Unaufdringlich, aber immer präsent

Ingrid Dunker stieg 1967 in das Modegeschäft ein, zuletzt arbeitete sie in der Damenabteilung des Modehauses Feldmüller-Fank.

LAHR. Mode beeinflusst das tägliche Leben. Mal offensichtlich, mal eher versteckt, beim einen mehr, beim anderen weniger, aber keiner kann sich ihr komplett entziehen. Die Badische Zeitung stellt in der Serie "Mode in Lahr" verschiedene Facetten und Menschen der Modewelt in und aus Lahr vor. Heute: die Verkäuferin Ingrid Dunker, die als Boutiquenbesitzerin und Verkäuferin viele Lahrer Frauen modisch beraten und angezogen hat.

Nicht mehr arbeiten? "Das kann ich mir nicht vorstellen", sagt Ingrid Dunker und schüttelt heftig den Kopf. Sie ignoriert das Renteneintrittsalter einfach, und dass Alter irgendwas mit Zahlen zu tun hat, glaubt man bei ihrem Anblick sowieso nicht. "Meine Arbeit macht mir einfach Spaß", lächelt sie Nachfragen einfach weg. Ingrid Dunker ist als Verkäuferin in der Damenabteilung des Modehauses Feldmüller-Fank eine nicht wegzudenkende Institution. Vor allem ältere Kundinnen schätzen das sichere Gespür der erfahrenen Modeberaterin. "Ich sehe eine Frau und ich weiß, was ich ihr zum Anziehen empfehlen kann", bringt sie ihre berufliche Rolle auf einen kurzen Nenner.

Das ist in Zeiten der modischen Vielfalt leichter gesagt als getan. Es gibt viele Möglichkeiten, einzukaufen. Im Kaufhaus, in der Boutique - oder auch im Internet. "Im Geschäft kann man spüren, probieren, bekommt Beratung - und auch ein Lächeln", wirbt Ingrid Dunker für den Einkauf dort, wo man unmittelbar Entscheidungshilfe in Zweifelsfragen bekommt. "Finden, was passt", sei mehr, als nur die richtige Größe herauszusuchen. Unaufdringlich, aber doch immer präsent und natürlich freundlich sein, das zeichne eine gute Verkäuferin aus. Eine, die genau hinschaue und im entscheidenden Moment den richtigen Tipp gebe. Eine, die nicht auf Teufel komm raus verkaufen wolle und der Kundin etwas aufdränge. "Die käme dann doch nie wieder."

Ingrid Dunker war nicht immer bei Feldmüller-Fank. Sie war auch nicht immer in Sachen Mode unterwegs. Gelernt hat die in Stuttgart geborene Tochter von Hausmeister Richard Ziegler nach der Handelsschule in Lahr Bürokauffrau in der Zigarrenfabrik Arthur Strebler. Danach arbeitete sie als Angestellte im Amt für Jugend und Wohlfahrt der Stadt Lahr. Nach Heirat und Familiengründung hieß die junge Frau Fenske und stieg 1967 in das Modegeschäft ein. Sie eröffnete in der Kaiserstraße 33 ihren "Modeschuppen". Und hielt sich damit lange 37 Jahre – Auge in Auge geradezu mit dem Kaufhaus Boschert (heute Zinser) gegenüber und Feldmüller-Fank um die Ecke. "Das war für mich keine Konkurrenz, ich habe was anderes gemacht", betont Ingrid Dunker.

Es waren noch andere Zeiten, es gab keinen Internethandel, und das Geld für schicke Garderobe in den Schatullen von Lahrer Bürgerfrauen saß locker. Denn es gab die Kanadier, die mit ihrer Kaufkraft die Kassen von Gastronomen, Handwerkern und Gewerbetreibenden füllten. So dass die Gattin "bei der Fenske", wie Ingrid Dunker damals noch hieß, sich mal was Flottes gönnen konnte. In ihrem Kundenbüchlein notierte die Chefin, was die Damen schon gekauft hatten und was zu ihrem Typ am besten passen würde, auch ihre Haarfarbe und Größe.

"Ich sehe eine Frau und

ich weiß, was ich ihr zum

Anziehen empfehlen kann."

Ingrid Dunker
"Es war eine tolle, eine bewegte Zeit", erinnert sich die ehemalige Boutiquenbesitzerin. Unzählige Sonntage ist sie nach Sindelfingen gefahren, um dort im großen Modezentrum begehrte Einzelstücke abzuholen, die es sonst noch nirgends im Handel gab. Sie reiste zu den Modemessen nach Düsseldorf und München und brachte damals aktuelle Marken wie Jean Paul oder Tuzzi nach Lahr. Sie veranstaltete große Modenschauen in der Lahrer Stadthalle und in der Friesenheimer Sternenberghalle. "Die Models habe ich überall aufgepickt", lächelt sie. Wer gut aussah und eine gute Figur abgab, wurde von ihr auf den Laufsteg gebracht. Mitte der 1990er Jahre zogen die Kanadier ab und der Kaufkraftverlust hinterließ Lücken in den Kassen von Gastronomie und Gewerbe. Der Chic der Garnison war vorbei, junge Mode kam als Billigmode in Ketten daher. Ingrid Dunkers "Modeschuppen" hielt sich trotzdem noch hartnäckig bis zum Jahr 2004, dann gab sie die Boutique auf – aus persönlichen Gründen, die sie für sich behält.

"Später habe ich den Herrn Schmiederer gefragt, ob ich zeitweilig bei ihm arbeiten kann", berichtet sie. Der Eigentümer von Feldmüller-Fank traf eine gute Entscheidung und nahm sie sofort in sein Modegeschäft auf. Denn Ingrid Dunker brachte profundes Fachwissen und treue Stammkundinnen mit. Und sie harmonierte gut mit ihren neuen Kolleginnen. Aber auch wenn es alle noch nicht so recht glauben wollen, sie selbst am wenigsten: Am heutigen Samstag ist Ingrid Dunkers letzter Arbeitstag.
von Heinz Siebold
am Sa, 28. Januar 2017


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