3 Tage in Quiberon

"O Gott, es geht ja um Romy Schneider"

Immer wieder wurde sie auf ihre Ähnlichkeit mit der großen Romy Schneider angesprochen. Im BZ-Interview spricht Marie Bäumer über ihre Annäherung an eine Ikone, Ähnlichkeit und Distanz.

Schon seit sie beim Film Fuß fasste, wurde sie auf ihre Ähnlichkeit mit der großen Romy Schneider (1938–1982) angesprochen. Lange konnte sich Marie Bäumer (48) wehren, sie vor der Kamera auch noch zu spielen. Doch das Drehbuch von Emily Atef überzeugte die gebürtige Düsseldorferin, die sowohl in Komödien wie "Der Schuh des Manitu" als auch in Dramen wie "Der alte Affe Angst" reüssierte, nun doch. Denn "3 Tage in Quiberon" ist nicht der große Überwurf, sondern eine kleine intime Geschichte aus dem Leben der Romy Schneider. Markus Tschiedert Traf Marie Bäumer auf der diesjährigen Berlinale.

Ticket: Wie oft gab es in Ihrer Karriere schon das Angebot, Romy Schneider zu porträtieren?
Marie Bäumer: Mehrfach sogenannte Biopics, die ich aber immer abgelehnt habe, weil ich einfach die Drehbücher nicht gut fand und weil ich gesagt habe, dass man nur gegen die Wand fahren kann, wenn man als Schauspielerin eine Schauspiel-Ikone interpretieren will.
Ticket: Was war diesmal anders?
Bäumer: Ein französischer Produzent und Freund von mir, der inzwischen leider an Krebs verstorben ist, fragte mich, ob das Sujet Romy Schneider für mich nun endgültig erledigt sei. Ich sagte: Ja, außer wenn man einen Zoom am Ende ihres Lebens schafft und eine Verdichtung hinbekommt. Daraufhin kam er mit der Idee, als Kern des Films das Interview mit dem Stern zu nehmen und damit den Konflikt hervorzuheben, den sie latent mit der deutschen Presse hatte – und das dahinterstehende Bedürfnis, sich zu zeigen, erkannt und erklärt zu werden.
Ticket: Wie meinen Sie das?
Bäumer: Der Mangel am Über-Ich hat ihr nie den Schutz gegeben, den sie im Umgang mit der Presse gebraucht hätte. Ich meine, es ist Wahnsinn zu denken, dass man sich selber über die Presse erklären kann.
Ticket: Das hat Sie dann letztendlich überzeugt...
Bäumer: Da waren auch noch andere Dinge ausschlaggebend, etwa dass es ein Fünf-Personen-Stück in der Bretagne werden sollte, die Originalfotos von Robert Lebeck und nicht zuletzt, dass der Film in Schwarzweiß gedreht werden sollte. All das hat bei mir ein starkes Bild geschaffen von einer Art von Arthausfilm, den ich selber gern anschaue. Ich dachte, daran will ich gern teilhaben. Drei Jahre hat es dann gedauert von der Buchentwicklung bis zur Finanzierung. Kurz vor Drehbeginn kam dann der Donnerschlag, und ich dachte: O Gott, es geht ja um Romy Schneider.
Ticket: Da wurde Ihnen mulmig?
Bäumer: Ab da war Stress, doch ich habe mich der Person dann über Distanz genähert. Ich habe also die Ikone von mir weggehalten, was irgendwann zum Konflikt geführt hat, der dann wiederum für die Zerrissenheit der Figur sehr hilfreich war. Das habe ich jedoch nicht bewusst gemacht, sondern erst nach dem Dreh verstanden.
Ticket: Es ist die Tragödie einer großen, aber auch zerbrechlichen Schauspielerin. Haben Sie dabei auch sich selbst reflektiert?
Bäumer: Nein, weil ich aus einer völlig anderen Situation komme. Viele denken vielleicht, dass einen das seelisch angreifen könnte, so tief in eine Figur zu gehen. Aber das ist nicht der Fall. Ich habe immer die Distanz dazu, und das ist meine Art von Handwerk. Ich habe diesen Weg, den ich gehen wollte, betrachtet: Wie kriege ich diese Attitude in allen ihren möglichen Facetten hin, wie schaffe ich diese oder jene Dramaturgie, oder wie fühlt sich diese Form von Verlassenheit an?
Ticket: Als Schauspielerin hat man heute selten die Chance, sich selbst in Schwarzweiß auf der Leinwand zu sehen. Wie war das für Sie?
Bäumer: Ach, ich fand das so toll! Ich wollte schon immer so gern einen Schwarzweißfilm in meiner Biografie haben. Meine beste Freundin sagte neulich: "Ganz ehrlich, du hast jetzt alles in diesem Film gespielt, und du hast einen Schwarzweißfilm. Du kannst doch jetzt aufhören." Das war so süß!
Ticket: Aber die Gefahr besteht hoffentlich nicht?
Bäumer: Ich glaube nicht.

3 Tage in Quiberon

Regie: Emily Atef
Mit Marie Bäumer, Birgit Minichmayr, Charly Hübner, Robert Gwisdek u.a.
116 Min., ohne Altersbeschränkung

Die Story
Im französischen Kurort Quiberon will die berühmte Schauspielerin Romy Schneider (Bäumer) mit ihrer Freundin Hilde (Minichmayr) ausspannen. Doch Stern-Reporter Michael Jürgs (Gwisdek) und Fotograf Robert Lebeck (Hübner) wollen endlich das Interview mit ihr führen...

von Markus Tschiedert
am So, 15. April 2018 um 19:42 Uhr


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