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Stadion-Standorte in Freiburg: Überall gibt’s einen Haken

In der Stadiondebatte tauchen laufend neue Ideen für einen Standort auf – doch alle wurden längst geprüft und verworfen. Joachim Röderer und Uwe Mauch gehen sie im einzelnen durch.

Haben sich die Stadtverwaltung und der Gemeinderat zu früh auf den "Wolfswinkel" festgelegt? Lassen sie bessere Standorte für ein Stadion außer Acht? Das ist der Vorwurf verschiedener Interessengruppen. Sie bringen bereits aussortierte Varianten erneut ins Spiel wie etwa die Lehener Neumatte an der Autobahn bei Landwasser oder den "Roßwinkel" auf Gundelfinger Terrain. Die FDP-Ratsfraktion hat noch einmal den "Lehener Winkel" beim Mundenhof thematisiert. Die BZ hat die Flächen analysiert.

Interaktive Grafik: Die Problemzonen des alten Stadions
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Keiner dieser Standorte, die jetzt wieder oder immer noch in der Diskussion sind, ist neu. Sämtliche Vorschläge sind schon 2011 in der Analyse des Frankfurter Büros "Albert Speer und Partner" untersucht und gleich in der ersten Runde ausgeschlossen worden. Allerdings war die Untersuchung damals nicht so tiefgehend und gründlich wie jetzt für den "Wolfswinkel" am Flugplatz.

Die Lehener Neumatte

Die Fläche liegt westlich der A5 und in der Verlängerung der Elsässer Straße im Stadtteil Lehen. Gegenüber befindet sich das Tierhygienische Institut. Der große Vorteil: Der Abstand zum nächsten Wohngebiet beträgt gut einen Kilometer – so viel wie bei keiner anderen Variante. Entwickelt hat ihn unter anderem Bernd Veeser, Chef einer Fensterbaufirma im Stadtteil Mooswald: "Wir erhalten Zuspruch aus allen Bevölkerungsschichten", sagt Veeser.

Die Fläche auf Lehener Terrain ist rund sechs Hektar groß und wird heute vorwiegend als Ackerland genutzt. Das Areal sei größer als der geplante Standort im "Wolfswinkel", so Initiator Veeser. 30 Prozent der Flächen sind nach seiner Darstellung in Besitz der Stadt, 40 Prozent gehören der Stiftungsverwaltung, weitere 30 Prozent Privateigentümern. Neben einem Stadion könnte ein Park-and-Ride-Platz entstehen. Anschluss an den Nahverkehr würden die gut einen Kilometer entfernte Endhaltestelle nahe dem Moosweiher in Landwasser sowie die Breisgau-S-Bahn per Zusatzhalt bieten. Der Autoverkehr müsste über die Ausfahrt Freiburg-Mitte und eine neue Straße samt Dreisambrücke geführt werden.

Die Stadtverwaltung hingegen sieht bei der Neumatte jede Menge Knackpunkte. Die fehlende Zufahrt hält Bürgermeister Martin Haag für den größten. Die rund zwei Kilometer lange Straße müsste von der Abfahrt, die Autobahn und B 31 verbindet, über das Terrain der Nachbargemeinde geführt werden – die Flächen dafür gehören zudem Privatpersonen. Notwendig wäre auch der Bau einer Brücke über die Dreisam.

Wegen des geplanten Ausbaus der A 5 auf sechs Spuren muss mindestens 50 Meter Abstand zur Autobahn eingehalten werden. "Damit würde das Stadion ein Stück in den Wald rücken, der zwar auf Freiburger Gemarkung steht, aber der Gemeinde March gehört", erläutert Haag. Und: Am vorgeschlagenen Stadionstandort Neumatte liegt ein Regenrückhaltebecken. Ideenlieferant Veeser hat ihn als kleinen See mit Bewirtung in seine Planung integriert. Aber: Auch ein Wasserschutzgebiet für den Marcher Tiefbrunnen liegt auf dem Terrain. Tangiert wären darüber hinaus Arten- und Naturschutz, da die Neumatte im Landschaftsschutzgebiet Mooswald liegt. Und außerdem hat die Stadt hier mehrere Ausgleichsflächen für andere Bauprojekte ausgewiesen.

"Nie und nimmer."

Umkirchs Bürgermeister Walter Laub
Wegen der privaten Ackerbesitzer – Veeser spricht von zwölf Eigentümern – sei die Verfügbarkeit der Fläche unsicher. Und die Stadt wäre auf Mithilfe der Nachbargemeinden angewiesen. Doch Bürgermeister Walter Laub aus Umkirch winkt ab: "Nie und nimmer kann man durch diesen sensiblen Bereich eine Straße bauen." Seine Gemeinde habe bereits viele Flächen für die Umgehungsstraße verloren. "Es ist gar nicht darstellbar, was man für so eine Stadionzufahrt alles platt machen müsste." Veeser und ein Freiburger Architekt hätten ihm das Vorhaben vorstellen wollen. "Ich habe gleich gesagt, dass sie sich das sparen können." Für Laub ist dieser Standort "ein völliges Unding."

Zurückhaltend fällt die Reaktion in der March aus. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass unser Gemeinderat da sehr begeistert ist", sagt Bürgermeister Josef Hügele mit Blick auf Wald, Wasserschutzgebiet und Verkehr. Und er fügt hinzu: "Wir freuen uns, wenn Freiburg eine Entwicklung gelingt, aber doch bitte auf der eigenen Gemarkung."

