Meister Lampe

Osterhase packt aus: Das müsst ihr über mich wissen!

Meister Lampe, das sagenumwobene Fabeltier, kann nicht nur eine literarische wie kunstgeschichtliche Karriere vorweisen. Er hat auch allerlei menschliche Züge. Grund genug für ein Gespräch.

BZ: Wie kamen Sie zu Ihrem Namen?

Meister Lampe: Das ist eine lange Geschichte, denn eigentlich ist mein Name ja Hase. Die Entstehung meines, ich möchte sagen Künstlernamens, reicht bis in das 13. Jahrhundert zurück. Schon damals erzählte man sich gerne Tiergeschichten, deren Protagonisten jedoch nicht nur höchst menschliche Züge hatten, sondern auch menschliche Namen trugen. Richtig bekannt wurden diese auch Fabeln genannten Episoden hierzulande durch das niederdeutsche Epos "Reynke de vos", in dessen Zentrum der schlaue Fuchs Reineke steht, der dem "Lampen" übel hatte mitspielen wollen. Wenige Jahrzehnte nach der Erfindung des Buchdrucks – genauer gesagt 1498 – wurde Reynkes Geschichte erstmals gedruckt. Überarbeitet wurde die Geschichte dann unter anderem im 18. Jahrhundert von keinem Geringeren als Johann Wolfgang von Goethe. Auf diesem Wege wurde mein literarischer Name rasch immer bekannter. Unter Hase indes geriet ich – außer rund um das Osterfest – fast in Vergessenheit. Zumal immer weniger Menschen sich darauf verstehen, einen Hasen von einem Kaninchen zu unterscheiden. Wir werden leider oft verwechselt. Der Name Lampe stammt wohl vom Vornamen Lamprecht. Aber auch in der Jägersprache ist er geläufig, da die Waidmänner unser helles Unterbauchfell an das Leuchten eine Lampe erinnert.

BZ: Bereits kurz nach der Veröffentlichung von "Reynke de vos" wurde ein weltberühmter Zeitgenosse auf Sie aufmerksam. Wie fühlt es sich an, von Albrecht Dürer porträtiert worden zu sein?

"Es ist schwierig, einen zuverlässigen Nachfolger zu finden."Meister Lampe


Meister Lampe: Es hätte wahrhaft schlimmer kommen können. Ich sage nur Beltracchi... Herr Dürer hat angefragt, und da ich seine bisherigen Arbeiten kannte und schätzte – und ja selber auch gelegentlich zum Pinsel greife –, habe ich mich nicht lange bitten lassen. Das Ergebnis ist, wie sie sicher wissen, höchst ansprechend geworden. Allein – das lange Stillsitzen, das war kein Vergnügen. Wie die Kollegen Kaninchen das auf ihren Leistungsschauen aushalten, Respekt!

BZ: Über Sie, Ihre Charaktereigenschaften und verschiedenen Tätigkeiten – vom Fabeltier bis zum Ostereiermaler- und Boten – gibt es unterschiedlichste Gerüchte...

Meister Lampe: Das ist die Schattenseite des Ruhms – es wird viel geredet und eben auch viel Unsinn. In der Fabel reicht das Spektrum, das ich in Sachen Eigenschaften angeblich abdecken soll, von feige über vorsichtig bis vorlaut. Ersteres würde ich abstreiten, Zweiteres bestätigen, Letzteres zu beurteilen, überlasse ich freilich anderen. Und vergessen Sie nicht, dass ich hier, wie meine tierisch-literarischen Kollegen, eigentlich nur stellvertretend für einen Typ Mensch agiere. Das mit den Ostereiern hat allerdings seine Richtigkeit. Ich erwähnte ja bereits, dass ich hin und wieder male. Natürlich habe ich in Sachen Eierfärben und Ausliefern schon so manches Mal an den Ruhestand gedacht. Aber es ist schwierig, einen geeigneten und vor allem zuverlässigen Nachfolger zu finden. Denn für die dekorative Qualität der Eier wie ihre pünktliche Zustellung am Ostersonntag stehe ich schon ein paar hundert Jahre mit meinem guten Namen.

BZ: Fabeltier und Eiermaler – sind Sie bei der jüngeren Generation noch gefragt? Wo sehen Sie sich in den nächsten 100 Jahren?

Meister Lampe: Wie gesagt, ich habe schon hin und wieder darüber nachgedacht, in Rente zu gehen. Mit Fabeln kommen die meisten Menschen nur während ihrer Schulzeit in Berührung. Die klassischen, handbemalten Ostereier stehen in immer stärkerer Konkurrenz durch bereits kurz nach Weihnachten auf den Markt schwappende Industrieprodukte. Mittlerweile gibt es ja sogar schon Ganzjahreseier. Andererseits hänge ich an den Jobs, die ich ja schließlich schon eine ganze Zeit lang mache. Vielleicht geht es mir eines Tages wie dem guten alten Vollbart – nach Jahrzehnten der Verbannung, nur mein Kollege, der Weihnachtsmann, hat ihn wacker weiter getragen – ist er heutzutage wieder in unzähligen Hipster-Gesichtern zu finden. Wer weiß, ob nicht auch ein Meister Lampe wieder mal hip wird.

von Julius Steckmeister
am So, 21. April 2019 um 15:41 Uhr

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