier von der Breisacher zur Lehener Straße durchzieht. Noch sind im "Gässle" viele Bauarbeiter zugange, an Läden und Wohnungen und draußen wird noch gearbeitet, an mancher Ecke stapelt sich Baumaterial. 20 Geschäfte und eine Hochgarage mit 783 Parkplätzen auf 15 Halbgeschossen für Mieter und Geschäftskunden reihen sich entlang des "Gässles".

Die Westarkaden – das sind 275 neue Wohnungen mit bodenhohen Fenstern, Holzparkett, Balkonen und Einbauküchen. 89 Prozent sind Zwei- und Dreizimmer-Wohnungen, den Rest bilden 27 Vier- und drei Fünf-Zimmer-Wohnungen. 80 Prozent der Wohnungen seien bislang vermietet, sagt Christel Kotter, Sprecherin von Projektentwickler Unmüssig. "Wir gehen davon aus, dass bis April alles vermietet ist." Derzeit ist Unmüssig noch Eigentümerin der Wohnungen, allerdings ist der Deal mit zwei Kapitalanlegern bereits fix: Das Fondshaus Hamburg wird 195 Wohnungen kaufen, den Rest die Immobilienkapitalanlagegesellschaft AIK. 30 Prozent der Wohnungen sind gefördert, sie sind nicht in einem Gebäude konzentriert, sondern über das Quartier verteilt. Förderung bedeutet für Mieter mit Wohnberechtigungsschein eine Reduzierung der ortsüblichen Miete um 3 Euro pro Quadratmeter. Alles in allem ist Wohnen in den Westarkaden nicht billig, die Kaltmieten liegen bei rund 10 Euro pro Quadratmeter, ganz oben, wo die Aussicht am schönsten ist, bei 12 Euro.

Die Studentinnen Katharina Lau und Beatrice Florack, im Herbst aus Düsseldorf nach Freiburg gezogen, sind zufrieden. Den beiden 19-Jährigen gefällt ihre Drei-Zimmer-Wohnung, die sie sich mit einem Kommilitonen teilen. Die Wohnung sei klasse, "für Studenten ist sie relativ luxuriös", sagt Lau. 890 Euro kalt zahlen sie für die 87-Quadratmeter im zweiten Stock. Den Mietvertrag unterschrieben ihre Eltern quasi "blind". "Wir durften vorher nicht rein", bedauert Beatrice Florack.

An der engen Bebauung stören sich die beiden nicht, "es ist ja nicht direkt Fenster an Fenster, sondern ein Innenhof dazwischen", sagt Florack. Was den Studentinnen gefällt, sind die Geschäfte vor der Haustür und dass der Seepark nah ist. Was ihnen nicht gefiel: Die Wohnung war nicht wie geplant im November fertig, so dass sie vorübergehend in einer anderen Unmüssig-Wohnung unterkommen mussten. Und die Heizung funktionierte im Januar fast drei Wochen nicht. Dass die Hausverwaltung nicht reagierte, ärgerte sie. "Wir haben dann einfach im Haus einen Handwerker abgefangen, der die Sache repariert hat", sagt Florack. Auch die Duschwand habe wochenlang gefehlt.

"Es ist ein Ärgernis", sagt der 42 Jahre alte Peter M. (Name von der Redaktion geändert) über sein neues Zuhause im dritten Obergeschoss, an dem er am meisten den Blick auf die Berge – "ganz toll" – schätzt. Denn den hatte er bislang nicht, Peter M. ist mit seiner Frau und den beiden kleinen Kindern im Januar aus Berlin nach Freiburg gezogen – wider Erwarten in eine halb fertige Wohnung. "Wir haben uns bei Vertragsabschluss auf den fertigen Zustand verlassen." Die Wohnung sei ihnen als hochwertig angepriesen worden, dabei "ist alles unheimlich billig", schimpft er.

Viel Ärger mit der

Hausverwaltung

Ein Anschluss für die Waschmaschine wurde schlichtweg vergessen und ist bis jetzt nicht installiert, die Heizung gehe nicht vernünftig, die Lüftung blase permanent, auch nachts. Auch M. ärgert sich über die Hausverwaltung Wiesler, die einfach nichts mache. "Das ist total unseriös." Sein Versuch, mit Hilfe eines Mediators die Probleme zu lösen, brachte nichts, jetzt plant er, einen Anwalt einzuschalten. "Ich bin geneigt, diese Wohnung als Sprungbrett für etwas Besseres zu betrachten."

"Ich habe mich wirklich auf meine neue Zwei-Zimmer-Wohnung gefreut", erzählt Dieter U. (Name von der Redaktion geändert). Ursprünglich wollte er am 1. Januar einziehen. "Dass das nicht klappt, war aber sehr schnell klar", der Mietvertrag wurde auf 1. Februar datiert. Einziehen konnte er aber auch dann nicht: "Eine Woche vorher habe ich erfahren, dass sich alles nochmals verzögert", erzählt U., dem vor allem die fehlende Informationspolitik der Hausverwaltung missfällt: "Ich habe Telefonate im dreistelligen Bereich geführt, ständig musste ich nachfragen, niemand konnte mir etwas sagen." Besonders ärgerlich: "Bis kurz vorm Einzug hatte ich nicht einmal die Maße der Wohnung."

Seit 12. Februar wohnt U. im neuen Heim – die ersten zwei Wochen ohne die zugesagte Einbauküche. "Die musste erst noch geliefert werden." Immerhin: Wegen der Verzögerungen sei ihm ein Großteil der Miete erlassen worden. "Ich habe von Nachbarn gehört, dass ich kein Einzelfall war." Bei der Hausverwaltung möchte niemand Fragen der BZ beantworten, man verweist auf die Firma Unmüssig. Pressesprecherin Kotter versichert, dass die Mängel sukzessive abgearbeitet werden.

Alle bisher erschienenen Artikel unter http://mehr.bz/wohnen-in-freiburg
von Frank Zimmermann und Steve Przybilla
am Sa, 16. März 2013

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