Vorträge und Lesungen

Nora Gomringer / Roman Ehrlich / Monika Helfer - 34. Literaturgespräch: Kurzlesungen mit Gespräch in Freiburg

Wann
So, 8. November 2020, 15:00 Uhr
Wo
Freiburg
Historisches Kaufhaus
Vorverkauf
Ticket kaufen
Vorverkauf auch unter
Tel.: 0761 - 496 88 88 oder bei den
BZ-Geschäftsstellen
Veranstalter
Literaturhaus Freiburg

UPDATE:
Wegen der Corona-Pandemie ist der Zugang zu vielen Veranstaltungen beschränkt, andere finden nur online statt. Eine Verordnung des Landes Baden-Württemberg erlaubt seit dem 1. Juni 2020 wieder Veranstaltungen mit festen Sitzplätzen, sofern Veranstalter ein Hygienekonzept erarbeitet haben. Kultureinrichtungen wie Theater und Konzerthäuser sowie Kinos, welche diese Anforderungen erfüllen, können seither wieder öffnen. Seit dem 1. August dürfen wieder bis zu 500 Menschen an einer Veranstaltung oder an Messen teilnehmen. Ab. 1. September sind Messen mit mehr als 500 Teilnehmern wieder erlaubt. Großveranstaltungen mit mehr als 500 Menschen bleiben jedoch bis Ende Oktober verboten. Auch in der Schweiz und im Elsass gelten Einschränkungen. Wir empfehlen Ihnen, sich direkt beim Veranstalter darüber zu informieren, ob die Veranstaltung stattfindet oder nicht.

Nora Gomringer: Gottesanbieterin
Moderation: Anna Lee Engel

Mit Fotografien, Skizzen und Grafiken von Zara Teller sowie einem raffiniert verspiegelten Cover spielt der Gedichtband Gottesanbieterin (Voland & Quist, 2020) die Gretchen-Frage, der sich Nora Gomringer stellt, direkt zurück zu den Lesenden. Glaubst du? Wie und an was, an wen? Gomringer antwortet in Essays, Reden, Geschichten und natürlich: in Gedichten. Die Lyrikerin hat sich zuletzt mit irdischen Ängsten, Krankheiten und Phänomenen des Oberflächlichen beschäftigt, doch das Alltägliche stets mit dem Metaphysischen verschränkt.

Schon vor vielen Jahren traf Nora Gomringer auf eine riesige Gottesanbeterin. Eine einstündige Begegnung des Schweigens, die zur Hinterfragung des irdischen Seins und der Vielgestaltigkeit von Religion geführt hat. Mit Tiefsinn und Humor, verspielt und verblüffend befragen ihre Gedichte nun Bilder, Bräuche und vermeintliche Gewissheiten, suchen nach Parallelen von Gebet und Gedicht, Literatur und Liturgie.

Die Künstlerin und Kuratorin bewegt sich mit ihrem Werk gewandt zwischen Poesie, Performance, Musik und Mode. Wie keine andere beherrscht sie den sinnlichen Vortrag, das Malen mit Lauten. Für Gomringer ist Klang wie Geruch, führt zurück und macht uns weich und zugänglich (), kann uns anstacheln, uns aufregen und den Puls antreiben.

Roman Ehrlich: Malé
Moderation: Katharina Knüppel

Alle Versuche, die Malediven vor dem steigenden Meeresspiegel zu retten, sind gescheitert: Der Großteil der Bevölkerung musste die Inseln verlassen, Pauschaltouristen haben sich längst neue Ziele gesucht. Die heruntergekommene Hauptstadt Malé wird für die kurze Zeit bis zu ihrem Untergang zur Projektionsfläche für Aussteiger*innen und Utopist*innen, zu einem Ort, an dem neue Formen der Solidarität erprobt werden und Menschen unauffindbar verschwinden.

Schon seine Dankesrede zum Bremer Literaturpreis 2014 hat Roman Ehrlich der Freiheit des Erzählens, dem Unheimlichen als dem ein für alle Mal Feststehenden und der Angst vor dem Unendlichen, dem Ungreifbaren, Unergründlichen gewidmet. Die Fremdheit, die Gegenstand dieser Angst ist, schreibt Ehrlich, ist jedoch mit der Freiheit eng verwandt. Beide werden durch Grenzen definiert. Durch Grenzüberschreitungen. Auch Malé (S. Fischer, 2020), das bereits sechste Buch des 1983 geborenen Erzählers, ist ein Grenzgang zwischen Euphorie und Albtraum, Freiheit und Abhängigkeit. Seine Sätze sind Störfaktoren, raffinierte Täuschungsmanöver, schreibt Literaturkritikerin Insa Wilke. Sie locken in eine Welt voller Abgründe, die der unsrigen unheimlich ähnelt.

Monika Helfer: Die Bagage
Moderation: Thomas Geiger

Hier, nimm die Stifte, male ein kleines Haus, einen Bach ein Stück unterhalb des Hauses, einen Brunnen, aber male keine Sonne, das Haus liegt nämlich im Schatten! So leicht und beherzt beginnt Monika Helfers Roman Die Bagage (Hanser, 2020) als Porträt einer Familie, von Josef und Maria Moosbrugger mit ihren Kindern. Doch die Leichtigkeit erweist sich als ebenso flüchtig wie der Kohlestift, der Marias wunderschöne schwarze Augen malt: Die Wirklichkeit weht hinein in das Bild, kalt und ohne Erbarmen.

Die vielfach ausgezeichnete Schriftstellerin aus Vorarlberg, zuletzt mit dem Solothurner Literaturpreis sowie dem Bodensee-Literaturpreis 2020, führt uns in die Zeit des Ersten Weltkriegs: Josef muss zur Armee, Maria und die Kinder bleiben allein zurück, auf den Schutz des Bürgermeisters angewiesen. Eines Tages klopft der hübsche Georg an die Tür der Bagage. Und eines Tages wird Maria schwanger mit Grete, dem Kind der Familie, mit dem Josef nie ein Wort sprechen wird: der Mutter der Autorin. Eindringlich und anschaulich, klug und sensibel erzählt Monika Helfer die Geschichte ihrer Herkunft.
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Foto Monika Helfer: © Isolde Ohlbaum

Datum: 08.11.2020, 15-18 Uhr
Ort: Historisches Kaufhaus, Münsterplatz 24
Eintritt: 5 Euro (für alle drei Lesungen)

Literaturgespräch
Außer Haus
Quelle: Veranstalter

Veröffentlicht am Mi, 23. September 2020 um 14:51 Uhr

  • Münsterplatz 24
  • 79098 Freiburg im Breisgau
  • Tel.: 0761 3881133

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