Bahnprojekt

Stuttgart 21: Der Dialog ist geplatzt

Der Gesprächsfaden zwischen Gegnern und Befürwortern des Tiefbahnhofsprojekts Stuttgart 21 ist gerissen. Noch in diesem Jahr sollen für den Bau erste Bäume weichen.

STUTTGART. Das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 sieht für weitere Gespräche mit den Planern des Projekts "keine Grundlage". Dies werde sich erst bei klarer Positionskorrektur der Betreiber ändern, sagte Bündnis-Sprecher Gangolf Stocker. "Zu weiteren Gesprächen sind wir sofort bereit, wenn die Abrissarbeiten gestoppt werden, mit den Baumfällarbeiten nicht begonnen wird und wenn klar ist, dass auch über die Option Ausstieg aus dem Projekt geredet werden kann."

"Schade, dass der Dialog einseitig aufgekündigt wird." Stefan Mappus, Ministerpräsident
Dagegen lehnten die Deutsche Bahn und Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) einen Baustopp ab. Die Gesprächsbereitschaft der Befürworter bleibe aber "auf jeden Fall bestehen", versicherte CDU-Fraktionschef Peter Hauk. Heute will die Bahn bekannt geben, was mit den 282 Bäumen, die für Stuttgart 21 weichen sollen, geschieht. Offenbar soll noch dieses Jahr ein beträchtlicher Teil gefällt werden. Als Ausgleich dafür sind Maßnahmen wie Neupflanzungen sowie die Umsiedlung einiger Platanen im Gespräch.
Mit dem Ende der Vegetationsperiode dürfen die Bäume von diesem Freitag, dem 1. Oktober, an bis zum 28. Februar 2011 gefällt werden. Ein Teil des Widerstands fokussiert sich auf die Abholzpläne. Es wird damit gerechnet, dass der Beginn der Fällarbeiten einen neuen Protesthöhepunkt auslösen könnte. Gestern demonstrierten wieder Tausende gegen Stuttgart 21.

Mappus sagte, es sei "schade, dass der Dialog einseitig aufgekündigt wird". Eine Absage an den Bau werde es mit ihm nicht geben. Er sei aber bereit, die Bürger bei der Neugestaltung der Stuttgarter Innenstadt aktiv zu beteiligen: "Die Gutwilligen unter den Demonstranten, denen die Zukunft ihrer Stadt am Herzen liegt, haben sicher ein Interesse daran, sich konstruktiv in diesen Prozess einzubinden."

Der Grünen-Politiker Werner Wölfle wies das Angebot zurück: "Unser Anliegen ist kein Städtebauwettbewerb 2020." Die Befürworter müssten "endlich über eine der Brücken gehen, die wir ihnen gebaut haben". Der ehemalige Daimler-Chef Edzard Reuter forderte im Tagesspiegel einen Baustopp von "mindestens ein oder zwei Monaten". Ex-Bahn-Chef Heinz Dürr sprach sich in der taz dagegen aus: "Die Bahn überlebt, wenn Stuttgart 21 nicht gebaut wird. Aber Stuttgart bleibt dann eben eine Provinzstadt ohne Potenzial."
von Roland Muschel
am Di, 28. September 2010 um 08:58 Uhr

Badens beste Erlebnisse