Suche nach zündender Kombination

LÖRRACH. Bildende Künstler aus der Region unterstützen die BZ-Weihnachtsaktion "Hilfe zum Helfen". In die Kunstaktion "Zum Ersten, zum Zweiten, zum Helfen" geben sie Arbeiten, die am 16. November versteigert werden.

Die Arbeit der Künstler wird honoriert, statt einer Verkaufsprovision fließt ein Teil des Erlöses an die BZ-Weihnachtsaktion. Dieser doppelte Effekt fördert die regionale Kunstszene und hilft armen Menschen im Landkreis. Bis zur Auktion stellen wir alle Künstler vor. Heute: Philippa Ruda.

Der Beitrag zur Auktion:
Für die BZ-Kunstauktion hat Philippa Ruda wieder eine Collage gefertigt. Im Gegensatz zu einer Zeichnung, bei der sie vorher schon weiß, was sie damit ausdrücken möchte, hat sie noch nichts im Kopf, wenn sie sich an die Arbeit für eine Collage setzt. "Meine Collagen sind eher ein Zufallsding, Sachen, die ich finde, finden irgendwie zueinander", erläutert die Künstlerin. Das sei das spannende daran, dass man nie so genau wisse, was am Ende herauskomme. Sie glaubt, dass die Stimmung, die sie bei der Arbeit gerade hat, durchkommt. Wenn sie eher melancholisch sei, würde nie etwas Witziges dabei herauskommen, und wenn sie eher fröhlich sei, nie etwas Trauriges.

Aus der Werkstatt:
Philippa Ruda kann nur an ihrem Schreibtisch arbeiten. Sie muss alleine dazu sein und Musik dazu hören – welche ist stimmungsabhängig, aber nie das Radio, wo einfach nur etwas dudelt. Wenn sie eine Collage macht, herrsche richtig schlimmes Chaos, berichtet sie. "Ich schneide hier was aus und da was aus, fügte zusammen, scanne ein, drucke es aus, dann fange ich wieder mit etwas anderem an. Es dauert eine gewisse Zeit, in der ich viel mache, aber nicht viel passiert. Dann, durch eine bestimmte Kombination von Einzelteilen ist das wie eine Zündung. Danach arbeite ich konzentriert und zielgerichtet weiter."

Der Einzelne für die Gesellschaft:
Wenn man heutzutage an die Weltgemeinschaft denke, habe man immer wenn man etwas kaufe – egal ob Fleisch, Cola Klamotten oder Leder – ein schlechtes Gewissen, meint Philippa Ruda, weil irgendwo in der Welt jemand darunter leidet, weil man immer Hunger, modernen Sklavenhandel oder Tierquälerei verantwortet. "Wenn ich weiß, dass eine Klamotte, welche ich kaufen möchte, obwohl ich eigentlich genug Kleidung habe, von jemandem genäht wird, der kaum zu essen hat und sich je nachdem auch noch tödliche Krankheiten dabei einfängt, finde ich das sehr traurig." "Wenn es ein Karma gibt, haben wir schlechte Karten", fügt sie noch an. Es sei aber auch nicht einfach – gerade als Studentin – alles Fairtrade zu kaufen. Aus der Sicht von jemandem, der nicht jeden Tag Fleisch isst, findet sie, böte der viel geschmähte Veggieday die Möglichkeit, einmal in der Woche wenigstens ein bisschen der Verantwortung abzugeben und ein ruhigeres Gewissen zu haben. Deshalb kann sie nicht verstehen, warum manche Menschen das als Beschneidung ihrer persönlichen Freiheit empfinden. Mittlerweile versucht die Künstlerin, sich von der Wegwerfgesellschaft zu distanzieren, verkauft etwa, weil der Altkleidercontainer auch keine Alternative ist, was sie nicht mehr braucht, auf Flohmärkten oder Kleiderkreiseln, und kauft auch dort ein. Alle Rahmen für die BZ-Aktion hat sie beispielsweise gebraucht ersteigert. In diesen Zusammenhang passt auch die Collage als künstlerisches Ausdrucksmittel ganz gut, denn dabei hauche man Altpapier neuen Wert ein.

Die Verbindung zur BZ-Auktion:
Bei der BZ-Kunstauktion ist Philippa Ruda heuer zum zweiten Mal dabei. Ihre Teilnahme im vergangenen Jahr bezeichnet sie als schöne Erfahrung, die außerdem noch Spaß gemacht habe. Deshalb freut sie sich auf kommenden Samstag.

Werk in der Auktion: "Ich fühle was, was du nicht fühlst", Collage, 20,3 x 26,3 cm incl. Rahmen, Mindestgebot: 90 Euro

Alle Porträts der Serie, die Arbeiten für die Versteigerung sowie Werke, die in der Ausstellung am 16. November gezeigt und zum Festpreis verkauft werden, im Internet: http://mehr.bz/kunstaktion
von rud
am Di, 12. November 2013 um 11:44 Uhr

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