Ewig dieselbe Leier

URTEILSPLATZ: Von wegen gottlos und faul

Viele halten die Jugend von heute für eine Spezies arroganter, aggressiver und asozialer Individuen. Für eine Plage, die das geordnete und schöne Leben der älteren Generationen um jeden Preis zu stören versucht. Wirklich neu ist der Gedanke einer bösen Jugend, die nur herumhängt und total einfallslos ist, übrigens nicht. Wir Jugendlichen können in diesen Fall den Vorwurf der Einfallslosigkeit galant zurückreichen. Denn auch schon ein babylonischer unbekannter Autor wusste 1000 Jahre vor Christus: "Die heutige Jugend ist von Grund auf verdorben, sie ist böse, gottlos und faul, sie wird niemals so sein, wie die Jugend vorher, und es wird ihr niemals gelingen, unsere Kultur zu erhalten." Interessanterweise halten insbesondere ältere Menschen (aus meiner Sicht: die Generation 30 plus) dies oft für den Ausspruch eines zeitgenössischen Leidensgenossen, der wie sie mit diesen angeblich bösen Jugendlichen zu kämpfen hat. Das allein beweist, dass wir gar nicht so schlimm sein können, wie unser Ruf das vermuten lässt. Wenn wir nur die letzte einer Reihe von Generationen wären, die immer ein bisschen schlechter ist, als ihre Vorgänger, dann wäre der Homo sapiens wohl nicht über den Gebrauch von Faustkeilen hinausgekommen. Viel eher zeigt sich im Noch-Vorhanden-Sein von Menschheit, Kunst und Kultur, dass nicht die Jugend immer schlimmer wird, sondern dass sie lediglich in jeder Generation aufs Neue missverstanden wird. Das Problem scheint zeitlos zu sein: Jede Jugend muss gegen die vorigen Generationen rebellieren, um sich weiterzuentwickeln und die Menschheit über den Gebrauch von Faustkeilen hinauszubringen. Es zeigt sich also: Es ist ganz normal, dass die Alten über die Jugend schimpfen. Und es ist ganz normal, dass die Jugend sich gegen die Alten auflehnt. Und wer das trotzdem für das größte Problem der Menschheit hält, der kann ja gerne mal versuchen, mit zwei Steinen sein Handy zu reparieren.

von Vincent Daiber (17)
am Di, 13. August 2013


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