Tradition und Moderne

Stadtrundgang durch Endingen mit Bürgermeisterkandidat Jörg Dengler

Endingens Bürgerinnen und Bürger wählen am 11. November einen neuen Bürgermeister. Welche Ideen haben die fünf Kandidaten für die Stadt? Die BZ war mit ihren auf Tour. Heute: Jörg Dengler

Die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Endingen sind am 11. November aufgerufen, einen neuen Bürgermeister zu wählen. Fünf Kandidaten bewerben sich um den Chefsessel im Rathaus. Welche Ideen haben sie für die Gemeinde? Die Bewerber sprachen mit der BZ im Rahmen einer Rundtour darüber. Die Stationen wählte jeder Kandidat selbst. Einzige Vorgabe der BZ dabei: Fünf Orte mussten es sein.

Jörg Dengler

Alter: 57 Jahre

Wohnort: Freiburg

Familie: verheiratet, zwei Töchter
Ausbildung: Physiker und Politikwissenschaftler; Fortbildungen zu Arbeits- und Wirtschaftsrecht und Projekt-Management

Berufliche Tätigkeit: Projektleiter, Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme

Ämter: Stadtteilverein Freiburg-Vauban, Vorstand; AG Freiburger Bürgervereine; Verkehrsclub Deutschland, Regionalverband Südbaden, Vorsitzender

Kontakt:
mail@joerg-dengler.de, http://www.joerg-dengler.de facebook.com/joergdengler.endingen, instagram.com/joergdengler

Station 1: Ortschaftsamt Kiechlinsbergen
"Vor Beginn di b’sinn, no hesch G’winn" – im Spruch am Gänselieselbrunnen findet Jörg Dengler seine Biografie wieder: "Mich interessierten die Zusammenhänge, deshalb habe ich Physik und Politikwissenschaften studiert". Für ihn ist das, zusammen mit seinen beruflichen Erfahrungen, die richtige Basis für das Amt des Bürgermeisters. Der Brunnen steht für Dengler auch für das Zusammenleben von Mensch und Tier sowie Landwirtschaft und Wasser als wichtigste Ressource. Das Ortschaftsamt symbolisiere als wichtigstes Gebäude im Ort Eigenständigkeit und Selbstbewusstsein der Winzerdörfer. Dass der Gemeinderat die hier getroffenen Entscheidungen in der Regel übernimmt, sei Ausdruck von Respekt vor den Bedürfnissen der Winzerdörfer. Zugleich stehe das sanierungsbedürftige Gebäude aber auch für notwendige Investitionen in die Infrastruktur der Ortsteile – ebenso wie die Halle in Amoltern, die Schule in Königschaffhausen oder der öffentliche Nahverkehr

Station 2: Ortsmitte Königschaffhausen
Große Gebäude mit viel Wohnraum, der häufig kaum genutzt wird – in der Königschaffhauser Ortsmitte zeigt sich für Jörg Dengler beispielhaft, wie viel Potenzial für Innenentwicklung in der Gesamtstadt besteht. "Viele Ältere in den Dörfern hoffen darauf, dass Kinder oder Enkel zurückkommen und etwas aus den Höfen machen", schildert er seine Erfahrungen aus zahlreichen Gesprächen. Endingen und die Region böten jungen Leuten ja auch Top-Arbeitsplätze. Die Stadt müsse den Menschen helfen, die Gebäude zu sanieren und bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Junge Leute suchten händeringend Bauplätze am Ort. Hier sehe er Chancen für Mehrgenerationen-Wohnen, den Erhalt des auch touristisch wichtigen Ortsbilds und zugleich neues Leben in den Dörfern, das auch die sozialen Strukturen stärke. "Moderne Wohn- und Lebensansprüche lassen sich auch im Bestand verwirklichen", ist Dengler überzeugt, dass die Kombination aus Tradition und Modernität gelingen kann. Zugleich helfe eine solche qualitative Innenentwicklung, den Druck auf neues Bauland zu mindern. Flächensparendes Wachstum sei auch wichtig fürs Landschaftsbild.

