Boxgala in Offenburg

Stieglitz bleibt Boxweltmeister – Abraham gewinnt

Ex-Weltmeister Arthur Abraham hat in Offenburg ein erfolgreiches Comeback gefeiert. Auch Robert Stieglitz bleibt Box-Weltmeister in seiner Gewichtsklasse.

Profiboxen ist in erster Linie eine Inszenierung und erst in zweiter Linie Sport. Da dem so ist, waren sie alle zufrieden, am Samstagabend in Offenburg, als das Box-Unternehmen Sauerland Event in die Baden-Arena geladen hatte. Die ARD übertrug live, die Halle war mit 4000 Zuschauern ausverkauft, die Favoriten wie Arthur Abraham und Robert Stieglitz gewannen ihre Kämpfe (Fotos) – und der Ausrichter kündigte im Nachgang der sieben Fights an, wieder nach Offenburg kommen zu wollen. Vielleicht schon in der zweiten Jahreshälfte. Eine klassische Win-win-Situation – beide Seit en profitieren.

14 Minuten Kampfzeit, 95.000 Euro Siegprämie

Als Arthur Abraham am späten Samstagabend in die Ringseile klettert, verbeugt er sich in allen vier Ringecken: artig Abraham. Seit Mai 2011 war er nicht mehr bei einem offiziellen Kampf im Ring gestanden, nun gewinnt er bei seinem Comeback einigermaßen überzeugend. Und er weiß, bei wem er sich zu bedanken hat: Die Zuschauer in Deutschland mögen den 31-jährigen Deutsch-Armenier. Er selbst mag sich auch, aber nur, wenn er gewinnt. Insofern hat er sich im vergangenen Jahr nicht arg gemocht, die drei wichtigsten Kämpfe hat er damals verloren. Von 2005 bis 2009 war er Weltmeister im Mittelgewicht, nun ist er ins Supermittelgewicht (Klasse bis 76,2 Kilo) aufgestiegen und kein Weltmeister mehr. Er sagt, das mache ihm schwer zu schaffen .

"Noch ein, zwei Kämpfe, und dann boxt Arthur Abraham am Ende des Jahres gegen eine Granate um einen WM-Titel." Trainer Ulli Wegner
Der Fight in Offenburg ist für ihn wahlweise die letzte Chance, ein Aufbaukampf oder das Comeback. Der Anfang gestaltet sich gegen den international unbekannten Argentinier Pablo Farias (23) ziemlich harzig. Abraham fehlt die richtige Distanz zum Gegner, er wirkt gehemmt. Da ist die Unsicherheit fast schon mit den Händen zu greifen. Abraham dominiert in der dritten Runde. Und in der fünften Runde ist schon alles vorbei.

Der Argentinier, der bei seinem 21. Profikampf erstmals außerhalb seiner Heimat boxt, geht nach Kopf- und Körpertreffern des Deutsch-Armeniers dreimal zu Boden. Beim finalen Treffer sackt er zu Boden und kommt erst wieder dank der Hilfe seiner Betreuer auf die Beine. "K.o-Sieger nach genau zwei Minuten in Runde fünf", verkündet der Ringsprecher. Abraham hat in 14 Minuten Kampfzeit 95.000 Euro Siegprämie erboxt.

Robert Stieglitz verteiligt seinen WM-Titel

Diese Summe nannte im Vorfeld des Kampfes die Bild-Zeitung. Für einen, der sich mit Millionengagen auskennt, ein Privatflugzeug hat und Ferrari fährt, ist das natürlich wenig. Als dann auch noch dieselbe Zeitung, die die Siegprämie vergangene Woche exklusiv bekannt geben durfte, noch erwähnte, dass Abraham davon sogar noch Steuern bezahlen muss, konnte fast schon ein wenig Mitleid aufkommen. Und es hätte niemanden überrascht, wenn der trinkfeste ARD-Moderator Waldemar Hartmann die Zuschauer zu einer Spendenaktion für notleidende Boxer aufgerufen hätte, um wenigstens runde 100.000 Euro zusammen zu bekommen. Aber Hartmann verzichtet auf den Hilferuf – und für Abraham sieht die Welt nach seinem 33 Sieg im 36 Profikampf trotzdem wieder rosiger aus.

"Noch ein, zwei Kämpfe, und dann boxt Arthur Abraham am Ende des Jahres gegen eine Granate um einen WM-Titel", sagt sein Trainer Ulli Wegner. Wer diese "menschliche Granate" ist, lässt er offen. Aber es gibt ja vier große Profi-Boxsportverbände (WBA, WBC, WBO und IBF) – da wird sich schon ein Athlet finden, der gegen Abraham um die Weltmeisterschaft kämpft.

Liebeserklärung an das Offenburger Publikum

Vielleicht ist es sogar ein Deutscher. Denn der gebürtige Russe Robert Stieglitz aus dem SES-Boxstall verteidigt in Offenburg seinen Weltmeistertitel im Supermittelgewicht der Version WBO. Der Magdeburger gewinnt gegen den 23-jährigen Herausforderer Henry Weber aus Stralsund einstimmig nach Punkten. Der 30-jährige Stieglitz, seit 2009 Weltmeister, hat dabei aber mehr Mühe als gedacht. Denn Weber, ein junger Mann mit Irokesenfrisur, versteckt sich geschickt hinter seiner Deckung und schnellt dann ein paar Mal nach vorne. Stieglitz’ Deckung steht hingegen zuweilen offen wie ein Scheunentor. Aber Weber ist zu unerfahren, um das mit Aufwärtshaken zu nutzen. "Ich bin trotz der Niederlage zufrieden", sagt der 23-Jährige Stralsunder.

Stieglitz ist es auch, was sein Management prompt zu Sticheleien anspornt. "Das eine war Boxen – und was das andere war, da habe ich keine Ahnung", sagt Stieglitz’ Trainer Dirk Dzemski. Er vergleicht damit den Kampf seines Boxers mit dem von Abraham, für dessen Gegner manche selbsternannten Experten am Ring die branchenübliche Bezeichnung "Fallobst" verwenden.

Was Abrahams Trainer Ulli Wegner rasend macht. "Wir müssen nicht gegen Stieglitz boxen, wir suchen uns eine Granate aus." Und trotz der Liebeserklärung Wegners an das Offenburger Publikum ("Das Beste seit langem"), wird der Kampf Abraham gegen Stieglitz – sollte er denn tatsächlich zustande kommen – nicht in Offenburg stattfinden. Dafür braucht es eine deutlich größere Halle, meinen die Veranstalter von Sauerland Event. Dennoch wollen sie nach Offenburg zurückkehren. Denn die Inszenierung hat in der Ortenau ja gestimmt. Beim sportlichen Wert kann man sich da nicht ganz so sicher sein.

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von Georg Gulde, aktualisiert um 17 Uhr
am So, 15. Januar 2012 um 09:43 Uhr

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