Erst fragen, dann entscheiden

Stadtrundgang durch Endingen mit Bürgermeisterkandidat Andreas Schmidt

Endingens Bürgerinnen und Bürger wählen am 11. November einen neuen Bürgermeister. Welche Ideen haben die fünf Kandidaten für die Stadt? Die BZ war mit ihren auf Tour. Heute: Andreas Schmidt

Die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Endingen sind am 11. November aufgerufen, einen neuen Bürgermeister zu wählen. Fünf Kandidaten bewerben sich um den Chefsessel im Rathaus. Welche Ideen haben sie für die Gemeinde? Die Bewerber sprachen mit der BZ im Rahmen einer Rundtour darüber. Die Stationen wählte jeder Kandidat selbst. Einzige Vorgabe der BZ dabei: Fünf Orte mussten es sein.

Andreas Schmidt

Alter: 31 Jahre

Wohnort: Freiburg

Familie: verlobt mit langjähriger Lebensgefährtin
Ausbildung: Diplom-Physiker und Informatiker; Fortbildungen im Bereich Führung, Teamentwicklung, Projektmanagement und Verhandlung

Berufliche Tätigkeit: Wissenschaftler, Projektleiter und Doktorand an der Uni Freiburg, Wissenschaftsjournalist

Ämter: Vorstand in Verbänden für Kunst, Kultur, Denkmalpflege und freies Wissen, aktiv im VDE,
Kontakt: andreas@schmidt-endingen.de

Station 1: Rathaus / Marktplatz
"Von hier geht alles Weltliche aus und hier wird Endingens Zukunft gemacht", betont Andreas Schmidt. An den Rathausgebäuden zeige sich der große Reform- und Sanierungsbedarf. Den sieht Schmidt nicht nur in baulicher Hinsicht. Er wolle als Bürgermeister "frische Kraft, Geist und Wissen einsetzen", um eine schlanke, effektive und moderne Stadtverwaltung zu schaffen. Endingen zähle zu den vier am höchsten verschuldeten Gemeinden im Kreis. Da sei viel zu tun, wenn die Bürger nicht zur Kasse gebeten werden sollen. Der historische Marktplatz sei zugleich kulturelles Zentrum der Stadt. Schmidt: "Von hier geht die Weinbotschaft aus. Von hier muss ein kluger Geist ausgehen, der mit kreativen Ideen neue Werte, Produkte und Formate schafft, um Menschen nach Endingen zu locken. Neue Werke müssen uns von hier aus durch unsere Taten, nicht durch unsere Worte gelingen."

Station 2: Die Hauptstraße entlang
Aufgreifen, was die Bürger sagen – dafür steht für Andreas Schmidt der Gang entlang der Hauptstraße Richtung Torli. Auf Anraten eines Bürgers hat er einen Rollstuhl dabei und kommt gleich mehrfach nicht auf dem Gehweg an geparkten Fahrzeugen vorbei. Dieses Problem sei ihm wiederholt geschildert worden - nicht nur mit Rollstuhl, sondern auch mit Rollator oder Kinderwagen. "Als Wissenschaftler mache ich mir stets anhand von Tatsachen ein eigenes Urteil, bevor ich entscheide. Nur so kommt man zu den richtigen Entscheidungen", erklärt Schmidt. Die Station ist für ihn Symbol dafür, wohin er als Bürgermeister wolle: "Zu den Menschen, zu ihrem Kummer, ihren Anliegen und ihren Bedürfnissen." Mit seiner Bürgerbefragung wolle er seine "Politik des Fragens" deutlich machen. Schmidt: "Ich höre Euch an, bevor ich entscheide. Und das gilt für alle Menschen und alle Gruppen."

Station 3: Das Pfarrhaus in Amoltern
Das Pfarrhaus in Amoltern ist für Andreas Schmidt Sinnbild für Gemeinschaftssinn. Hier spielte der Roman "Die Heiligen von Amoltern" aus dem Jahr 1886 von Wilhelm Jensen hauptsächlich. Er basiert auf dem Versuch zweier Geistlicher, eine Gemeinschaft für kommunalen Besitz, gemeinschaftliche Arbeit und gemeinsame Erträge zu gründen, um etwas gegen die Armut der Bevölkerung zu tun. Einer für alle, alle für einen – das sei nicht nur der Wahlspruch der Schweizerischen Eidgenossenschaft, sondern auch die Weisheit des Sozialreformers Raiffeisen zur Begründung des Genossenschaftswesens. "Ein Einzelner kann die Probleme nicht lösen", sagt Schmidt. "Wir müssen zusammenwirken und zusammenhalten, um Endingen gemeinsam in die neue Zukunft zu führen." Jeder könne zum gemeinsamen Erfolg beitragen; Einsatz für die Stadt schaffe Identifikation. Die Menschen in der Stadt bewegten viel, so Schmidt. Dieses Potenzial wolle er als Bürgermeister fördern und nutzen.



Station 4: Die Kirche in Kiechlinsbergen
In Kiechlinsbergen droht die St. Petronilla Kirche zusammenzubrechen, für Schmidt sinnbildlich für viele Werte in der Gesellschaft. Er wolle als Bürgermeister die Gemeinschaft und das Miteinander stärken. "Ich möchte, dass sich die Menschen ernst genommen und gleich behandelt fühlen." Er wolle der Vertreter aller Bürger sein und nicht nur derer, die am lautesten schreien und fordern. "Die Religion ist das Mark der Gesinnungen eines Menschen", zitiert Schmidt Gottfried Herder. "Wenn wir in den schönen Dingen wieder einen Sinn entdecken, haben wir Kultur. Deswegen möchte ich Endingen zur schönsten Kulturstadt am Kaiserstuhl machen." Menschlichkeit, Toleranz, Liebe, Brüderlichkeit, Barmherzigkeit, Verzeihung, Solidarität – diese Werte sind für Schmidt auch die charakterliche Grundlage für einen Bürgermeister: "Ein Bürgermeister muss, wie der Heilige Petrus, ein Leitbild und ein Vorbild sein."



Station 5: Winzergenossenschaft Königschaffhausen

Die Identität und die Infrastruktur der Winzerdörfer stärken – den Schlüssel für diese Aufgaben sieht Andreas Schmidt im Weinbau. "Vier Weinstraßen von Endingen will ich weltberühmt machen und damit Menschen aus aller Welt anziehen. Die Weinstraßen von Amoltern, Kiechlinsbergen, Königschaffhausen und die Hauptstraße von Endingen." Der Erhalt der Infrastruktur und der historischen Bausubstanz koste Geld. Um dies finanzieren zu können, müsse man Leute anziehen, die Geld da lassen. Schmidt: "Wein, Essen, Kultur, Vielfalt, Schönheit und Lebensart sind unsere natürlichen, hier geborenen Produkte. Sie besitzen ewige Anziehungskraft. Ihnen müssen wir zum Durchbruch verhelfen. Dafür werde ich mit neuen Ideen sorgen." Ziel müsse sein, dass die Menschen ähnlich wie in Riquewihr oder der Drosselgasse in Rüdesheim von Weingut zu Weingut ziehen. Wichtig für die Entwicklung sei auch bezahlbarer Wohnraum und Bauland für junge Familien. Wohngebiete müssten aber zum Ort passen. Er wolle die Bürger mitnehmen bei der Gestaltung.
von mw
am Di, 23. Oktober 2018 um 09:56 Uhr

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