Interaktive Kunst

Peter Vogel aus Freiburg erhält am Sonntag den Oberrheinischen Kunstpreis in Offenburg

Der Oberrheinische Kunstpreis 2017 der Stadt und des Förderkreises Kunst und Kultur geht an einen Pionier interaktiver Kunstwerke.

OFFENBURG. Der Pionier der analogen elektronischen Klangkunst, der Freiburger Peter Vogel, erhält den Oberrheinische Kunstpreis 2017. Der Preis ist dotiert mit 10 000 Euro, einer Ausstellung und einem Katalog. Der Künstler ist leider im Mai dieses Jahres verstorben. Dass er den Preis erhalten sollte, wurde ihm jedoch bereits vergangenes Jahr mitgeteilt, "und er hat ihn sehr dankbar und erfreut entgegen genommen", sagte Franz Bernhard Serexhe, der bei der Preisverleihung am Sonntag in der Offenburger Reithalle die Laudatio halten wird. Vogels Sohn nimmt den Preis entgegen.

Die Klangobjekte des 1937 geborenen Künstlers haben in den 1970er Jahren für Furore gesorgt, weil Ausstellungsbesucher durch Bewegung in Vogels Installationen eingreifen und Teil der Inszenierung werden konnten. Denn die mit Transistoren, Kondensatoren, Widerständen und Draht gebauten Kunstwerke reagierten auf die Besucher, und bald merkten diese, dass sie gezielt auf die Tonfolgen der Objekte Einfluss nehmen können – allerdings nur so weit es der Künstler erlaubt. Denn den Taktstock gab Peter Vogel nie aus der Hand, der seine ästhetischen Plastiken in die ganze Welt trug: Von Freiburg nach Basel, Zürich, den Haag, Essen, Berlin, Wien, New York, San Francisco, schließlich auch nach Japan, Korea und Südamerika. Der Sohn eines Malers und einer Bildhauerin studierte zunächst Physik und entwickelte medizinische Geräte für die Hirnforschung, begeisterte sich aber auch für Musik und Tanz. Diese Verbindung von Wissenschaft und Kunst drücke der griechische Begriff "téchne" besonders gut aus, so Vogels Laudator beim Rundgang in der Städtischen Galerie. Peter Vogel hat aus diesen Künsten seine Ausdrucksweise gefunden, bei der das Objekt auf dem Sockel oder an der Wand bereits wirkt, bevor es sich bewegt oder tönt. Dann aber erst ist es Kunst im Sinne des Erfinders, dem die Interaktion seiner Installationen mit dem Betrachter am wichtigsten war. Peter Vogel hat seinen Arbeiten nicht nur jeweils eine Antwort auf einen Impuls eingebaut, sondern mehrere Antworten in unterschiedlicher Abfolge und somit die Möglichkeit ganzer Kompositionen eröffnet. Deshalb galt der Freiburger Künstler auch bei Festivals neuer Musik, etwa den Donaueschinger Musiktagen, als Wegweiser. Vor seinen Klangwänden wurden Tanzperformances aufgeführt. Auch die Besucher der Offenburger Schau werden ihre Freude daran haben, die Räume zum Klingen zu bringen.

Oberbürgermeisterin Edith Schreiner zeigte sich erfreut darüber, dass der alle drei Jahre von der Stadt Offenburg und dem Förderkreis Kunst und Kultur ausgelobte Oberrheinische Kunstpreis die drei Länder Deutschland, Schweiz und Frankreich zusammenbringe.

Als erste hatte die Malerin Corinne Wasmuht, die an der Kunstakademie in Karlsruhe lehrt, den Preis erhalten. Danach bekam ihn Miriam Cahn aus Basel, die bei der Documenta14 in Kassel große Aufmerksamkeit genoss. In der Jury für den Kunstpreis 2017 haben sich Kuratoren und Museumsleiter aus Freiburg, Straßburg, Karlsruhe und Frankfurt auf Peter Vogel verständigt.

Städtische Galerie Offenburg: Oberrheinischer Kunstpreis 2017 für Peter Vogel (1937 bis 2017). Vernissage am Sonntag, 22. Oktober, 11 Uhr in der Reithalle im Kulturforum Offenburg. Die Ausstellung in der Städtischen Galerie, Amand-Goegg-Straße 2, dauert bis 4. Februar. Geöffnet: Dienstag bis Freitag, 13 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag, 11 bis 17 Uhr. Geschlossen am 25. Oktober sowie an Feiertagen um die Jahreswende. Weitere Infos zu Öffnungszeiten, Führungen und Kursen im Internet unter http://www.galerie-offenburg.de. Eintritt 3 Euro, ermäßigt 2. Webseite des Künstlers mit Videos: petervogl-objekte.de
von Eri Sieberts
am Do, 19. Oktober 2017


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