Tour zwischen Waldkirch, Emmendingen und Kenzingen

Von Turm zu Turm auf dem Vierburgenweg

Buntes Laub und tolle Aussichten: Wanderung im Spätherbst auf dem Vierburgenweg.

Sonntagmorgen neun Uhr: Eine Gruppe junger Leute steht gut gelaunt und schwatzend am fast leeren Bahngleis. Thomas, der Guide, fragt reihum jeden nach seinem Namen und setzt mit dem Stift eifrig Häkchen in seiner Liste. Er führt die Gruppe Studentinnen und Studenten heute durch den Schwarzwald. Sie kommen aus aller Herren Länder und wollen einander sowie die Gegend kennenlernen.

"Wer kein Semesterticket hat, kommt zu mir", ruft Thomas. Da rollt der Zug auch schon ein. Auf geht’s nach Waldkirch, dem Startpunkt unserer Tour auf dem Vierburgenweg. Am Bahnhof angekommen drängeln wir uns auf dem schmalen Bahnsteig. Der Tourguide klettert auf eine Bank, um sich Gehör bei den rund 30 Teilnehmern zu verschaffen. Ob wir denn wirklich alle vier Burgen besichtigen? Nein, das wäre viel zu weit für einen Tag, erklärt er. Zwei der mittelalterlichen Festungen aber liegen auf unserem Weg nach Emmendingen.

Die Morgensonne begleitet und wärmt uns auf diesem ersten, leicht ansteigenden Wegstück. Am Wegesrand stehen hölzerne Ritterfiguren, Tafeln erzählen ihre Geschichten. Noch heute gibt es Ritterorden in Deutschland. "Die Deutschherren-, Malteser- und Johanniterorden stehen in der Rechtsnachfolge der Männerbünde", erklärt Thomas. Doch so recht hört in diesem Moment niemand zu. Ein hölzerner Edelmann zieht alle Aufmerksamkeit auf sich: Er trägt ein Stirnband in pink. Wohl ein Spaß, den sich ein Wanderer gemacht hat.

Kaum sind wir um die nächste Wegbiegung, da zücken die Ersten ihr Handy, um zu fotografieren. Die Stimmung ist aber auch zu schön: Zwischen den Bäumen ist im goldgelben Herbstlicht der Bergfried, der ehemalige Wehrturm der Höhenburg, zu erkennen.

Ein wenig schwindelerregend ist der Aufstieg im dunklen, schmalen Turm, aber lohnenswert: Bei strahlendem Sonnenschein gibt’s von oben eine super Aussicht auf Waldkirch. Die Smartphones klicken abermals. Gemütlich wandern wir weiter, nichts drängt uns, weder Uhr, noch Wetter. Es ist recht warm an diesem Tag im Spätherbst. Bis zum Nachmittag streifen fast alle die Jacken und Pullis ab.

Die Gesprächspartner wechseln unterwegs. "Woher kommst du?", das ist die Frage, die am häufigsten zu hören ist. Meist wird deutsch gesprochen, ab und an auch englisch. Die Mehrheit der Studenten ist neu in Freiburg, nutzt den Wandertag, um Kontakte zu knüpfen. Das muntere Geplauder zieht sich bis hinauf zur Emmendinger Hochburg.

Dort verteilt sich die Gruppe: Sonnenanbeter setzen sich ins Gras, Schattenliebhaber ziehen den Platz vor den alten Mauerresten vor. Die Hochburg ist deutlich größer und belebter als ihre Kollegin in Waldkirch; viele Familien sind heute da. Kein Wunder, das Wetter ist fantastisch, der Blick ebenso.

Noch in der Ferne ist auf dem Eichberg der höchste Aussichtsturm Deutschlands mit gut 53 Metern Höhe zu erkennen. Er war ein Geschenk an das Land Baden-Württemberg zum 50. Geburtstag und ist unser nächstes Ziel. Warum der Turm ausgerechnet auf diesem Berg steht? "Dort gab’s halt vorher noch keinen", sagt Thomas grinsend.

Unterwegs kommen wir an einem kleinen Bauernhof mit schnatternden Gänsen, gackernden Hühnern und süßen Kälbern vorbei. Dann endlich der Turm! Mehr als 240 Stufen sind es hinauf und zum Abschluss genießen wir noch einmal einen prächtigen Ausblick: Von der Kanzel aus bis zum Kaiserstuhl und Schwarzwaldkamm, aber auch der Schweizer Jura ist zu sehen.

Weitere Infos: Vierburgenweg: Gesamtlänge 36,5 km, empfohlene Etappen: Bahnhof Waldkirch über Sexau bis Emmendingen, 15,5 km; Bahnhof Emmendingen über Landeck bis Kenzingen 21 km;

http://mehr.bz/4burgen

Das Studierendenwerk bietet regelmäßig geführte Wanderungen in der Region an: http://mehr.bz/studitour
von Franziska Dölling
am Fr, 09. November 2018

Badens beste Erlebnisse