Audienzen in Freiburg

Papst trifft Orthodoxe, katholische Laien und Altkanzler Kohl

Benedikt XVI. hat in Freiburg katholische Laien und Vertreter der orthodoxen Kirchen getroffen - und Helmut Kohl. Vor der Begegnung ereignete sich ein peinliches Missgeschick.

Das Gespräch mit Kohl fand hinter verschlossenen Türen statt. Begleitet wurde der im Rollstuhl sitzende Altkanzler von seiner zweiten Ehefrau Maike Kohl-Richter, der nach Aussagen von Augenzeugen vor Begegnung ein Faux-pas passierte: Sie setzte ein Vorderrad des Kohl’schen Wagens in ein Bächle in der Herrenstraße.

Das Treffen war auf Einladung des Papstes zustande gekommen, sagte der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch. "Es war der Wunsch des Heiligen Vaters, dem Kanzler der Einheit zu begegnen." Der Papst habe schon früh bei den Planungen seiner Deutschlandreise diesen Wunsch geltend gemacht. Mit dem Treffen würdige der Papst die Leistung des Altkanzlers für die Deutsche Einheit und für Europa. Kohl wollte sich nicht äußern. Der Altkanzler verstehe das Treffen mit dem Papst als Privatangelegenheit, teilte sein Büro auf Anfrage mit.

"Helmut Kohl ist der Mann, der sich in die deutsche Geschichte eingegraben hat, der gleichauf mit Johannes Paul II., dem polnischen Papst, an der Überwindung der Teilung Europas politisch gearbeitet hat", sagte der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer. "Bei dieser Reise spielt die Freiheit eine große Rolle. Was liegt da näher, als diesen Mann hier in Deutschland zu treffen." Da Kohl gesundheitlich angeschlagen ist, wurde das Treffen in Freiburg organisiert und nicht in Berlin. Freiburg ist mit dem Auto vom Wohnsitz des Altkanzlers, Ludwigshafen-Oggersheim, am einfachsten zu erreichen.

Papst: Krise der Kirche in der westlichen Welt – eine Glaubenskrise

Bei der Begegnung mit der Spitze des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) rief der Papst am Samstag dazu auf, neue Wege der Evangelisierung zu suchen. Vielen Menschen fänden keinen Kontakt zu den etablierten Kirchen. Die eigentliche Krise der Kirche in der westlichen Welt sei eine Glaubenskrise. Mit Blick auf die Situation der katholischen Kirche in Deutschland sagte das Kirchenoberhaupt: "Ehrlicherweise müssen wir doch sagen, dass es bei uns einen Überhang an Strukturen gegenüber dem Geist gibt."

Erneut beklagte der Papst bei der Begegnung einen weit verbreiteten Relativismus. Dieser durchdringe alle Lebensbereiche und übe immer mehr Einfluss aus auf menschlichen Beziehungen und die Gesellschaft. Selbstloses Engagement für das Gemeinwohl, im sozialen und kulturellen Bereich oder für Bedürftige nehme ab. "Man findet kaum noch den Mut zu versprechen, ein Leben lang treu zu sein", sagte der Papst mit Hinweis auf die abnehmende Bereitschaft, sich uneingeschränkt an einen Partner zu binden.

"Unter den christlichen Kirchen und Gemeinschaften steht uns die Orthodoxie am nächsten." Benedikt XVI.
Im Gespräch mit den Orthodoxen verwies der Papst vor allem auf die besondere Nähe der beiden Kirchen zu einander. "Unter den christlichen Kirchen und Gemeinschaften steht uns die Orthodoxie am nächsten", sagte der Papst. Er äußerte die Hoffnung, "dass der Tag nicht ferne ist, an dem wir gemeinsam Eucharistie feiern können". Demgegenüber hatte der Papst am Vortag Erwartungen der Protestanten auf eine ökumenische Annäherung gedämpft. Bei der Begegnung im Erfurter Augustinerkloster hatte er zwar den Reformator Martin Luther (1484-1546) gewürdigt, zugleich jedoch in der Ökumene strittige Themen wie ein gemeinsames Abendmahl ausgespart.

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von dpa/edp/bz, aktualisiert um 20.15 Uhr
am Sa, 24. September 2011 um 17:31 Uhr

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