Station 3: Firma Eltroplan
Spitzentechnologie aus Endingen – dafür steht die Firma Eltroplan für Jörg Dengler: "Ein herausragendes Industrieunternehmen, das mit ganz modernen Themen unterwegs ist." Dengler will den Gewerbestandort und Arbeitsplatz Endingen nachhaltig weiterentwickeln mit dem Schwerpunkt auf zukunftsweisende Technologie in Sachen Klimaschutz, Energiewende und Kreislauftechnik. Bei Neuansiedelungen gelte es darauf zu achten, dass sich die Firmen in Zukunftsmärkten bewegen. Über seine Tätigkeit beim Fraunhofer-Institut hätten sich bei Gesprächen viele Anknüpfungspunkte ergeben. Dengler: "Warum sollte nicht in einigen Jahren der Städtlibus als Pilotprojekt mit Eltroplan-Technik autonom fahren – als technologischer Leuchtturm für Endingen?" Das "erstaunlich grüne" Industriegebiet zeige aber auch, dass Endingen Wert darauf lege, die Entwicklung nachhaltig zu gestalten. Vergleichsweise kurze Wege zwischen Stadt und Firmen böten noch Potenzial zur Vermeidung von Individualverkehr.

Station 4: Bildungszentrum Endingen
Dreh- und Angelpunkte der künftigen Entwicklung Endingens sind für Jörg Dengler bestmögliche Bildung und Ausbildung. Er wolle Endingen zum herausragenden Bildungsstandort entwickeln, mit der Möglichkeit, hier auch das Abitur abzulegen. Dafür gelte es Wege zu finden. "Die Lösung findet sich vom Ziel her", betont Dengler. Die Grundschule sei auch künftig an diesem Standort gut aufgehoben. Gefordert sei die Stadt hier und bei der gut aufgestellten Kleinkindbetreuung in Sachen Ganztagsangebot. Endingen stehe vor wegweisenden Investitionen in die Schullandschaft. Eine räumliche Nähe von Grundschule und weiterführenden Schulen halte er nicht für zwingend, wohl aber eine sehr gute Ausstattung mit neuen Technologien flächendeckend in allen Schularten und Räume, die neue, zeitgemäße Lernformen ermöglichen. Dafür benötige man auch Flächen, doch letztlich müsse in der Abwägung der Nutzen überwiegen. Ziel müsse sein, dass junge Familien in Endingen alle Chancen sehen. Dazu brauche es aber auch bezahlbaren Wohnraum.

Station 5: Marktplatz und Rathäuser
"In diesem Rathaus will ich mit den Bürgern die ambitionierten Ziele erreichen", betont Jörg Dengler mit Blick auf die Kornhalle. Die historischen, das Stadtbild prägenden Rathausgebäude rund um den Marktplatz seien Privileg und Herausforderung zugleich. Sowohl die Kornhalle, als auch das Haus Krebs und das alte Rathaus müssten dringend saniert werden. Zugleich müsse die Verwaltung für zukünftige Aufgaben gerüstet werden. Die Stadt- und Dorfentwicklung solle nachhaltig und qualitätsvoll sein. Er wolle, dass Endingen wieder ein Bauamt bekommt und mit einem engagierten Stadtbaumeister oder einer Stadtbaumeisterin die Gesamtstadt gestalten. Er wolle Tradition und Moderne verbinden und dort, wo es passt, auch architektonische Akzente setzen – zum Beispiel bei der Gebäudesanierung mit Holzbauarchitektur. Man müsse die markanten Gebäude so erneuern, dass sie mehr und besser genutzt werden können. Über künftige Nutzungskonzepte wolle er konstruktiv mit dem Gemeinderat und den Bürgern reden, so Dengler.
von mw
am Mi, 24. Oktober 2018 um 00:00 Uhr

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