Coronavirus

Verzicht auf elsässische Pendler fällt den Firmen in der Ortenau schwer

Mitarbeiter aus dem Elsass sollen aufgrund der Corona-Situation möglichst zu Hause bleiben. Wie gehen Firmen in der Ortenau mit der Empfehlung um?

Das Elsass gilt seit Mittwoch als Corona-Risikogebiet. Bereits am Montag hatte das Freiburger Regierungspräsidium das südliche Elsass als Risikogebiet behandelt. Pendler, die im benachbarten Deutschland arbeiten, sollten möglichst zwei Wochen zu Hause bleiben, lautete die Empfehlung. Das wünschte sich Landrat Frank Scherer auch für das nördliche Elsass. Damit soll die Ausbreitung des Virus verhindert werden. Wie reagieren Firmen aus der Ortenau darauf? Am Dienstag hat sich die BZ umgehört.

Almi
Für Lahrer Industriefirmen ist es keine einfache Situation. "Wir beschäftigen in allen Bereichen Mitarbeiter aus Frankreich", sagt Frank Neumeister. Etwa 14 Pendler aus dem Elsass arbeiten bei dem Maschinenbauer Nela Brüder Neumeister im Industriegebiet West. Auf die könne und wolle man nicht einfach verzichten. Neumeister betont, dass die Angestellten aus dem dem nördlichen Elsass (Bas-Rhin) kommen. Und dass bis Dienstagmittag nur eine Empfehlung ohne Rechtsfolge ausgesprochen worden sei. Nach Absprache mit dem Betriebsrat nutze die Firma ihren Ermessensspielraum, die Mitarbeiter kommen weiterhin zur Arbeit.



Ralf Leser, Sprecher der Almi (Arbeitsgemeinschaft Lahrer Mittelständischer Industrieunternehmen), sieht das ähnlich. "Man muss das differenziert betrachten", sagt er. Der Lahrer Verpackungshersteller beschäftigt acht Mitarbeiter aus dem nördlichen Elsass. Am Montag seien einige vorsichtshalber zu Hause geblieben, gestern ist ein Teil der Pendler wieder zur Arbeit erschienen. Aus seiner Sicht kann die Firma das verantworten, zumal das Robert-Koch-Institut das Elsass bis Dienstag nicht als Risikogebiet eingestuft habe. "Wir haben hier wenig Publikumsverkehr, neuralgische Punkte sind abgesichert", sagt der Firmenchef. Am Donnerstag ist ein runder Tisch mit Stadtverwaltung, Gesundheitsamt und Firmenvertretern geplant, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Zalando
Im Lahrer Zalando-Werk ist die Zahl der Mitarbeiter aus dem Elsass besonders hoch. Etwa ein Drittel der rund 1200 Angestellten kommt aus dem benachbarten Frankreich. "Wir beobachten die aktuellen Entwicklungen genau und tauschen uns mit den zuständigen lokalen Behörden aus", teilt der große Online-Händler auf BZ-Anfrage mit. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich in den vergangenen zwei Wochen in einem Corona-Risikogebiet aufgehalten haben, werden gebeten, 14 Tage lang von zu Hause aus zu arbeiten. Auch wer schwanger oder immungeschwächt ist, sollte – wenn möglich – von zu Hause aus arbeiten. Weiter heißt es: "Sollte dies in der jeweiligen Funktion nicht möglich sein, werden wir eine individuelle Lösung finden – insbesondere hinsichtlich der neuesten Entwicklungen im Elsass-Gebiet." Zudem treffe Zalando eine Reihe präventiver Vorkehrungen: Beispielsweise würden oft genutzte Flächen und Bereiche häufiger gereinigt.

Schaeffler
Die Schaeffler Gruppe hat am Montag mitgeteilt, dass ein Mitarbeiter am Standort Bühl (Kreis Rastatt) am Coronavirus erkrankt ist. Er ist laut der Pressemitteilung der erste Schaeffler-Mitarbeiter, der positiv getestet wurde. Er sei bereits seit dem 27. Februar krankgemeldet und seitdem nicht mehr im Unternehmen gewesen. Die längere Abwesenheit und der Umstand, dass seine Kollegen keine Symptome haben, seien positiv einzuschätzen. "Dies betrifft vor allem eine mögliche weitere Ansteckungsgefahr." Wie das Unternehmen auf BZ-Anfrage betont, habe der infizierte Mitarbeiter keinen Kontakt mit dem Lahrer Werk gehabt: "Insofern sind auch keine weiteren Maßnahmen eingeleitet worden."Von der Empfehlung für elsässische Mitarbeiter ist das Lahrer Schaeffler-Werk nur im geringen Umfang betroffen. Von den etwa 1400 Beschäftigten sind gerade einmal 14 Franzosen. Wie mit der Situation umgegangen wird, werde aktuell geprüft, heißt es aus der Pressestelle.

Grohe
Im Lahrer Grohe-Werk ist eine lokale Arbeitsgruppe tätig, die engmaschige Maßnahmen und Vorkehrungen am Standort umsetzt und tagesaktuell die Situation vor Ort bewertet, teilt Tim Pelargus von der Grohe Holding aus Düsseldorf mit. Es gebe eine hohe Informationsdichte an Mitarbeiter sowie erhöhte Hygienemaßnahmen und Wachsamkeit bei Krankheiten. Da das Lahrer Werk nur eine geringe Anzahl an Mitarbeitern aus dem Elsass beschäftige, "sehen wir hier keine Auswirkungen", heißt es weiter.

Europa-Park
25 Prozent der Mitarbeiter im Europa-Park kommen aus dem Elsass. Im Wasserpark Rulantica ist jeder zweite Mitarbeiter aus Frankreich. Sollten diese Pendler in den nächsten Wochen zu Hause bleiben, sieht das Unternehmen dennoch keine Personalprobleme. "Wir können für diesen Fall die fehlenden Mitarbeiter über flexible Dienstpläne kompensieren", erklärte am Dienstag Unternehmenssprecherin Corina Zanger. Auch der Eröffnungstermin stünde deshalb nicht in Frage. Am Samstag, 28. März, will der Park in seine 45. Sommersaison starten.

Arena-Einkaufsmarkt
Der Arena-Supermarkt wird gerade umgebaut. Deswegen sind neben Mitarbeitern auch Handwerker vor Ort. "Wir haben schon am Sonntag reagiert", sagt Marktleiter Nicolai Bär. Ein Mitarbeiter sowie zwei Handwerker aus Frankreich bleiben vorläufig zu Hause.
von malx,ch
am Mi, 11. März 2020 um 11:00 Uhr

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