Wolfswinkel-Debatte

Salomon: Lavori soll Vorwurf der Unehrlichkeit zurücknehmen

Ernst Lavori, Vorsitzender der AG der Freiburger Bürgervereine, hat die Verwaltung im Zuge der Debatte über das neue SC-Stadion als unehrlich bezeichnet. Oberbürgermeister Salomon ist entsetzt.

Es fielen harsche Worte in der jüngsten Versammlung der Bürgerinitiative Pro Wolfswinkel – im Streit um den möglichen Stadionstandort wurde die Stadtspitze mit Vorwürfen überhäuft. Ernst Lavori, Mooswald-Anwohner und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Freiburger Bürgervereine (AFB), hatte kritisiert: "Es gibt keine Ehrlichkeit in der Verwaltung." Dieser Satz sorgt nun im Rathaus für viel Ärger: "Ich erwarte, dass diese Äußerung, wenn sie denn so gefallen ist, zurückgenommen wird", sagte am Donnerstag Oberbürgermeister Dieter Salomon gegenüber der BZ.

"Bisher habe ich von allen Beteiligten immer nur gehört, wie hervorragend dieser Dialog läuft." Oberbürgermeister Dieter Salomon
Die Äußerung von der fehlenden Ehrlichkeit sei, so der OB, unglaublich der ganzen Stadtverwaltung gegenüber. Salomon verwies auf die AFB und Lavoris Rolle dort: Es schade dem Ansehen der Bürgervereine und es sei verantwortungslos, wenn der AFB-Vorsitzende dieses Bild von der Stadtverwaltung in die Öffentlichkeit transportiere. Der Oberbürgermeister verwies auf das Dialogverfahren zum Stadion mit allen Vertretern vor Ort – das Verfahren sei transparenter, aufwendiger und teurer als bei allen anderen Projekten. "Bisher habe ich von allen Beteiligten immer nur gehört, wie hervorragend dieser Dialog läuft", so Salomon.

An diesem Verfahren hat auch Ernst Lavori, wie er erklärt, überhaupt nichts auszusetzen. Sein Ehrlichkeits-Zitat sei vielleicht falsch herübergekommen, räumt er ein. Er habe gemeint, dass in einer Verwaltung in einer Stadt von der Größe Freiburgs nie alle auf dem gleichen Stand sein könnten, nie alles sagen und damit auch nie ehrlich sein könnten. Er habe kein Öl ins Feuer gegossen, niemanden beleidigt: "Und ich habe auch kein niveauloses Statement abgegeben", so der Bürgervereinsvertreter. Er wolle aber seine Meinung sagen, ein Kuschelkurs sei mit ihm nicht zu machen.

"Man kann eine andere Meinung haben, aber es geht auch um die Art und den Stil der Auseinandersetzung. Da werden Grenzen verletzt." Baubürgermeister Martin Haag
Er steht auch zu seinem Vorwurf, dass Informationen nur scheibchenweise kämen. Gleichzeitig distanzierte sich Lavori am Donnerstag aber auch deutlich von einigen deftigen Redebeiträgen vom Dienstag, die auch er als unangebracht empfand. Er selbst sei nur Gast der Veranstaltung gewesen – und nicht deren Moderator.

Rund 200 Mooswälder hatten die Versammlung im Fritz-Hüttinger-Haus besucht. Ein Gegner des Stadionstandorts Flugplatz sagte, die Gemeinderäte seien von Salomon "gekauft", ein anderer sprach gar von "Berlusconi-Land". Baubürgermeister Martin Haag wurde vorgeworfen, dass er die Bürger "auf die dümmste Art verarsche".

In Karlsruhe ticken die Uhren offenbar anders

Für Haag gehen die Vorwürfe an die Grenze der Beleidigung. "Man kann eine andere Meinung haben, aber es geht auch um die Art und den Stil der Auseinandersetzung. Da werden Grenzen verletzt", so der Baubürgermeister. Auch inhaltlich äußerte er Kritik: So waren die an dem Abend präsentierten vermeintlich neuen Zahlen über die samstäglichen Besucher der Möbelmeile längst bekannt.

Beim Sportclub Freiburg sieht man die scharfe Debatte mit Sorge: "Alle sollten bei Zahlen und Fakten bleiben", sagt SC-Vorsitzender Fritz Keller. "Die Stadt bemüht sich sehr, nach bestem Wissen und Gewissen alles vorzulegen und die Bürger zu informieren", so Kellers Beobachtung. Dem Verein gehe alles viel zu langsam – in keiner anderen Stadt in Deutschland werde so gründlich und genau geprüft.

Auf seiner Facebookseite hat der SC am Donnerstag zwei Beiträge nebeneinander gestellt. Zum einen eine Meldung aus Karlsruhe: Dort haben sich Stadt und Zweitligist KSC jetzt auf einen Stadionneubau im Wildpark geeinigt. Zum anderen stand da der BZ-Bericht über die Versammlung im Mooswald mit dem Kommentar: "Bei uns dauert es wohl noch ein bisschen länger."

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von Joachim Röderer
am Do, 10. Oktober 2013 um 19:44 Uhr

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