10. Regio Moto Classica

Oldtimer-Szene trifft sich in Offenburg

Offenburg war am Wochenende nicht nur Szenetreff für die Mountainbiker: Die Regio Moto Classica lockte zum zehnten Jubiläum auch die Freunde von Oldtimern, historischen Traktoren und chromblitzenden US-Cars.

Zu ihrem zehnten Jubiläum kann die Oldtimer-Messe Regio Moto Classica einen Zuschauerrekord vermelden. Noch stehen die offiziellen Zahlen nicht fest, doch dass mehr als die knapp 7000 Gäste des vergangenen Jahres den Szene-Treff besucht haben, ist laut Messe-Sprecherin Katharina Burgmaier sicher. Zu sehen gab es wieder alles, was die Herzen von Sammlern und Freunden automobiler Schönheiten höher schlagen lässt: klassische Fahrzeuge ebenso wie historische Traktoren und US-Cars.

Wenn Marco Kech (30) aus Schramberg anrollt, dann ist das nicht zu überhören: Klangvoll tief blubberndes Grollen kündigt seinen chromglänzenden Cadillac Baujahr 1955 an: "Dicke Lizzy" nennt der 30-Jährige den wunderschön restaurierten Amischlitten, dessen Achtzylinder-Motor über satte sechs Liter Hubraum verfügt. 300 PS bringen die 2,5 Tonnen schwere "Dame" in Schwung: "Da erübrigt sich die Frage nach dem Spritverbrauch", sagt Kech, verrät aber dann doch, dass er bei gemäßigtem Tempo auf der Autobahn mit 15 Litern auf 100 Kilometer auskommt. Mit 22 Jahren hat Kech sein Herz für US-Autos entdeckt, einen 79-er Malibu ebenso schon sein eigen genannt wie einen 69er Ford Mustang.

Um Ersatzteile für sein jüngstes Schmuckstück zu finden, muss er die USA schon mal von Schrottplatz zu Schrottplatz abklappern. Für Wolfram Kammerer von den US Car Interessengemeinschaft ist es keine Frage, was den Reiz der Amerikaner ausmacht: "Der Sound des V8-Motors, das ganz andere Fahrgefühl und die Möglichkeit, sich von anderen durch ein ziemlich individuelles Fahrzeug abzuheben." Rund 150 US-Fahrzeuge waren über die zwei Regio-Moto-Classica-Tage zu bewundern – wer sich ebenfalls dafür begeistert, findet Rat, Tat und Gleichgesinnte jeden zweiten Freitag im Monat auf dem Parkplatz bei Burger King in Offenburg. Die Gemeinschaft ist es auch, die die Besitzer alter Traktoren zusammenschweißt – wie die Schlepperfreunde Scherzheim. "Die meisten von uns sind Rentner", erzählt Hans Goll, der mit seinem Kumpel Heinz Hänßel stolz neben einem Lanz Aulendorf von 1959 steht. Zwei Stunden hat die Scherzheimer Truppe gebraucht, um mit einem Konvoi von 15 Treckern gen Offenburg zu fahren.

In Halle 1 schleichen seit Tagen meist Männer, seltener Frauen, mit glänzenden Augen um eine Ansammlung von rund 90 Old- und Youngtimern. Das "Oldihaus Baden" um den Schutterwälder Rolf Hene lud zur Versteigerung und erstmals bereits zu einer exklusiven "Preview" am Freitagabend. Bei einem Glas Sekt konnten die Objekte der Begierde genauestens unter die Lupe genommen werden. Vom Renault aus 1925 bis zum schön restaurierten Porsche 912 bis zum Ronart-Rennwagen war alles im Angebot. Kamen die Besucher am Samstag mehr zum Schauen als zum Mitsteigern, so freute sich Auktionator Christoph Schneider aus Ringsheim, das gestern deutlich öfter die Bieterkarten gezückt wurden. Für ihn steht fest, dass sich die Investition in einen Oldtimer angesichts der Euro-Krise durchaus lohnen kann – mitunter sind satte Wertsteigerungen möglich.

Auch wer nur nach einem Ersatzteil suchte, konnte in Offenburg fündig werden. Albert Haberstroh aus Waldkirch, der am Stand seines Chefs Teile für Porsche und MG verkaufte, freute sich über sehr guten Absatz: "Es ist sehr gut besucht." Wem für den Traum vom Oldtimer das Kleingeld fehlt, der konnte an einem der Stände für Spielzeugautos fündig werden. Der Stuttgarter Thomas Römer etwa hatte zwei- bis dreitausend Modelle aufgebaut, sein wertvollstes ein Märklin-Bagger "in unbespieltem Zustand und original verpackt" für 199 Euro. Gefragt ist, so Römers Erfahrung, Spielzeug aus der eigenen Kindheit: "Wir verkaufen Kindheitsträume an Erwachsene."
von hsl
am So, 29. Mai 2011 um 06:44 Uhr

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