Grafmüller contra Stadt Lahr

URTEILSPLATZ: Kein David gegen Goliath

Der Fall Werner Grafmüller taugt nicht als Beispiel für einen Kampf David gegen Goliath – vom kleinen, schutzlosen Rentner gegen eine übermächtige, böse Stadt Lahr, die ihm sein wertvolles Grundstück einfach wegnehmen will. Der Rolle wird Werner Grafmüller nicht gerecht, denn der 77-Jährige ist beileibe kein unbedarfter Bürger, der machtlos einer Behörde gegenübersteht. Grafmüller hat jahrelang selbst in der Verwaltung gearbeitet. Der Rolle des vermeintlich bösen Gegners wird aber auch die Stadt Lahr nicht gerecht. Es ist nicht zu sehen, dass die Verwaltung Fehler begangen oder Recht gebeugt hätte. Die Autowaschanlage – vordergründig Hauptgrund des Streits – hat alle Voraussetzungen erfüllt, um genehmigt zu werden. So sieht es das Rechtssystem in diesem Land vor, auf das sich auch Werner Grafmüller beruft. Das Grundstück, um das gestritten wird, ist – um es deutlich zu sagen – ein Stückchen Acker, das mit der Nutzung als Sportplatz eine sinnvolle Nutzung erhält. Es ist auch nicht so, dass Grafmüller im Hauruck-Verfahren Eigentum genommen werden soll. Die Verwaltung hat sich über Jahre hinweg auf verschiedene Weise bei ihm um das Grundstück bemüht, hat ihm Angebote gemacht und war zu Zugeständnissen bereit – vergebens. Dass sie nun den Weg des Enteignungsverfahrens beschreitet, ist nur die Konsequenz aus dieser Verweigerungshaltung. Es geht aber nur vordergründig um die Autowaschanlage. Vielmehr scheinen zwischenmenschliche Probleme, verletzte Eitelkeiten und vielleicht auch alte Rechnungen, die beglichen werden sollen, eine Rolle zu spielen. Es mag sein, dass die Verwaltung der Person Werner Grafmüller und seinen Einwänden nicht die Aufmerksamkeit geschenkt hat, die er glaubte, verdient zu haben. Vielleicht gab es ein falsches Wort zur falschen Zeit, vielleicht mangelte es bei den Verhandlungen an Fingerspitzengefühl. Wenn es so gewesen wäre, dann darf sich Werner Grafmüller durchaus darüber ärgern und beschweren. Ein nachvollziehbarer Grund, sein Grundstück nicht herzugeben und damit ein Teilprojekt der Gartenschau zu blockieren, ist es aber nicht.
von ch
am Do, 12. Juni 2014

Badens beste Erlebnisse