Die Geschichte des MRSV Ichenheim

Versöhnung von Motor- und Radsport

125 JAHRE AUTO: Vor mehr als 50 Jahren begann die Geschichte des MRSV Ichenheim / Morgen wieder Riedslalom am Rhein.

NEURIED-ICHENHEIM. Mehr als 50 Jahre hat der Verein schon auf dem Buckel, gibt aber immer noch gern Gas: Der Motor- und Radsportverein Ichenheim veranstaltet morgen, Samstag, seinen fünften Riedslalom. Die Gründungslegende des Vereins lässt auf hitzige Gemüter schließen, dabei ist der Vorsitzende Albert Veith ein bedachter Peugeotliebhaber – der ganz gerne auch mal Fahrrad fährt.

Eine Ohrfeige war die heftige Geburtsstunde des Vereins im Jahr 1954. Das kam so: Der Radfahrverein Ichenheim richtete im Frühjahr eine Sportveranstaltung aus. Auch die jungen Herren, die mit ihren Motorrädern einen Auftritt hatten, halfen mit. Nach getaner Arbeit schickten sie Erich Feger vor, um sich eine – aus ihrer Sicht verdiente Flasche Wein – abzuholen. Dummerweise hatte dessen Vater Adolf Feger Thekendienst. Der weigerte sich, etwas auszugeben. Es kam, so steht es in der Jubiläumsschrift, wie es kommen musste: "...zum großen Knall. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Sein Junior erhielt vor versammelter Mannschaft eine Ohrfeige, die sich gewaschen hatte! Und das im blühenden Alter von 25 Jahren." Erich Feger und seine Freunde gründeten daraufhin den Motorsportverein Ichenheim. Unter die Motorradfahrer mischten sich allmählich die Autofahrer, bis sie den Verein ganz übernommen hatten. Es gab Geschicklichkeitsturniere, Slaloms, Rallyes und unter dem Dachverband "Rad- und Kraftfahrerbund Solidarität" fuhren Mitglieder Erfolge ein. Franz Becht wurde 1970 erster Deutscher Meister der Vereinsgeschichte im Slalomsport. In jener Zeit erfolgte quasi die Versöhnung: Man schloss sich mit dem Radfahrverein zusammen und nannte sich fortan "MRSV – Motor- und Radsportverein Ichenheim". Vereinschef war Willi Stocker.

1977 brausten zum ersten Mal die Autos durch den Slalomparcours am Rhein. Viele werden sich noch an die Ried-Rallyes erinnern, die sich etappenweise durch das Ried zog – abwechselnd fuhr man verkehrsgemäß auf der offiziellen Straße und auf eigenen Rennabschnitten. Es waren goldene Zeiten. Mehrere Bezirks- und Landesmeister und Deutsche Meister kamen aus dem Verein, der einer der erfolgreichsten im Sportverband Solidarität war, 1979 unter dem Vorsitz von Manfred Kopf. Dann gab es Schwierigkeiten bei der Genehmigung des Slaloms und die Kosten stiegen – der Radsport, hauptsächlich mit dem Volksradfahren, rückte in den Vordergrund.

Doch Albert Veith, seit 1982 im Verein und seit zwölf Jahren Vorsitzender, sagte sich: "Mir probiere’s". Der heute 51-Jährige erwirkte vor fünf Jahren beim Landratsamt das Ja für den Slalom. Der gelernte Kfz-Mechaniker ist bekennender Peugeotfan. Sein erstes Auto war allerdings ein durchgerosteter Simca 1000, 40 PS, 948 Kubikzentimeter Hubraum, den er sich ein halbes Jahr zurechtgeschweißt und in den Farben weiß/dunkelblau/hellblau lackiert hatte: "Der war richtig fertig." Zum Verein kam der gebürtige Altdorfer über seinen Arbeitgeber, der Autowerkstatt Feger in Ichenheim. Bei einem Rennen habe es ihn dann gejuckt.

Seit damals habe sich viel verändert, sagt Albert Veith. Er bedauert, dass die Autos über und unter der Motorhaube mittlerweile fast gleich sind und leider sei der Altersdurchschnitt im Verein hoch, die meisten sind zwischen 40 und 60 Jahren. Und man suche immer noch nach einem Ressortleiter für den Radsport und nach einem zweiten Vorsitzenden nach deren Rücktritt vergangenes Jahr. Den Vereinszweig Radfahren aufgeben, lehnt Veith ab. Er mag Radfahren und gründete vor Jahren eine Mountainbikegruppe für Jugendliche, die Touren machte. Die gibt es inzwischen nicht mehr. Aber am Volksradfahren wolle man festhalten. Seit Jahresanfang ist der Verein offizieller Ortsverein des ADAC. Unter diesem Dach werden offizielle Turniere ausgerichtet. Veith freut sich auf den Slalom, zu dem 40 Jugendliche (mit eigener Fahrerlaubnis) und etwa 30 Erwachsene als Teilnehmer erwartet werden. Veith selbst fährt mit seinem Peugeot 306 S 16 V mit. Es juckt ihn immer noch.

Mitglieder: 110 (die meisten passiv)

Termine: (Auswahl) Volksradfahren, Gaudifahrt, Riedslalom

Kontakt: Albert Veith, Tel. 07807/ 956 5007, E-Mail: a.c.veith@t-online.de; Internet: http://www.mrsv.ichenheim.de

Info: Morgen, Samstag, 5. Riedslalom am Rhein. Start 9 Uhr mit ADAC-Peugeot-Cup, bei dem der Nachwuchs startet. Nach der Mittagspause Clubsportfahrer mit Fahrzeugen von 50 bis 300 PS. Startgeld: 20 Euro, Tageslizenz: 5 Euro. Jeder kann teilnehmen mit gültigem Führerschein und Auto. Die Natostraße (Verlängerung der Rheinstraße) ist an diesem Tag ab dem Musikplatz gesperrt.

Alle veröffentlichten Teile der Serie sowie weitere Berichte stehen im Online-Dossier unter http://www.badische-zeitung.de
von Ulrike Derndinger
am Fr, 03. Juni 2011

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