Ein Mozart-Konzert der Sonderklasse

Stradivari-Klänge setzen Glanzpunkte

In der Heitersheimer Malteserhalle traf sich am Freitag das Markgräflerland zu "Baden-Württemberg musiziert", um internationale Künstler in einem Mozart-Konzert der Sonderklasse mit strahlenden Stradivari-Klängen zu genießen.

HEITERSHEIM. In der Heitersheimer Malteserhalle traf sich am Freitag das Markgräflerland zu "Baden-Württemberg musiziert", um internationale Künstler in einem Mozart-Konzert der Sonderklasse mit strahlenden Stradivari-Klängen zu genießen. Mehr als 500 Besucher ließen sich die einmalige Gelegenheit nicht entgehen.

"Das Besondere an diesem Abend ist, dass er stattfindet", sagte der spiritus rector der Veranstaltung, Mathias Weigmann. Denn die Idee, das "Notturno für vier Orchester" erstmals live umzusetzen, kam mit dem Auftrag, ein außergewöhnliches Konzertereignis für die Heimattage zu arrangieren. Dazu hatte der Orchestermanager mit Sohn Benedikt die Halle akustisch und technisch in einen Konzertsaal verwandelt.

Die anfängliche kleine Panne mit dem Funkmikrofon, das sich an einem Handy störte, hätte Mozart genauso gefallen wie die Aufführungspremiere seines Notturno-Fragmentes, fand Weigmann. Denn Mozart sei nicht nur Solist, Geiger, Pianist, Dirigent und Komponist, sondern auch ein großer Spaßvogel gewesen. Das beweise nicht zuletzt das Notturno, bei dem er munter mit dem Echo-Effekt kokettiert und im dritten Satz "mit acht Hörnern, die sich gegenseitig im Weg stehen, den musikalischen Unfall provoziert". Zusammen mit dem Philharmonischen Orchester Freiburg gelang das Quadro-Sound-Experiment aus den vier Hallen-Ecken kongenial.

Mozart schrieb einige Violinkonzerte. Doch nur selten sind sie wohl so meisterhaft interpretiert worden wie von dem 28-jährigen Violinisten Kirill Troussov, der beim dem A-Dur-Konzert KV 219 zusammen mit den Philharmonikern perfekt harmonierte. Das deutsche Werk im französischen Stil, mit zarter Romanze und einem Rondo in suitenartiger Abfolge faszinierte durch seine scheinbare Leichtigkeit und doch energisch pointierten Solo-Passagen. Seit 24 Jahren ist für den russischen Wundergeiger die Violine das Instrument der Wahl. Inzwischen spielt er nicht irgendeine, sondern "die Brodsky"-Stradivari, Baujahr 1702, benannt nach dem früheren Besitzer Adolf Brodsky, der damit Tschaikowskis Violinkonzert in Moskau uraufführte, erklärte Weigmann, und fügte mit Blick auf Troussov an: "Er hat sie. Und er hat sie zu Recht". Den Beweis trat der mehrfach ausgezeichnete Geiger mit der Paganini-Zugabe "Caprice Nr. 24" an. Eines der berühmtesten, aber auch anspruchsvollsten Werke für Solo-Violine, in a-Moll, bestehend aus einem Thema, elf Variationen und einem brillanten Finale.

Troussov und sein Instrument erwiesen sich als kostbares Juwel. Sie glänzten mit parallelen Oktaven, rasanten Intervall-Verschiebungen, extrem schnellen Tonleitern und Arpeggien in lebhaftem, sich kreuzendem Spiel und flackerndem Ton. Eindrucksvoll auch das Pizzicato der linken Hand sowie die hohen Positionen, die – selbst noch so leise gespielt – bis in den hintersten Winkel der Halle zu hören waren. Der donnernde Applaus mit Händen und Füßen honorierte die virtuose Genialität des Violinisten, die tags darauf bei den Berliner Philharmonikern gefragt war. "Man wünscht sich eine Aschewolke, um ihn hier zu behalten", kommentierte Heitersheims Bürgermeister Jürgen Ehret begeistert.

Dirigierend und spielend zugleich, inszenierte die Pianistin Jitka Cechova aus Prag mit den Freiburger Philharmonikern das Klavierkonzert in C-Dur KV 467. Das zugängliche, eher konventionelle Werk Mozarts war von einem gereiften sinfonischen Stil geprägt. Dennoch arbeitete die temperamentvolle Tschechin die motivisch-thematische Verdichtung sowie die opulente, stark differenzierte Klanggebung empathisch heraus. Auch sie brillierte mit einer Zugabe, die das Ausmaß ihrer pianistischen Fähigkeiten eindrucksvoll bestätigte. Das nochmals zu untermauern wusste sie auch am Sonntag in einem Matinee-Konzert mit dem Smetana-Trio.

Das Konzertwochenende war sein Geld wert, fanden Besucher und Veranstalter. Insgesamt kostete es 30 000 Euro. Davon kommen 20 000 Euro aus dem Heimattage-Fonds. Der Rest ergibt sich aus den Einnahmen und dem Sponsoring der Volksbank Breisgau Süd. "Da bleibt nicht viel an uns hängen", freute sich Bürgermeister Ehret. Was zurück bleibt, ist jedoch die Erinnerung an ein traumhaftes Musik-Ereignis.
von Sabine Model
am So, 25. April 2010 um 14:22 Uhr

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