Schauspiel

Regine Effinger inszeniert im Freiburger Rathaushof Peter Hacks' "Amphitryon"

Regine Effinger inszeniert im Freiburger Rathaushof Peter Hacks’ "Amphitryon".

Weiße Segel und ein hoffentlich blauer Himmel sollen ab Samstag einen Hauch von antikem Griechenland in den Rathaushof bringen: Bei den 44. Rathaushofspielen zeigt das Freiburger Wallgraben-Theater Peter Hacks "Amphitryon".

Es ist kein Stoff, der dem Theater fremd ist. Schon Mitte der 80er Jahre stand Peter Hacks’ "Amphitryon" auf dem Spielplan, 2003 folgte die Tragikkomödie von Heinrich von Kleist. Kleists Fassung sei sicher von größerer Bedeutung, "Hacks’ Sprache und sein Stil machen ihn jedoch zu einem der großen zeitgenössischen Autoren", sagt Mitinhaberin und Regisseurin Regine Effinger. "Ich mag das Stück sehr, weil es ein wunderbarer Mix zwischen Poesie und moderner Sprache ist." Hacks war einer der bedeutendsten Dramatiker der DDR und der einzige, dessen Stücke sowohl in der DDR als auch in der BRD gespielt wurden. "Amphitryon" ist im Blankvers geschrieben.

Hauptfigur ist der Feldherr Amphitryon von Theben, der nach der Schlacht gegen die Taphier siegreich zu seiner Frau Alkmene zurückkehrt. Sie freut sich weit weniger als erwartet, hatte sie doch schon eine heiße Liebesnacht mit ihm verbracht, wie sie annimmt. Dabei hatte es sich jedoch um den Göttervater Jupiter gehandelt, der die Gestalt Amphitryons angenommen hatte.

Hacks "Amphitryon" sei straffer als Kleists, sagt Effinger; auch weil er eine der Figuren gestrichen habe; nur fünf bleiben. Wo Kleist philosophische Fragen aufwerfe, gehe Hacks mehr ins Politische. "Die Themen sind zeitlos, weil der Mensch immer nach einer schützenden Obrigkeit gesucht hat." Von Schutz könne bei "Amphitryon" indes keine Rede sein. Die Götter nützten die Menschen aus, mischten sich ein und zögen sich hinterher wieder zurück. "Dem sind die Menschen hilflos ausgeliefert", sagt Effinger.

Dieser ernste Hintergrund, gepaart mit Selbstironie und Humor, mache das Stück passend für das Wallgraben-Theater. Genau das sei das Schöne an Hacks’ Stück: dass es zwar mit Komödie überschrieben sei, aber nicht nur in ein Genre passe. Hacks werde nicht oft an deutschen Theatern gespielt, "aber wenn er gespielt wird, hat er immer seine Berechtigung", sagt Effinger.

Momentan laufen die letzten Proben im Rathaushof. Das Bühnenbild steht schon: zwei gegenläufige Schrägen, die die Ebenen der Götter und Menschen repräsentieren. Ein Bühnenbild, das sich nicht leicht bewegen lässt. Was, wenn der Himmel nicht blau bleibt? "Wir haben das Bühnenbild doppelt, das zweite steht in unserem Kellertheater", sagt Effinger. Wer will denn schon einem (Wetter-)Gott hilflos ausgeliefert sein...

Termine: Freiburg, Wallgraben-Theater,
Premiere: Sa, 20. Juli, 20 Uhr.
Weitere Termine: bis 1. September

von Hannah Fedricks Zelaya
am Fr, 19. Juli 2019

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