Pendler aus Elsass sollen fernbleiben

Erstmals sterben in Deutschland Menschen am Coronavirus / Großevents stehen vor der Absage / Ganz Italien im Ausnahmezustand.

FREIBURG. Erstmals sind in Deutschland zwei Menschen nach Erkrankungen mit dem Coronavirus Sars-Cov-2 gestorben. Das Regierungspräsidium Freiburg bittet Pendler aus dem Süd-Elsass, vorerst nicht mehr ins nahe Südbaden zum Arbeiten zu kommen. Die meisten Schulen und Kitas bleiben offen. Indes weitet die italienische Regierung Sperrungen und Einschränkungen der Bewegungsfreiheit wegen der Coronavirus-Krise auf das ganze Land aus.

» Beide Todesfälle in Deutschland wurden in NRW bekanntgegeben. Ein 78-Jähriger aus dem Kreis Heinsberg, der auch an Diabetes und Herzproblemen gelitten habe, sei an Herzversagen gestorben; das zweite Opfer ist eine 89-Jährige aus Essen, die an einer Lungenentzündung in Folge der Coronavirus-Infektion starb. Laut Robert-Koch-Institut sind hierzulande 1139 Menschen nachgewiesen infiziert.

Auf viele Arbeitgeber in Baden kommen personelle Probleme zu. Das Regierungspräsidium Freiburg teilte mit, das Südliche Elsass wie ein Corona-Risikogebiet zu behandeln. Menschen von dort, die nach Baden-Württemberg pendeln, sollten "entsprechend der Empfehlung für Reiserückkehrer aus Risikogebieten zunächst nach Möglichkeit für 14 Tage zu Hause bleiben". 46 000 Berufstätige pendeln täglich aus dem Elsass ins Badische, in der Gegenrichtung sind es 2000. Die Handwerkskammer Freiburg fürchtet, dass "der gesamte grenzüberschreitende Wirtschaftsraum zum Stillstand kommt", sagte Geschäftsführungsmitglied Handirk von Ungern-Sternberg der Badischen Zeitung.
» Das Land Baden-Württemberg empfiehlt zur Eindämmung des Coronavirus, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern abzusagen. Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) sagte, dass die Landesregierung diese Anregung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) unterstütze. Bayern wiederum geht einen Schritt weiter: Der Freistaat will alle Veranstaltungen mit über 1000 Teilnehmern zunächst bis Karfreitag untersagen. Flächendeckende Schulschließungen wird es nach Angaben des Kultusministeriums in Stuttgart derzeit nicht geben.

Italiens Regierung schränkt wegen der Coronavirus-Epidemie die Reise- und Versammlungsfreiheit im ganzen Land ein. Regierungschef Giuseppe Conte rief am Montagabend dazu auf, landesweit auf Reisen zu verzichten. Er kündigte ein Versammlungsverbot an, das am Dienstag durch ein Dekret in Kraft gesetzt werden soll. Das Land kämpft gegen eine rapide steigende Zahl von Infizierten und Toten durch die Covid-19-Lungenkrankheit. Mittlerweile haben sich fast 10 000 Menschen angesteckt, mehr als 460 sind gestorben. Die Schulen und Universitäten in ganz Italien bleiben bis zum 3. April geschlossen. Von dem Versammlungsverbot sind auch Sportveranstaltungen betroffen. Bereits zuvor hatte Italien alle Skiorte geschlossen.

Bundesgesundheitsminister Spahn mahnt jeden Bürger, das Seine zur Eindämmung der vom Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 beizutragen. Dazu zähle, weniger zu reisen, nach Möglichkeit von zu Hause aus zu arbeiten oder zu Fuß oder mit dem Rad und nicht mit Bus oder Bahn zur Arbeit zu kommen. Er riet den Bürgern, sich nicht die Hände zu geben, die Hände aber häufig zu waschen.
von Bernhard Walker, Bärbel Nückles, dpa
am Di, 10. März 2020

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