Ständig im Ort unterwegs

Bürgermeisterkandidat Christian Göpper sieht Verbesserungsmöglichkeiten in Gundelfingen.

GUNDELFINGEN. Seit einigen Tagen lächelt nun der Bürgermeisterkandidat Christian Göpper von den Laternenmasten herunter. Er ist bisher der Erste der fünf Kandidaten, der im Dorf plakatiert hat. Die Plakate hat er selbst angebracht – und auch selbst finanziert. Außerdem ist er immer wieder im Dorf anzutreffen: Er möchte Bürgermeister von Gundelfingen werden. "Gundelfingen ist eine interessante Gemeinde mit vielen aktiven Bürgern." Das Ehepaar Göpper, das im Dezember ihr erstes Kind erwartet, kann sich gut vorstellen, bei einem Wahlerfolg in Gundelfingen zu wohnen.

Sollte Christian Göpper am 19. Oktober nicht zum Bürgermeister von Gundelfingen gewählt werden, wird er sich nicht den Vorwurf machen, es hätte an seiner Aktivität vor der Wahl gelegen: "Ich mache Intensivwahlkampf." 45 Stunden hat er bisher auf dem Marktplatz verbracht und auch die Wähler zu Hause besucht. "Dabei konnte ich mir schon ein gutes Bild davon machen, was die Menschen hier bewegt", resümierte der Kandidat am Dienstagabend im Gasthaus Rößle bei einem recht gut besuchten Bürgergespräch. Überhaupt ist der Fachanwalt für Verwaltungsrecht vom Interesse an der Bürgermeisterwahl von den Gundelfingern begeistert und überrascht: "Viele beschäftigen sich ausgiebig mit der Bürgermeisterwahl." Allerdings, so bemerkt er dann doch: Es sind hauptsächlich die älteren Frauen und Männer. So sind auch beim Bürgergespräch im "Rößle" fast keine Bürger unter 50 dabei.

Eine gute halbe Stunde referierte der 38-Jährige aus seinem schicken 12-seitigen Wahlkampfflyer – manches Wort für Wort. Neue Themen und Inhalte kommen dabei nicht mehr auf den Tisch. Vieles entspricht den Wünschen aus dem Gundelfinger Leitbild. Er lobt die gute Verwaltung und die großartige Vereinskultur, wobei er, falls er Bürgermeister werde, einiges ändern würde: zum Beispiel die Webseite der Gemeinde und die Gundelfinger Nachrichten. Gefragt, wie er zur Weiterführung der Straßenbahn stehe, erklärte er, dass es erst mal wichtig sei, diese Frage zeitnah zu klären. "Die ganze Ortsentwicklung hängt an dieser Frage." Zum Beispiel die Frage nach der Unterbringung der Flüchtlinge – die ein Bürger auf dem Gelände der vorgesehenen Wendeschleife vorschlägt. "Gundelfingen muss sich bei der Aufnahme der Flüchtlinge beteiligen, das steht außer Frage, jedoch muss es eine verträgliche Lösung sein."

Der Bahnlärm, die Gestaltung der Ortsmitte und der soziale Wohnungsbau waren Themen der Bürger. "Sicherlich ist der Wohnraumbedarf ein drängendes Thema", sagte Göpper. Ein gesundes Maß an Nachverdichtung und Bauen in der Fläche mit Hilfe von Genossenschaften müsste her, um Wohnraum vor allem für jüngere Bürger zu schaffen. "Ich habe an meinem Info-Stand öfters junge Familien kennengelernt, die nun aus dem Dorf wegziehen müssen, weil sie keine passende Wohnung finden, die bezahlbar ist. Das ist sehr schade." Mit dem Vorschlag, die Ortsmitte netter zu gestalten, stieß er bei seinen Gästen auf offene Ohren. "Die Ortsmitte ist etwas kahl. Ich könnte mir Bäume, Bänke und einen Brunnen vorstellen." Während sich die einen die parkenden Autos auf dem "Sonne"-Platz weg wünschten, fanden andere das Abschaffen der Parkplätze einen Angriff auf die Einzelhandelsgeschäfte. Göpper: "Eine beliebte Ortsmitte zieht nun mal Verkehr an." Das Gundelfinger Gewerbegebiet spürt die Konkurrenz der Gemeinden Vörstetten und Denzlingen, die Grund und Boden für neues Gewerbe anbieten. Den Vorschlag, östlich der B 3 oder hinter der Gärtnerei Sauter die Fläche für Gewerbe auszuweiten, wollte Göpper daher nicht gleich abtun: "Ich schließe es nicht aus." Kümmern würde er sich auch um die Altwagenhändler in der Gewerbestraße, die "nicht nur ein Problem für die Umwelt sind, sondern auch sehr problematisch für die Außenwirkung sind." Nach gut einer Stunde hatte Göpper alle Fragen beantwortet und dann blieb noch etwas Zeit für ein gemeinsames Gläschen.
von Andrea Steinhart
am Fr, 19. September 2014

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