Lehener Winkel

Das rund 4,2 Hektar große Areal nahe dem Parkplatz fürs Tiergehege Mundenhof war eigentlich der erste Neubaustandort überhaupt, der in der Diskussion war. Das Thema kam 1998 auf, als der damalige SC-Trainer Volker Finke, so wird heute kolportiert, ein neues Stadion ins Gespräch brachte. Am 9. Februar 1999 beschloss der Gemeinderat, sowohl das damalige Dreisamstadion auszubauen als auch einen Bebauungsplan für ein neues "Großsportstadion" am Lehener Winkel. Das Areal war seit 1974 im Flächennutzungsplan genau dafür reserviert. Sofort formierte sich Widerstand. Die Interessengemeinschaft "Keine Bebauung des Lehener Winkels" engagierte einen Anwalt und reichte eine Petition beim Landtag ein. Häuslebauer im neuen Stadtteil Rieselfeld machten eine Art Prospekthaftung geltend. Denn die Stadt hatte bei der Vermarktung der Baugrundstücke suggeriert, es gebe ringsum ein riesiges Landschaftsschutzgebiet – inklusive "Lehener Winkel". Von Stadionplänen war nie die Rede. Die Käufer fühlten sich getäuscht und drohten mit Rückabwicklung der Verträge. Der städtische Naturschutzbeauftragte lehnte den Standort aus ökologischen Gründen ebenso ab wie der Bund für Umwelt- und Naturschutz.

Nachdem Stadt und SC die Pläne für den Ausbau des bestehenden Stadions nach mehreren Gerichtsterminen und nach einem Vergleich mit den Anwohnern schließlich realisieren konnten, kehrte Ruhe ein. Der Protest hatte gewirkt.

Nun hat die FDP-Fraktion in einem Pressegespräch den " Lehener Winkel" wieder entdeckt. Der größte Vorteil dieser Variante: Grund und Boden gehören dem Land (90 Prozent) und der Stadt (10 Prozent). Ein zweiter Vorteil wäre aus Sicht der Liberalen: Würde der Standort durch eine Verlängerung der Tramtrasse erschlossen, wäre der Mundenhof und damit die beliebteste Freiburger Freizeiteinrichtung gleich mit ins Stadtbahnnetz geknüpft.

Die Idee hat einen großen Haken: "Es geht nur Stadion oder neuer Stadtteil, beides ist nicht möglich", erklärt Baubürgermeister Martin Haag. In unmittelbarer Nähe planen Stadtverwaltung und Gemeinderat den neuen Stadtteil Dietenbach. Ein Stadion im "Lehener Winkel" samt Trainingszentrum und Parkplätzen würde nach Darstellung der Stadtverwaltung rund ein Viertel der Wohnfläche des neuen Stadtteils kosten. Rechnet man noch die Lärmschutzabstände dazu, würde mindestens ein Drittel Fläche für Wohnen wegfallen – was noch übrig bliebe, reichte nicht aus, um den Freiburger Bedarf an Wohnraum zu decken.

Ärger programmiert wäre erneut mit dem Stadtteil Rieselfeld, dessen Häuser rund 500 Meter entfernt von einer Arena im "Lehener Winkel" lägen. Auch die Verkehrserschließung wäre ein Problem, denn die Straßenbahnverlängerung um 1,4 Kilometer müsste die Stadt komplett selbst zahlen, Zuschüsse vom Land seien nicht möglich, so die Stadt. Grob geschätzte Kosten: 14 Millionen Euro. Ebenfalls zu erwarten seien Konflikte mit dem Natur- und Artenschutz, weil diverse hochrangige Schutzgebiete direkt an die Stadionfläche und an die Erschließungstrassen anschließen.

Roßwinkel Gundelfingen

Im Gespräch war zuletzt auch der "Roßwinkel" und die angrenzenden Gewanne Langejaucherten, Kartausmatten, Zähringer Neumatten und Langmatten an der Isfahanallee/B 3 bei Gundelfingen. Auch dies ist ein Bürgervorschlag. Er stammt, wie berichtet, von einem Anwohner aus dem Wolfswinkel. Planungsrecht hätte allein die Gemeinde Gundelfingen und die hat bereits via Bürgermeister Reinhard Bentler der Idee eine klare Absage erteilt. In Freiburg verweist man auf die Nähe der Wohnbebauung von unter 400 Metern – die Mehrfamilienhäuser liegen zwar hinter Lärmschutzwand und vierspuriger Straße, was aber nicht entscheidend sei, wenn der Lärm aus dem Stadion nach oben entweiche.

Karte: Möglicher Stadionstandort Roßwinkel


Solvay-Gelände

Nur der Vollständigkeit halber: Auch das Gelände der Firma Solvay (ehemals Rhodia) ist nicht verfügbar. "Die Firma will aus nachvollziehbaren Gründen nicht verkaufen", berichtet Baubürgermeister Haag aus Gesprächen, die er gemeinsam mit Finanzbürgermeister Otto Neideck mit Solvay geführt hat.

Wolfswinkel – Erste Idee

Das Gelände auf dem Flugplatz, das jetzt als bester Standort gilt, war vom Frankfurter Büro "Speer und Partner" bereits aussortiert worden. Allerdings hatte es das Areal im "Wolfswinkel" weiter westlich und somit näher am Stadtteil Mooswald verortet. Laut Stadtverwaltung war genau diese Nähe ein K.-o.-Kriterium. Dass der kleine Elefantenweg zur Hauptzufahrt hätte ausgebaut werden müssen, war für die Experten ebenfalls ein Ausschlusskriterium. Warum das Frankfurter Büro nicht auf die Idee kam, den Standort näher an die Landebahn und somit weiter weg von Mooswald zu rücken, kann die Stadtverwaltung nicht erklären.

Interaktive Grafik: Der Standort Wolfswinkel
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von Joachim Röderer und Uwe Mauch
am Di, 11. Februar 2014 um 06:36 Uhr

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