Rees ist die Kurzform von Andreas

BZ-SERIE: Konrad Kunze erklärt den Ursprung der häufigsten Namen in Oberried.

OBERRIED. Seit einem Vierteljahrhundert befasst sich der Freiburger Sprach- und Literaturwissenschaftler Konrad Kunze mit der Herkunft unserer Familiennamen. In der BZ erklärt er in einer Serie, welche Wurzeln Namen haben, die in der Region häufig vorkommen. Heute geht es um die Namen in Oberried. Viele der häufigsten Familiennamen hier gehen auf die Rufnamen der Vorfahren zurück, etwa Lorenz und Albrecht. Lorenz (bundesweit etwa 64 000 Menschen) und Albrecht (61 800) sind in ganz Deutschland verbreitet. Im Breisgau aber treten sie gehäuft nur in Oberried auf.

Eine alemannische Kurzform von Andreas ist Rees. Als Familienname (1900) findet es sich einerseits in und um Spaichingen, andererseits im Breisgau, besonders in Oberried, Freiburg, Gottenheim und Herbolzheim. Der Rufname Jodokus wurde oft verkürzt, sodass Joos, Jooss, Jooß als rund 6100 Familiennamen in ganz Baden-Württemberg – und fast nur hier – auftreten. Weil aus einem langen o im schwäbischen Dialekt oft ein au wird, gibt es in Württemberg auch circa 1440 Jaus(s) und Jauß. Diese konnten manchmal auch als Jautz (210) geschrieben werden, und finden sich so in Oberschwaben und weit entfernt davon in Oberried. Nach Oberried müssen sie aus Oberschwaben eingewandert sein, weil nur dort aus o ein au werden konnte.

Die Vorfahren der circa 1400 Zähringer stammen zweifellos aus Zähringen. Der Name findet sich, nach Freiburg, am häufigsten in Oberried. Die rund 590 Brender wohnen hauptsächlich in Todtnau, Oberried und Freiburg. Brend ist im Schwarzwald eine Bezeichnung für Landstücke, die durch Brandrodung urbar gemacht wurden, und die Vorfahren der Brender müssen auf einer solchen Rodung gewohnt haben. Oder sie stammen aus Brenden, einem Zinken in Hofsgrund. Dagegen haben die Winterhalter ihren Hof auf der Winterhalde gehabt, wo der Schnee länger liegen blieb als auf der Sommer- oder Spiegelhalde, auf der die Sonne spiegelte. Weil im alemannischen Dialekt d und t nicht unterschieden werden, finden sich circa 880 Winterhalder neben 1400 Winterhaltern, 15 Sommerhalder neben 130 Sommerhaldern und 160 Spiegelhalder neben 430 Spiegelhaltern. Das Ausgangszentrum der Winterhalder, -halter ist der Raum Hinterzarten – Neustadt – Eisenbach. Von da kamen sie in den Breisgau, die meisten nach Freiburg und Oberried.

Sandmann (rund 5700) ist ein westfälisch-niedersächsischer Name und dort ein Amtsname für einen, der gesandt ist, also richterliche Befugnisse besitzt. Zudem kann es ein Wohnstättenname sein für jemanden, der aus Sand stammt oder in einer sandigen Gegend wohnt. Einige Sandmanns wohnen auch im Raum Neustadt a. d. Aisch und in Oberried. Hier können es nur Wohnstättennamen oder Berufsnamen für jemanden sein, der Sand verkaufte.

Die ungefähr 80 Personen namens Wiestler wohnen fast alle in Oberried, einige zogen von da in die nähere Umgebung. Es kann ein Wohnstättenname sein, der sich auf wüstes, unbebautes Land bezieht. Möglich wäre auch ein alemannischer Übername für jemanden, der wie ein Wilder schafft. Die rund 1500 Riesterer haben ihren Ausgangspunkt im Münstertal, wo heute fünf Prozent der Einwohner so heißen. Von da zogen sie nach Staufen, Freiburg, Oberried und Kirchzarten. Das Wort Riester bezeichnete ursprünglich das Riesterbrett am Pflug und wurde dann auch auf riesterförmige Flicken übertragen, mit denen man Schuhe reparierte. Der Name Riesterer bezieht sich von also auf den Flickschuster. In Württemberg entspricht ihm der Name Riester (etwa 1400).
von Konrad Kunze
am Fr, 04. November 2016

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