BZ-Serie Auf, Lauf!

So trainiert es sich bei Minusgraden im Schwarzwald

BZ-SERIE AUF, LAUF! (3): Kathrin Blum im kalten Schwarzwald.

FREIBURG. BZ-Redakteurin Kathrin Blum trainiert für den Halbmarathon im Frühjahr – und erzählt alle zwei Wochen, wie es läuft mit dem Laufen.

Motiviert von Thomas Klingenbergers Leistungsdiagnostik verabrede ich mich zwischen Festessen, Schokoladentorte und Butterplätzchen mit meinem Schwiegervater Roland zur nächsten Trainingseinheit – in seiner Heimat, einem Dörfchen im tiefen Schwarzwald.

Bevor wir am nächsten Tagen starten, erzählt er von der Rotte Wildschweine (26 Tiere!), die seine Strecke vor einigen Tagen gekreuzt hat. Wenn er glaubt, dass ich deshalb schneller rennen übe (um im Ernstfall flüchten zu können), täuscht er sich. Im Sprinten bin ich ungefähr so gut wie im Kugelstoßen (siehe Teil 2 dieser Serie). Wir laufen also los an diesem Tag zwischen den Jahren, bei minus zwei Grad und dichtem Nebel. Unsere Anhängsel: ein paar zusätzliche Weihnachtspfunde und das (zu meinem Leidwesen extrem sportliche) Familienmitglied Z., das mittrainieren, aber anonym bleiben möchte.

Das Schlimmste am Heimatdorf meines Schwiegervaters ist übrigens nicht der schwarze Wald, der es von allen Seiten umgibt, sondern die Tallage. Egal in welche Himmelsrichtung wir loslaufen – es geht immer bergauf. Nach dem ersten Kilometer bin ich deshalb schon so fertig, dass ich mich unmöglich unterhalten kann. Ist aber auch nicht nötig, so können die anderen besser über mich lästern. "He Kathrin, du wirst noch eine richtige Bergziege", zieht mich Roland auf. Familienmitglied Z. ergänzt: "Jaja, meckern kann sie schon wie eine." Nach drei Kilometern habe ich keine Lust mehr, aber in meinem Trainingsplan stehen 90 (!) Minuten.

Roland rät, das Seitenstechen zu bekämpfen, indem ich auf einen Stein spucke und ihn an gleicher Stelle wieder ablege. Ich frage zurück, ob dazu auch gehört, bei Vollmond nackt ums Lagerfeuer zu tanzen. Seine Retourkutsche folgt prompt, indem er das Tempo anzieht.

Also weiter, hinauf auf Höhen, hinab in Senken. Ich müsste lügen, wenn ich behaupte, dass es Spaß macht bei Temperaturen unter null Grad zu joggen. Aber einen schönen Moment gibt es am Ende doch: Am höchsten Punkt unserer Strecke liegt die Nebelgrenze unter uns und wir kommen in den Genuss eines wunderschönen Sonnenuntergangs. Ach Schwarzwaldwinter, vielleicht werden wir doch noch Freunde. Irgendwann.
von kbl
am Sa, 29. Dezember 2018

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