Starker Haarwuchs, Bärte und freundliche Küsse

BZ-SERIE: Sprachforscher Konrad Kunze erläutert die Herkunft der häufigsten Familiennamen in Ehrenkirchen.

EHRENKIRCHEN. Seit einem Vierteljahrhundert befasst sich der Sprach- und Literaturwissenschaftler Konrad Kunze mit der Herkunft der Familiennamen. In einer BZ-Serie erklärt er, welche Wurzeln Familiennamen haben, die im Breisgau häufig vorkommen. Heute geht es um die häufigsten und typischen Familiennamen in Ehrenkirchen.

Zu den zehn häufigsten Namen in Ehrenkirchen zählen auf Platz 1 die 112 Maier in allen Schreibweisen, auf Platz drei die 60 Müller, auf Platz 5 die 56 Schneider und auf Platz 9 die 41 Schwei(t)zer, die teils keiner weiteren Erläuterung bedürfen, teils in anderen Artikeln dieser Serie behandelt sind.

Platz zwei nehmen die 70 Steinle ein. Die insgesamt rund 3400 Personen dieses Namens finden sich hauptsächlich in Nordbaden, in Württemberg und im westlichsten Bayern, wo noch die alemannische Verkleinerungssilbe -le gebräuchlich ist. In Südbaden wohnen die meisten von ihnen in Emmendingen und in Ehrenkirchen. Es sind Nachkommen von Männern, die den Rufnamen Steinhart trugen. Daraus sind die im Breisgau häufigen Familiennamen Steinhart, abgeschwächt Steiert, halbiert Stein und zärtlich erweitert Steinle geworden.

Auf Rang vier stehen die 57 Ruh. Die insgesamt etwa 1800 Ruh wohnen im Raum Worms und in Baden, hier die meisten in Freiburg und Ehrenkirchen. Dazu kommen noch 400 Ruh in der Nordostschweiz und viele im Elsass. Es ist ein mit dem alten Wort ruh "haarig, rau" gebildeter Übername, der sich wohl meist auf starken Haarwuchs, seltener auf einen rauen Charakter bezieht. In anderen Gegenden entsprechen ihm Namen wie Ruch, Rau(h), Rauch oder Ruge.

Die Vorfahren der Dischinger (53) stammen aus Dischingen bei Neresheim oder aus Oberdischingen bei Ehingen. Dazu passt, dass viele der insgesamt rund 820 Personen im Raum Ulm – Nördlingen – Augsburg wohnen. Andere Häufungen finden sich in Nordbaden, sodann in Ehrenkirchen. In ganz Deutschland verbreitet sind die 40 200 Barth. In Südbaden wohnen die meisten in Freiburg und Ehrenkirchen (48). Die Schreibweise mit -th (Bart gibt es nur etwa 900) könnte ein Hinweis sein, dass der Name nicht vorwiegend einen Bartträger kennzeichnet, sondern in der Regel die Nachkommen eines Bartholomäus. Von den insgesamt 600 Personen namens Stiefvater wohnen die meisten im Münstertal und in Ehrenkirchen (43), der Rest in der näheren Umgebung. Der Name gehört wie die Familiennamen Bruder, Vater, Vetter, Oheim zu den Fällen, in denen man jemanden nach einer besonderen Beziehung zu einer verwandten Person oder nach einer wichtigen Funktion im Kreis der Sippe gekennzeichnet hat, wobei die näheren Umstände heute nicht mehr ersichtlich sind.

Auf Rang zehn steht der Name Schmutz (37). So heißen rund 1200 Personen in und um Trier, in Baden-Württemberg und in Bayern. Besonders konzentriert finden sie sich im Raum Dornstadt - Laichingen, in Tuttlingen und in Ehrenkirchen. Da die Familiennamen alle aus den Dialekten stammen, kann der Name nichts mit dem Schmutz zu tun haben, weil dieser bei uns ja Dreck heißt. Es ist vielmehr ein sympathischer Übername, der von den mittelhochdeutschen Wörtern smutzen "lächeln" oder smuz "Kuß" abgeleitet ist. Fast nur in Ehrenkirchen und der näheren Umgebung finden sich die 100 Brengartner und einige Bremgartner.

Alle Teile der Namensserie unter badische-zeitung.de/nachnamen
von Konrad Kunze
am Mo, 17. Oktober 2016

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