Interview

Tai Chi – "entspannter miteinander umgehen"

Seit 15 Jahren arbeitet Theresia Nock (53) als Physiotherapeutin, seit 30 Jahren macht sie Kampfsport. Im BZ-Interview erzählt sie von ihrer dritten Leidenschaft – dem Tai Chi.

BZ: Frau Nock, empfehlen Sie ihren Patienten Tai Chi weiter?

Nock: Ja. Wir leben in einer stressigen Zeit, ob durch Arbeitsverdichtung oder Arbeitslosigkeit produziert. Tai Chi ist Meditation in Bewegung, ein Zusammenspiel von Körper und konzentriertem Geist. Dadurch hilft es, Stress abzubauen und den Alltag gelassener zu bewältigen. Außerdem ist es geeignet für Menschen mit Migräne, Bluthochdruck, Gelenkerkrankungen und Atemproblemen. Es ist einsetzbar in der Gesundheitsvorsorge als auch Krankheitsnachsorge. In meinem Tai-Chi-Unterricht frage ich Anfänger zu Beginn eines Kurses auch nach ihren möglichen Erkrankungen. So kann ich individueller auf sie eingehen.

BZ: Sie selbst haben vor 18 Jahren mit Tai Chi begonnen. Was hat Sie denn damals vom Kampfsport zur Kampfkunst gebracht?

Nock: Das war ein schwieriger Einstieg. Ich wechselte von Taekwondo zu Shaolin Kung-Fu, dafür musste ich Tai Chi lernen. Es gehörte dazu, aber ich mochte die langsamen Bewegungen am Anfang nicht. Die Liebe zum Tai Chi ist erst mit den Jahren gewachsen. Ich glaube, man durchläuft im Leben verschiedene Phasen. Wenn man jung ist, besitzt man mehr kämpferische und treibende Energie. Das Bedürfnis nach Entspannung wird im zunehmenden Alter größer. Tai Chi ist aber auch für junge Menschen attraktiv, da es die geschmeidige Beweglichkeit der Jugend trainiert und erhält.

BZ: Was möchten Sie Ihren Schülern denn abseits der körperlichen Übungen noch alles vermittlen?

Nock: : Auf jeden Fall Bewegungsfreude. Und die Fähigkeit, das Leben achtsam zu leben. In meinem Beruf begegne ich auch Menschen, die bald sterben. In solchen Augenblicken wird die eigene Sterblichkeit greifbar. Deshalb finde ich es wichtig, das Leben und seine Herausforderungen zu genießen und den Schwierigkeiten gelassener zu begegnen. Wenn ich wüsste, dass ich noch sechs Monate zu leben hätte, möchte ich nicht denken: Ich habe an meinen Wünschen und Träumen vorbei gelebt.

BZ: Wie sehen ihre Kollegen ihre Tätigkeit als Tai-Chi-Lehrerin?

Nock: Durchweg positiv. Neben meinen privaten Kursen unterrichte ich hier im Uniklinikum bei Unifit. Für meine Kollegen und Kolleginnen habe ich auch schon mal eine interne Weiterbildung mit Tai Chi geleitet. Es kann zu einem positiveren Verhältnis unter uns Mitarbeitern beitragen, wenn alle entspannter miteinander umgehen können.
von Julia Nikschick
am Mi, 04. Januar 2012 um 13:44 Uhr

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