Papierkram

Totenschein, Sterbeurkunde, Versicherungen: Was ist beim Tod eines Angehörigen zu tun?

Jeder Trauerfall ist auch mit vielen Formalitäten verbunden. Doch wann ist was zu tun? Wichtige Fragen und Antworten im Überblick:

Schock, Traurigkeit, Leere – ein Trauerfall wirft manche Hinterbliebene emotional erst einmal aus der Bahn. Das Problem: Jeder Trauerfall ist auch mit vielen Formalitäten verbunden. Der zu erledigende Papierkram ist für viele eine zusätzliche Belastung. Anderseits können Hinterbliebene in den schweren Stunden dadurch auch Halt finden.

Was ist in den ersten Stunden nach dem Todesfall zu tun?
Unmittelbar nach dem Tod ist innehalten wichtig, um in Ruhe Abschied zu nehmen. "Nicht die Trauer durch hektische Betriebsamkeit übertünchen", empfiehlt Oliver Wirthmann vom Bundesverband Deutscher Bestatter. Zu den ersten Ansprechpartnern kann deshalb neben der Familie auch ein Seelsorger gehören. Wann Hinterbliebene andere Angehörige und Freunde informiert werden sollten, ist Gefühlssache.
Altenheime und Kliniken informieren bei Eintritt des Todes sofort einen Arzt, damit er den Totenschein ausstellt. Zu Hause kann das Benachrichtigen des Arztes dagegen zunächst hinter dem eigenen Innehalten zurückstehen. Das Beerdigungsinstitut wird meistens parallel zum Arzt verständigt. Der Bestatter bringt den Gestorbenen in die Leichenhalle. In Baden-Württemberg kann man den Toten bis zu 36 Stunden zu Hause aufbahren.

Unterstützung bei Behördengängen
Üblicherweise nehmen Beerdigungsunternehmen Angehörigen einen Großteil der bürokratischen Lauferei ab. Dazu gehört der Weg zum Standesamt, das die Sterbeurkunde ausstellt, sowie die unverzügliche Information der Lebensversicherung. Auch die Rentenkasse sollte schnell im Bilde sein. Bei beiden geht es um Geld, das die Angehörigen gut brauchen können, damit sie nicht auch noch in ein finanzielles Loch fallen. Die Rentenversicherung zahlt Überbrückungsgeld, das einer dreimonatigen Rentenfortzahlung entspricht. Andere Stellen, von denen der Gestorbene Geld bekommen hat, sollten ebenfalls zügig in Kenntnis gesetzt werden – etwa der Arbeitgeber.

Wer muss noch informiert werden?
Die Krankenkasse will möglichst zeitnah vom Todesfall erfahren. Krankenhäuser melden Todesfälle automatisch. Ansonsten kümmert sich meistens der Bestatter darum. Mietverträge gehen in der Regel auf den Partner oder Hinterbliebene über. Daher müssen Vermieter nur informiert werden, wenn die Wohnung aufgegeben werden soll – die Info hat dann aber vier Wochen Zeit. Verträge von Auto-, Hausrat- oder Haftpflichtversicherungen gehen auf die Erben über. "Die Meldung des Todesfalles sollte zeitnah innerhalb von ein bis zwei Wochen erfolgen", heißt es beim Bund der Versicherten. Dagegen müsse ein Unfalltod dem Versicherer innerhalb von 48 Stunden gemeldet werden.

Welche Dokumente sind wichtig?
Zuerst wird der vom Arzt ausgestellte Totenschein gebraucht. Welche Unterlagen für die Abmeldung beim Standesamt und das Ausstellen der Sterbeurkunde noch erforderlich sind, listet Wirthmann auf: Personalausweis, Heiratsurkunde, bei Geschiedenen auch das Scheidungsurteil, bei Verwitweten Heiratsurkunde plus Sterbeurkunde des Partners. Bei Ledigen reicht die Geburtsurkunde. Für die Information der Versicherungen sollten die Verträge bereitliegen. Bei der Rentenversicherung kommt es auf die Rentennummer an. Diese steht auf dem Bescheid oder dem Kontoauszug.

Was ist mit der Trauerfeier?
Normalerweise werden Termin und Ablauf mit dem Bestatter besprochen. Er kümmert sich in Absprache mit den Hinterbliebenen meistens auch um die Organisation einschließlich des Schaltens einer Todesanzeige bis hin zum Imbiss nach der Beisetzung. Die Auswahl von Sarg, Grab und Blumenschmuck sowie der Versand von Traueranzeigen sind eher Sache der engsten Angehörigen. Bei einer kirchlichen Beisetzung wird die Trauerfeier auch mit dem Geistlichen abgestimmt.
Hilfe in Krisen

Telefonseelsorge
Rund um die Uhr ist die Telefonseelsorge kostenfrei erreichbar für Menschen in Notsituationen, Krisen oder alltäglichen Belastungen.
Tel. 0800/111 0 111 oder 0800/111 0 222
http://www.telefonseelsorge.de

Arbeitskreis Leben (AKL)
Beratungsstelle für suizidgefährdete Menschen, Menschen in Lebenskrisen und Hinterbliebene nach Suizid
Tel. 0761/3 33 88, Mo., Mi., Fr.: 10–13 Uhr; Di., Do. 14–16 Uhr
https://www.ak-leben.de
von dpa
am Di, 11. Februar 2020 um 09:45 Uhr

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