Breisach, Elsass und Corona

RHEINGEFLÜSTER: Auch Freunde haben Viren

Breisachs Bürgermeister Oliver Rein ist ein überzeugter Europäer und ein großer Freund Frankreichs. Er pflegt nicht nur viele politische Kontakte ins benachbarte Elsass, sondern hat dort im Laufe der Jahre auch schon einige persönliche Bekanntschaften geschlossen. Wenn Oliver Rein nun fordert, die Kontrollen an der deutsch-französischen Grenze zu verstärken und nur noch nach Breisach oder ins Elsass ein- oder ausreisen zu lassen, wer ein ärztliches Attest vorweisen kann oder dringend zur Arbeit muss, dann ist die Situation ernst. Wer derzeit in Breisach unterwegs ist, der findet eine schon etwas paradoxe Situation vor. Die Stadtverwaltung und die Vereine tun alles, was möglich ist, um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen, damit sich Ärzte und Pflegepersonal in den Krankenhäusern um die Menschen kümmern können, die lebensbedrohliche Symptome aufweisen. Das öffentliche Leben in der Münsterstadt steht quasi still, damit sich möglichst wenig Menschen auf engem Raum begegnen. Wer jedoch in den Discountern Lidl oder Aldi oder im Edeka in Breisach einkauft, der stößt auf engem Raum nach wie vor auf Hunderte von Elsässern, die aus der als Corona-Risikogebiet eingestuften Grenzregion kommen, um günstig in Deutschland einzukaufen. Um nicht falsch verstanden zu werden: Die elsässischen Freunde sind in Breisach stets willkommen, und das nicht nur, weil sie für viele Geschäfte und Gaststätten gute Kunden sind. Allerdings haben auch Freunde Viren. Und zu einer guten Freundschaft gehört auch, dass man gegenseitig Rücksicht nimmt und nicht der günstigeren Lebensmittel wegen für andere ein nicht geringes Ansteckungsrisiko darstellt.
von Gerold Zink
am Sa, 14. März 2020

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