Gut zu wissen - wenn d as Auto streikt

Unfall oder Panne

Egal, ob auf der Fahrt in den Urlaub oder auf dem Weg in die Nachbarstadt, wenn das Auto unterwegs liegen bleibt, ist dies immer unangenehm. Bei jeder Panne aber gilt: Sicherheit geht vor.

"Wenn ein Jäger Wild erlegt, spielt er aus Respekt vor dem Tier ein Totsignal." Heinz Giesel packt ein kleines Jagdhorn – sein Taschenhörnchen, das er immer im Handschuhfach seines Autos mit sich führt – aus seinem Koffer und stimmt eine kurze Melodie an. Die Klänge, sieben hat so ein Horn, aus dem Messinginstrument dröhnen durch den Raum. "Wie nennen das Totverblasen. Jedes Tier hat seine eigene Melodie. Das gerade war die der Wildsau."

Giesel ist Jagdpächter für die Reviere Bamlach und Riedlingen. Das Hobby macht ihn zu einem wichtigen Ansprechpartner der örtlichen Polizei: Immer, wenn ein Wildunfall passiert, klingelt das Telefon bei dem pensionierten Malermeister. Oft wird er dabei aus dem Schlaf geholt, passieren Wildunfälle doch in der Regel am frühen Morgen oder späten Abend.

"Dann heißt es kaltes Wasser ins Gesicht und los. Ich brauche etwa eine Viertelstunde, bis ich am Unfallort eintreffe." Dann kommt er mit dem Gewehr – denn ein verletztes Tier wird erschossen. "Wir sind verpflichtet, das angefahrene Wild zu töten, um es so von seinen Qualen zu erlösen. Ich kann es da doch nicht liegen lassen!"

Es gibt noch mehr zu tun. Schockierte Unfallbeteiligte beruhigen, einen Versicherungsschein ausstellen. Verkaufen darf der Jagdpächter ein angefahrenes Tier nicht, das trifft nur auf selbst Erlegtes zu.

Die Jagdpacht ist eine zeitaufwendige Beschäftigung, der Giesel seit 30 Jahren nachgeht. Eigentlich ist er mittlerweile Rentner, das Malergeschäft führt der Sohn weiter. "Manchmal wird es ein bisschen viel. Aber noch öfter habe ich große Freude daran." Es ist ein gewissenhaftes Hobby, sagt er. Und wenn man es richtig machen will, muss man bereit sein, Opfer zu bringen. Schließlich trägt man als Jäger Verantwortung für die Umwelt.

Überfahren? Ausweichen?

Rund 250000-mal im Jahr wird ein Unfall von freilaufendem Wild verursacht – Tendenz steigend, da die Lebensräume für die Tiere immer kleiner werden. Die meisten dieser Wildunfälle passieren außerhalb geschlossener Ortschaften und in der Morgen- oder Abenddämmerung. Daher: In Gebieten, in denen auf Wildwechsel hingewiesen wird, sollten Autofahrer jederzeit damit rechnen, dass ein Tier die Straße queren will.

Ein Unfall kann fatale Folgen haben. Ein ausgewachsenes Wildschwein von 80 Kilogramm Gewicht besitzt bei einem Zusammenstoß mit einem 50 Stundenkilometer schnellen Autos ein Aufschlaggewicht von zwei Tonnen, der Masse eines Nashorns also. Was aber machen? Quert ein Tier die Straße, bremsen, hupen und abblenden. Ist ein Zusammenstoß nicht zu vermeiden, ist dieser einem riskanten Ausweichmanöver vorzuziehen. Der Zusammenstoß mit sogenanntem Haarwild (Reh, Wildschwein, Fuchs) ist über die Teilkasko versichert, manche Versicherungen schließen auch andere Tierarten ein. Auch Schäden, die durch ein Ausweichmanöver entstehen, werden in bestimmten Fällen übernommen.

Nach einem Wildunfall muss die Polizei oder der zuständige Wildhüter informiert werden. Wer dies unterlässt und weiterfährt, begeht Fahrerflucht. Auch darf das angefahrene Tier in keinem Fall mitgenommen werden. Dies erfüllt den Tatbestand der Wilderei.

Schutz suchen

Es ist das kleine Einmaleins der Pannenkunde: Bleibt der Wagen liegen, kühlen Kopf bewahren und absichern. Fahrzeug in Parkbucht oder auf Seitenstreifen abstellen, Warnblinkanlage anschalten, Warnweste anziehen und Warndreieck aufstellen (auf Landstraßen 100 Meter vor dem liegengebliebenen Auto, auf Autobahnen 150 Meter). Alle Insassen müssen das Auto verlassen und sich möglichst hinter die Leitplanke oder einen anderen sicheren Ort stellen.

Präzise Angaben

Um Hilfe zu holen, sei es vom ADAC, dem ACE oder AVR, müssen präzise Angaben gemacht werden. Dazu gehören die Nummer der entsprechenden Autobahn, Bundes- oder Landstraße und die Fahrtrichtung. Auf Autobahnen geben die kleinen blauen Tafeln die Autobahnkilometer an, um den Streckenabschnitt genauer zu bestimmen. Zudem sollten der Fahrzeugtyp und die Autofarbe sowie das Autokennzeichen bekanntgegeben werden. Und in der Hektik nicht sofort auflegen: Wer seine Han-dynummer hinterlässt, kann zurückgerufen werden, falls der Servicemitarbeiter Probleme hat, den Pannenort zu finden.

Notruf absetzen

An den Autobahnen bieten die Notrufsäulen die Möglichkeit, seine Anrufe zu tätigen. Die Pfeile an den Leitplanken weisen darauf hin, in welcher Richtung die nächstgelegene Notrufsäule liegt. Auf keinen Fall darf die Autobahn überquert werden, selbst wenn direkt gegenüber dem Pannenort eine Notrufsäule stehen sollte. Wie die Notrufsäulen zu betätigen sind, ist auf dem Gehäuse ausführlich beschrieben. Ansonsten gibt es Hilfe unter folgenden Rufnummern:

ADAC: Im Inland unter
Tel. 0180/2222222 (sechs Cents pro Anruf/Festnetz) oder über das Handy unter 222222 (Kosten variieren nach Netzbetreiber) . Bei Pannen, Unfall mit und ohne Fahrzeug, Diebstahl oder Verlust von Papieren, Geld, Kreditkarten im Ausland unter
Tel. 0049/89222222.
ACE (Auto-Club Europa): Inland unter Tel. 01802/343536 (sechs Cents pro Anruf aus dem Festnetz, Anrufe von Handys aus können teurer sein), europaweit unter Tel. 0049/1802343536.

AvD (Automobilclub von Deutschland): Im Inland unter 0800/9909909 (gebührenfrei), im Ausland unter 0049/699906600.

von Anna Schmidhauser
am Di, 25. Januar 2011 um 00:00 Uhr


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