Tzschöckel-Orgel als Himmelsleiter

BZ-WEIHNACHTSSERIE:Hannfried Lucke, erster Organist auf der Denzlinger Orgel, gelang der Aufstieg ins Mozarteum.

DENZLINGEN. Vom Alter her kann sich die Tzschöckel-Orgel in der evangelischen St. Georgskirche in Denzlingen mit vielen Instrumentenschwestern nicht messen. Vergleichsweise jung ist das Instrument, das im Mai 1985 mit Festgottesdienst und vier Orgelkonzerten, jeweils an Sonntagen von namhaften Organisten gespielt, eingeweiht wurde. Doch das Instrument ist längst ein Geheimtipp unter Studierenden und war Wegbegleiter auf so manch steiler Organistenkarriere.

So spielte der 1964 geborene Hannfried Lucke, seit 2000 Professor für Orgel am Mozarteum in Salzburg, in seinen ersten Studienjahren regelmäßig auf ihr. Ob sich die evangelische Kirchengemeinde eine neue Orgel leisten könne, war in den frühen Achtzigern höchst fragwürdig. Stellten doch die Herausforderungen einer Zuzugsgemeinde die Gemeinde vor zahlreiche Aufgaben. So war erst 1979 das neue Gemeindehaus fertiggestellt worden. Die Bereitschaft, sich umgehend für ein weiteres Großprojekt zu engagieren, grenzte dann "an ein Wunder", so die Pfarrer Gerhard Jung und Friedrich Hahn sowie der Kirchengemeinderat in der Festschrift zur Einweihung des Instruments. Zumal die St. Georg Kirche mi t der neuen Orgel auch eine Innenrenovation erfuhr. Über den Preis für die Orgel schweigt sich die Festschrift aus. Betont wird jedoch, dass die Gemeinde zeitgleich auch erhebliche und wachsende Summen für diakonische Aufgaben aufbrachte. Die Orgel aus der Werkstatt von Reinhart Tzschöckel ist das vierte Instrument in der 1302 zum ersten Mal urkundlich erwähnten Kirche. 1756 wurde Denzlingens erste Orgel nach Bischoffingen verkauft worden. Die Nachfolgerin wurde mehrfach umgebaut und dann 1907 als unbrauchbar bezeichnet, tat jedoch noch leidlich Dienst bis 1933 eine Walcker-Orgel angeschafft wurde. Deren damals moderne pneumatische Traktur (Verbindung zwischen Spieltisch und Ventilen) war jedoch sehr störanfällig, was zuletzt nicht mehr zu beheben war. Die Tzschöckel-Orgel nutzt wieder das bewährte mechanische System.

Neu dagegen war die Platzierung im Kirchenschiff, denn während die Vorgängerinstrumente auf der Empore standen, wurde sie links neben dem Chorraum aufgestellt. Die Orgel sollte dort stehen, wo es für die Gemeindebegleitung günstig ist und so, dass das Zusammenwirken mit Chor und anderen Instrumenten ermöglicht wird. Diesem Platz geschuldet ist dann auch der asymmetrische Prospekt, bei dem die höchste Pfeifengruppe links außen angeordnet ist. "Die technische Ausführung des Koppelmanuals in Verbindung mit den dazugehörigen Koppeln stellt eine spezielle Konstruktion unserer Werkstatt dar, die aus den langjährigen praktischen Erfahrungen meines Vaters als Organist resultierte", sagt Friedrich Tzschöckel.

"Meisterwerke der Orgelliteratur verschiedener Stile können auf der Orgel auf adäquate Weise dargeboten werden", so Hannfried Lucke. Der erste Organist an diesem Instrument würdigt die Möglichkeiten, weit über den gottesdienstlichen Bereich hinaus auch konzertante Werke zur Aufführung bringen zu können. Er verweist aber auch darauf, dass sich die "Orgellandschaft seit dem Bau der Tzschöckel-Orgel zwischenzeitlich sehr bereichert hat". Vergleichen ließen sich die Instrumente dabei jedoch nicht, weil es letztlich, wie bei Fiat oder Ferrari, auch eine Frage des Preises sei.

Dieter Martin, der die Orgel regelmäßig bespielt, würdigt sie als "klangvoll". In ihr stecke viel mehr, als die Größe vermuten lasse. Für den Musikpädagogen "nutzt sich die Orgel nicht ab, sie bleibt interessant" und sei zugleich technisch sehr zuverlässig. Bei Organist Christian Schmitt und seinem Musikerkollegen Trompeter András Verpeléti war die Tzschöckel-Orgel sogar so beliebt, dass sie 1994 in der evangelischen Kirche eine gemeinsame CD einspielten.
von Markus Zimmermann
am Fr, 12. Dezember 2014

TZSCHÖCKEL-ORGEL

- Reinhart Tzschöckel, Althütte-Fautspach im Rems-Murr-Kreis

- Baujahr: 1985

- Register: 23 und Tremulanten für Haupt- und Brustwerk, die über zwei Manuale und Pedal bespielt werden, ein drittes Manual dient als Koppelmanual.

- Pfeifen: 1445

- Kosten: 239 000 DM (rund 122 200 Euro, samt 14 Prozent Umsatzsteuer)

Mehr zum Thema gibt es unter http://mehr.bz/orgelserie
 

Autor: mzd

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