Schon die alten Germanen hinterließen ihre Spuren

BZ-SERIE: Die häufigsten Familiennamen in Merdingen wie Landmann, Wochner und Menner sind meist ganz bodenständig.

MERDINGEN. Seit einem Vierteljahrhundert befasst sich der Freiburger Sprach- und Literaturwissenschaftler Konrad Kunze mit der Herkunft unserer Familiennamen. In der BZ erklärt er in einer Serie, welche Wurzeln Namen haben, die in der Region häufig vorkommen. Heute geht es um die häufigsten Namen in Merdingen.

Unter den zehn häufigsten Familienamen zählt hier einzig Weber (37 Personen) zu den Fällen, die auch in Deutschland die ersten Ränge einnehmen. Fünfzehn Prozent der Einwohner teilen sich die fünf häufigsten, bodenständigen Namen Selinger (82 Personen), Schopp (75), Bärmann (54), Ehret (50) und Landmann (42). Die insgesamt etwa 1190 Selinger bilden hier das größte Nest, einige finden sich auch in der Pfalz, dort zusammen mit circa 750 Seelingern, und in Oberkirch und Lautenbach finden sich noch etwa 100 Sehlinger. Ihre Vorfahren müssen vor über einem halben Jahrtausend aus Söllingen bei Rastatt oder aus Söllingen bei Durlach ausgewandert sein. Beide Orte wurden im Mittelalter, als die Familiennamen entstanden, noch Selingen geschrieben, und entsprechend hat man die Auswanderer dort, wo sie sich neu niederließen, Selinger genannt. Aus Ober- oder Unterbaldingen bei Donaueschingen stammen die circa 120 Baldinger, die hauptsächlich in Merdingen (29) und von hier aus in Freiburg zu finden sind. Weniger eindeutig ist die Herkunft des Namens Escher (32). Die insgesamt 3600 Personen sind in ganz Deutschland verstreut, im Südwesten besonders im Saarland, im Raum Stuttgart und in Merdingen sowie in Freiburg, Neuenburg und Bad Bellingen.

Sie können aus einem der Orte namens Esch oder Eschau stammen, oder an einer Esche oder an einer Esch (Saatfeld) genannten Flur gewohnt haben. Ein Schultheiß am Kaiserstuhl wird Ende des 14. Jahrhunderts sowohl Johann Escher als auch Johann Äscher geschrieben. Es kann sich also auch noch um einen Berufsnamen für den Seifensieder oder Lohgerber handeln, die mit ausgelaugter Asche arbeiteten.

Im Jahre 1472 ist in Merdingen ein Hans Schop bezeugt, der auch Hans Schöpli genannt wird. Darin steckt das mittelhochdeutsche Wort schope "Jacke", das im Alemannischen als Tschope weiterlebt. Schopp wird daher hier wohl ein Übername für den Hersteller oder Träger solcher Jacken sein. Die insgesamt 2200 Schopp finden sich außer in Merdingen häufig noch in den Räumen Speyer, Stuttgart und Bonn-Köln-Aachen. Die pfälzischen Schopp könnten Herkunftsnamen zum Ort Schopp bei Pirmasens sein, die nördlichen vielleicht Berufsnamen für den Schoppenhauer oder Schopenhauer, der Schopen (große Holzkellen) herstellte, oder für den Brauknecht, der solche benutzte. Auf Rufnamen gehen die Fälle Bärmann und Ehret zurück. Bermann war ein alter germanischer Rufname. Auch können Rufnamen wie Berwin oder Berwald zu Bero gekürzt worden sein, und wenn Vater und Sohn beide Bero hießen, der Junior als Bermann vom Senior unterschieden worden sein. Die etwa 1070 Bärmann und 280 Baermann bilden außer in Merdingen noch ein Nest im Raum Zweibrücken, sonst ist der Name weit verstreut. Ebenfalls zwei Nester, eines an der südlichen Bergstraße, das zweite im Breisgau, bilden die circa 4400 Ehret. In Weisweil tragen sechs Prozent der Einwohner diesen Namen. Es ist eine Kurzform aus dem Rufnamen Ehrhard.

Auf landwirtschaftliche Berufe gehen Landmann (42), Wochner (40) und Menner (36) zurück. Die insgesamt rund 2900 Landmann sind sehr verstreut, die größte Konzentration im Südwesten bietet Merdingen. Landmann, Baumann und Bauer bedeuten ungefähr dasselbe.

Wochner ist der Bauer, der bei seiner Herrschaft Wochendienst leisten musste. Die circa 680 Wochner wohnen vor allem in Merdingen, im Raum Balingen (Württemberg) und in Oberschwaben, wogegen sich dem Dialekt entsprechend am Hochrhein und im Wiesental etwa 360 Wuchner finden. Von den hochgerechnet 770 Menner sind 36 in Merdingen und viele von hier aus in Freiburg wohnhaft, die übrigen in Württemberg und Bayern verstreut. Es handelt sich um ein altes Wort für den Knecht, der das Zugvieh auf den Acker zu menen (führen) und dort mit ihm zu arbeiten hatte.
von Konrad Kunze
am Do, 29. September 2016

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