Vorträge und Lesungen

Peter Stamm / Ulrike Almut Sandig / Zsófia Bán - 34. Literaturgespräch: Kurzlesungen mit Gespräch in Freiburg

Wann
Sa, 7. November 2020, 15:00 Uhr
Wo
Freiburg
Historisches Kaufhaus
Vorverkauf
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Vorverkauf auch unter
Tel.: 0761 - 496 88 88 oder bei den
BZ-Geschäftsstellen
Veranstalter
Literaturhaus Freiburg

UPDATE:
Wegen der Corona-Pandemie ist der Zugang zu vielen Veranstaltungen beschränkt, andere finden nur online statt. Eine Verordnung des Landes Baden-Württemberg erlaubt seit dem 1. Juni 2020 wieder Veranstaltungen mit festen Sitzplätzen, sofern Veranstalter ein Hygienekonzept erarbeitet haben. Kultureinrichtungen wie Theater und Konzerthäuser sowie Kinos, welche diese Anforderungen erfüllen, können seither wieder öffnen. Seit dem 1. August dürfen wieder bis zu 500 Menschen an einer Veranstaltung oder an Messen teilnehmen. Ab. 1. September sind Messen mit mehr als 500 Teilnehmern wieder erlaubt. Großveranstaltungen mit mehr als 500 Menschen bleiben jedoch bis Ende Oktober verboten. Auch in der Schweiz und im Elsass gelten Einschränkungen. Wir empfehlen Ihnen, sich direkt beim Veranstalter darüber zu informieren, ob die Veranstaltung stattfindet oder nicht.

Peter Stamm: Wenn es dunkel wird
Moderation: Martin Bruch

David hatte die Maske mitgenommen, obwohl er sicher war, dass er sie heute noch nicht brauchen würde, eine Eichhörnchenmaske, die den ganzen Kopf bedeckte. So beginnt Nahtigal, eine von elf neuen Erzählungen des großen Schweizer Schriftstellers. Peter Stamm führt uns in ein virtuos konstruiertes Labyrinth, in dem wir uns glücklich verlieren, begründet die Jury des Schweizer Buchpreises 2018 ihre Entscheidung für Stamms letzten Roman: Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt zeigt sich als vielschichtige Doppelgänger-Geschichte. Und auch im Erzählband Wenn es dunkel wird (Fischer, 2020) ist nichts, wie es scheint.

Georg geht bald in Rente. Im Büro wird er schon nicht mehr beachtet, zu Hause wartet kein Essen auf ihn. Er scheint sich langsam aufzulösen und fühlt sich, als würde er schweben. Sabrina ist geschmeichelt, als ein Künstler sie anspricht, und dann erschrickt sie, als sie sich zum ersten Mal als Kunstwerk sieht. Was, wenn die ungeheuerliche Fantasie realer wäre als die Wirklichkeit?

In all seinen Büchern lotet Peter Stamm die Facetten menschlicher Existenz aus. Seine Figuren sind Versehrte und Fantasten. Seine Kurzgeschichten meisterhaft. Im neuen Band führen sie ins Unheimliche, erzählen von zärtlichem Grauen, abgründigem Schwindel und gespenstischer Liebe.

Ulrike Almut Sandig: Monster wie wir
Moderation: Annette Pehnt

Ruth spielt Geige und hat Angst vor Vampiren. Sie wächst in einem Pfarrhaus in der ostdeutschen Pampa auf. Aber Gott ist kein Parteisekretär, um dessen Schutz man buhlen könnte. Ihr bester Freund Viktor hat einen Mondglobus und Falten im Gesicht. Er fürchtet sich nur vor seinem Scheißschwager. Aber dann findet er diesen Schalter in seinem Kopf, um rein gar nichts zu empfinden. Und wird selbst zum Fürchten.

Was Gewalt bedeutet, wissen sie beide. Hier, wo der Braunkohleabbau ganze Dörfer und Wälder verschlingt, hilft man sich am besten selbst. Viktor macht jeden Tag Sit-ups und rasiert sich eine Glatze. Dass einer wie er als Au-Pair nach Frankreich geht, versteht niemand. Doch für Viktor ist es überall besser als zu Hause. Und Ruth? Die flüchtet sich ins Geigenspiel.

Wohin es die beiden auch verschlägt, überall werden sie von Gewalt eingeholt. Wann also schaut Ruth von ihrer Geige auf? Und vor allem: Wie rettet man einander?

Monster wie wir (Schöffling, 2020) ist der erste Roman der gefeierten Dichterin und Klangkünstlerin Ulrike Almut Sandig. In funkelnder Prosa voll harter Beats schildert sie ihre Generation, geprägt von Um- und Aufbruch, von Identitätsverlust und der Suche nach Selbstbestimmung.

Zsófia Bán: Weiter atmen
Moderation: Thomas Geiger

Franz Reichelt steht 1912 mit seinem selbstgebauten Fallschirm auf dem Eiffelturm und zögert, sein Atem wölkt sich in der Kälte, in den alten Schwarzweißaufnahmen pulsieren Chemie und Kratzspuren wie dichter Schneefall.

Robika, der ein Siebtklässler wäre, wenn er eine Vorstellung von der Zeit hätte und in die Schule ginge, hat eine Obsession: Jede Woche sucht er sich im Laden von Mama Roza sieben weiße Seifen aus. Als der Laden einmal geschlossen ist, hat Robikas Mutter mit dem untröstlichen Kind einen Fahrradunfall und Robika muss geröntgt werden, eine Seife fest in jeder Hand.

Ob sie von einer gestrandeten Flüchtlingsfamilie erzählt, von Rimbaud und denen, die ihn erforschen, von Liebenden, Kranken, Kindern Zsófia Bán gelingen in Weiter atmen (Suhrkamp, 2020, aus dem Ungarischen von Terézia Mora) mit wenigen Sätzen Figuren, Bilder, innere Landschaften von ungekannter Tiefenschärfe.

Was mich interessiert, ist die kleine Lücke zwischen der Abbildung und der Wirklichkeit dahinter, sagt Zsófia Bán. Die 1957 in Rio de Janeiro geborene Autorin lebt heute in Budapest. Nach Abendschule. Fibel für Erwachsene und Als nur die Tiere lebten erschienen auf Deutsch die Essays Der Sommer unsres Missvergnügens.
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Foto Ulrike Almut Sandig: © Michael Aust, Villa Concordia

Datum: 07.11.2020, 15-18 Uhr
Ort: Historisches Kaufhaus, Münsterplatz 24
Eintritt: 5 Euro (für alle drei Lesungen)

Literaturgespräch
Außer Haus
Quelle: Veranstalter

Veröffentlicht am Di, 22. September 2020 um 14:39 Uhr

  • Münsterplatz 24
  • 79098 Freiburg im Breisgau
  • Tel.: 0761 3881133

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