Studentischer Wohnraum in Freiburg

Studis auf Wohnungssuche: Bis an die Schmerzgrenze

BZ-SERIE (TEIL 3): Wohnraum für Studenten ist weiterhin knapp, und auch für die vielen Wohnheime gibt es Wartelisten

Ein Zimmer in Freiburg? "Ich hatte gehört, dass das nicht einfach werden würde. Dann habe ich gemerkt, wie schwierig es wirklich ist", sagt Julian Frey. 60 Anfragen verschickte der 25-Jährige von seinem damaligen Wohnort Lüneburg aus – keine führte zu einem Mietvertrag. "Am liebsten wäre ich in eine WG gezogen." Doch schöne, zentrale und bezahlbare WG-Zimmer sind rar. Als sich nichts ergab, ließ er sich beim Studentenwerk auf die Warteliste für einen Platz im Wohnheim setzen. Auf ein Zimmer bewerben sich zwei Studenten.

"Ich bin damit sehr zufrieden. In Freiburg ist ohnehin gerade nichts Vernünftigeres zu finden." Seit Ende September wohnt Julian Frey im Studentenwohnheim am Flugplatz in einer Vierer-WG, er macht seinen Master in Umweltwissenschaften. "Campus I" auf dem Gelände der Technischen Fakultät ist eines von drei neuen Wohnheimen des Studentenwerks, es wurde erst im September fertiggestellt. Hier sind die Fenster schön groß, es ist hell, die Küchen sind modern ausgestattet, die WG-Zimmer haben eine gemütliche Fensterbank zum Draufliegen, die Vierer-WGs zwei Badezimmer, das Innere des Gebäudes wurde von dem Freiburger Künstler Ben Hübsch farbenfroh gestaltet. Dass Frey ausgerechnet im neuesten Wohnheim untergekommen ist, war reiner Zufall.

Wer in Freiburg günstig wohnen will, muss suchen – und Glück haben; günstige Studentenzimmer gab’s zu Semesterbeginn überwiegend noch im Umland. Der Zimmermangel war zuletzt aber nicht so schlimm wie befürchtet, sagt Renate Heyberger, stellvertretende Geschäftsführerin des Studentenwerks. Dieses hat angesichts der steigenden Studierendenzahlen jüngst nochmal drei neue Unterkünfte mit insgesamt 308 Plätzen errichtet. In Freiburg bietet es bei mehr als 32 000 Studierenden nun knapp 3400 Wohnheimplätze an. Weitere 750 sind in den nächsten fünf Jahren geplant; "Campus II" am Flugplatz mit 122 Plätzen soll im Oktober fertig sein. Bundesweit sind für 10,6 Prozent der Studierenden Wohnheimplätze vorhanden; in Baden-Württemberg für 13,6 Prozent, Freiburg liegt inklusive der Wohnheime der anderen gemeinnützigen Träger mit 4400 Plätzen (siehe Grafik) knapp darüber. Die Miete in den Wohnheimen der gemeinnützigen Träger kostet zwischen 200 und 370 Euro im Monat, private sind in der Regel teurer. Frey zahlt für sein 14-Quadratmeter-Zimmer 295 Euro warm, knapp unter seiner "absoluten Schmerzgrenze" von 300 Euro. "Das ist relativ teuer, aber für das, was man kriegt, sehr gut. Alles hier hat eine hohe Qualität", sagt Julian Frey.

Jonathan Reichle zahlt für sein Zimmer im Ulrich-Zasius-Haus an der Lehener Straße, dem ältesten Wohnheim des Studentenwerks, 200 Euro warm. "Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt", findet er. Im Zasius-Haus, erbaut in den 50er-Jahren, sind die Gänge eng und dunkel. Im Flur stehen auch mal Wäscheständer, Rad oder Matratze. Das Hochhaus ist in die Jahre gekommen, aber es funktioniert. Rund 180 Studierende wohnen dort, 16 pro Etage; sie teilen eine Küche, ein Wohnzimmer, Duschen und Klo. Der 23-jährige Jonathan Reichle, der an der Katholischen Hochschule Pädagogik studiert, wohnt seit drei Semestern im vierten von elf Stockwerken. Sein erster Eindruck sei nicht so gut gewesen, zudem wollte er nie in einem Hochhaus wohnen. Inzwischen kann er sich nichts Besseres vorstellen: "Es kommt darauf an, mit wem man zusammenwohnt."

Studenten helfen alten Menschen – und wohnen dafür günstig

Ganz anders bei Frederic Laffin. Der 20-jährige Student an der Pädagogischen Hochschule lebt zentrumsnah mit neun Kommilitonen in einem Seniorenwohnheim des Evangelischen Stifts, dem Albert-Ria-Schneider-Haus in der Hebelstraße. 60 ältere Menschen leben hier. Dieses "Wohnen für Hilfe" hatte Laffin von Anfang an für seine Zeit in Freiburg ins Auge gefasst: Im Gegenzug für günstige Zimmer helfen die Studenten in sozialen Einrichtungen oder Privathaushalten. Das Stift verlangt für ein 26-Quadratmeter-Zimmer mit Balkon, Bad und Kochnische 250 Euro warm. 60 Anfragen gab es für die zehn Plätze.

Laffin liest den Senioren vor, er singt mit ihnen oder geht für sie einkaufen. Fünf Stunden Zeit pro Woche soll sich jeder Student für die Senioren nehmen, kontrolliert wird die Hilfe nicht. "Wir müssen keine Rechenschaft ablegen. Man kann sich das sehr gut einteilen", sagt der Lehramtsstudent, der seit Oktober im Seniorenheim wohnt. "Die praktische Arbeit mit Menschen gibt mir viel." Bereut hat er seine Wahl nicht: "Für mich funktioniert das sehr gut. Ich fühle mich wohl."

Nächsten Samstag lesen Sie, wie die Baugenossenschaften aufgestellt sind.

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von Frank Zimmermann
am Sa, 02. Februar 2013

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