Südbadener in Rio (1)

Toni Wilhelm aus Lörrach will olympische Medaille holen

Wenn Toni Wilhelm über Rio de Janeiro spricht, gerät er ins Schwärmen. Die Küste mit den Bergen, die Jesus-Statue … All das wird er live erleben dürfen – als olympischer Surfer.

FREIBURG. Wenn am 5. August in Rio de Janeiro die Olympischen Sommerspiele beginnen, werden mehr als ein Dutzend Athletinnen und Athleten aus Südbaden ihr Glück in Brasilien versuchen und alles geben. Die Badische Zeitung stellt die Rio-Starter aus der Region vor. Den Anfang macht Toni Wilhelm, Deutschlands bester Surfer in der olympischen RS:X-Klasse aus Lörrach.

Wenn Wilhelm über Rio de Janeiro spricht, gerät er ins Schwärmen. Die Küste mit den Bergen, die Jesus-Statue: "Wir surfen direkt vor dem Zuckerhut. Die Bucht ist einer der schönsten Plätze, die ich kenne." Wenn nur nicht das Element selbst noch wäre, auf dem er gleitet mit seinem Board: "Es ist definitiv das dreckigste Wasser, das ich bisher erlebt habe."

Wilhelm, 33, ist schon fast überall in der Welt herumgesurft. In der olympischen RS:X-Klasse schaffte er es vor zwölf Jahren zu den Spielen von Athen. Vor vier Jahren kreuzte er im wilden Nordatlantik vor Weymouth in Südengland, wo die Segelwettbewerbe der Spiele von London ausgetragen wurden. Aber solche Gegensätze wie in Rio hat er dort nicht erlebt. Da ist die traumhaft schöne Bucht, drei Wochen durfte er jetzt noch einmal dort trainieren. Am Dienstag kehrte er zurück und erholt sich nun ein paar Tage in seiner Schwarzwälder Heimat, bevor er am 24. Juli wieder in den Flieger nach Südamerika steigt. Und dann ist da das stinkende, dreckige Wasser: "Echt eklig". Wilhelm hofft, "dass die Brasilianer wenigstens noch das Müllproblem in den Griff bekommen vor den Spielen". Bei seinen Testfahrten habe es Tage gegeben, "da konnte man keine 100 Meter geradeaus segeln, ohne sich irgendetwas einzufangen". Was auch immer dann im Wasser treibt, bremst das Board. "Wenn so etwas passiert, während man um eine Medaille surft, ist es natürlich schlimm."

Im Augenblick kreuzen keine RS:X-Surfer mehr in der Bucht von Rio de Janeiro, sondern Müllboote. Sie sollen wenigstens die größeren Gegenstände aus dem Wasser fischen. Gleichwohl freut Wilhelm sich sehr auf die Spiele, die aller Voraussicht nach seine letzten sein werden. Eine olympische Medaille gewann er noch nie. "Natürlich möchte ich darum kämpfen." Das Leistungsniveau der internationalen Szene sei aber so hoch wie nie zuvor. "Ich glaube, dass mindestens 15 Leute um eine Medaille mitsurfen können." Er habe hart trainiert und sich eine gute Form erarbeitet. "Ich bin auf einem hohen Level unterwegs." Erfahrung, Kraft und Glück braucht er – und die Fähigkeit, im Bruchteil einer Sekunde die richtige Entscheidung zu treffen. "Ich gebe einfach mein Bestes und dann schauen wir, was am Ende herauskommt." Toni Wilhelms Wettkampfserie beginnt am Montag, 8. August. Das finale Rennen findet am Sonntag, 14. August, um 18.05 Uhr deutscher Zeit statt.

Die Rio-Starter aus der Region auf http://mehr.bz/suedbadenerinrio
von Andreas Strepenick
am Do, 14. Juli 2016 um 00:00 Uhr

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