Pfaffenweilers Orgel wird geliebt

BZ-WEIHNACHTSSERIE: Alfred Nienhaus spielt das 1880 gebaute und 1998 renovierte Instrument sehr gerne.

PFAFFENWEILER. Eine romantische Orgel der berühmten Firma Walcker steht in Pfaffenweilers alter, aber 1979 modern erweiterter Kirche St. Columba. So vielfältig wie dieses gesamte Ensemble sind die Klangfarben des Instruments, die – gemäß dem romantischen Ideal – harmonisch miteinander verschmelzen. "Ich bin schon ein bisschen verliebt in die Orgel", gesteht Organist Alfred Nienhaus.

Als die Pfarrgemeinde Pfaffenweiler sich Ende des 19. Jahrhunderts entschloss, eine neue Orgel zu kaufen, hatte sie anscheinend hohe Ansprüche: Sie wandte sich an die Firma Walcker in Ludwigsburg, die auch über Deutschland hinaus als führend im Orgelbau galt. Im Juli 1880 wurde die neue Kirchenorgel, die die Werknummerierung Opus 382 trägt, eingeweiht. 6650 Mark hatte sie gekostet, eine Summe, die die Gemeinde nur mit Unterstützung einer Stiftung aufbringen konnte.

Alfred Nienhaus spielt seit 2004 auf der Pfaffenweiler Orgel. Er stammt aus Westfalen und ist kein ausgebildeter Organist. Bescheiden nennt er sich selbst einen Laienmusiker. Schon im Internat habe er aber Orgelunterricht gehabt, später Klavierunterricht, seit mehr als 30 Jahren spielt er regelmäßig in den Gemeinden seiner Wohnorte. 2003 kam der Finanz- und Lohnbuchhalter nach Pfaffenweiler, trat dem Kirchenchor bei, übernahm die Leitung des Frauenchores und, neben einem angestellten Organisten, der für mehrere Gemeinden zuständig ist, auch das Orgelspiel im Gottesdienst. "Es hat sich schnell entwickelt, dass ich hier kirchenmusikalisch relativ viel mache", sagt der 65-Jährige.

Die Orgel hat es Nienhaus angetan. "Ich mag sie sehr", sagt er, auch wenn sie nicht ganz leicht zu spielen sei: Für die rein mechanische Traktur – also die Verbindung zwischen den Tasten und den Pfeifenventilen – brauche der Organist mehr Kraft als bei Instrumenten mit pneumatischen oder elektrischen Trakturen. "Aber die Vielzahl der Klangfarben, die sie erzeugen kann, ist beachtenswert."

Bis zu ihrem heutigen Klang hatte die Walcker-Orgel allerdings einige Veränderungen zu überstehen: In den 1960er Jahren wurde der Spieltisch abgerückt und so gedreht, dass der Organist nicht mehr in den Kirchenraum, sondern auf die Orgel schaute. So sollte er während des Spielens leichter den neben der Orgel stehenden Kirchenchor dirigieren können. "Das hatte erhebliche Konsequenzen", sagt Nienhaus: Die Traktur musste verlängert werden und funktionierte einige Zeit nicht mehr richtig. Auch klanglich wurden Änderungen vorgenommen.

Als die zuvor eher kleine Pfaffenweiler Dorfkirche 1979 in einem großen Umbau erweitert wurde, stellte sich sogar die Frage, ob nicht eine neue Orgel nötig sei, um den großen Kirchenbau mit Klang füllen zu können. Stattdessen entschied man sich, die Orgel zu restaurieren, die Veränderungen des vorigen Jahrzehnts rückgängig zu machen und das Instrument dem Raum anzupassen – aber es fehlte das Geld. Erst Mitte der 1990er Jahre wurde die Idee wieder aufgegriffen, 1998 war es so weit: Die von Orgelbauer Hermann Weber aus Leutkirch restaurierte Orgel wurde feierlich eingeweiht.

Weber setzte den Spieltisch zurück in seine ursprüngliche Position, baute eine neue Windmaschine und versetzte auch das Pfeifenwerk in den Ursprungszustand zurück. Um den klanglichen Anforderungen des großen Kirchenraums gerecht zu werden, ergänzte er die Orgel außerdem um einige Register und ein drittes Manual. Seine Arbeit sei geleitet gewesen von dem "Bestreben, Altes zu bewahren und mit sparsamen Mitteln so zu ergänzen, dass keine Kompromisslösung am Ende dieses Weges stehen musste, sondern ein ehrliches, in sich stimmiges Konzept", schreibt Weber in der Broschüre zur Vorstellung der restaurierten und erweiterten Orgel.

"Es gab auch Walcker-Puristen, die sich sehr kritisch geäußert haben", sagt Nienhaus, "aber ich bin der Meinung, dass Umbau und Ergänzung der Orgel gut getan haben." Sie habe nun eine noch größere klangliche Fülle. Die große Bandbreite fasziniere ihn. Der Organist zieht einige Register und spielt den Beatles-Song "When I’m sixty four" an: "So klingt sie zum Beispiel fast wie eine Kirmesorgel – im besten Sinne." Gebaut wurde die Orgel für Musik der Romantik, das kann sie auch heute nicht verleugnen. Doch auch für Barockwerke sei sie geeignet, findet Nienhaus. Seine Lieblingsregister tragen die Namen "Flauto dolce" und "Lieblich gedeckt", ihr Klang ist sanft und dennoch klar. "Die benutze ich oft, wenn ich zur Kommunion etwas spiele."

Am 22. Dezember kommt Orgelbauer Hermann Weber nach Pfaffenweiler, er wird die Walcker-Orgel, die ein bisschen auch seine ist, säubern, reparieren und für Weihnachten stimmen. Alfred Nienhaus ist seit November Rentner. Wahrscheinlich wird die Pfaffenweiler Orgel im nächsten Jahr deshalb auch tagsüber öfter zu hören sein.
von Thomas Goebel
am Fr, 19. Dezember 2014

DIE WALCKER-ORGEL

- Baujahr: 1880

- Firma: E.F. Walcker & Cie,

Ludwigsburg

- Renoviert: 1998 von Hermann Weber, Leutkirch im Allgäu

- Anzahl Register: 25

- Anzahl Pfeifen: 1458

Weitere Serienteile gibt es unter http://mehr.bz/orgelserie
 

Autor: thg

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