Vorfahren lebten an Tannenwald, Quelle oder Gasse

BZ-SERIE: Die häufigsten Familiennamen in Schallstadt / Fotteler, Geigele, Gassert und Fiand sind hiesige Besonderheiten.

SCHALLSTADT. Seit einem Vierteljahrhundert befasst sich der Freiburger Sprach- und Literaturwissenschaftler Konrad Kunze mit der Herkunft unserer Familiennamen. In der BZ erklärt er in einer Serie, welche Wurzeln Namen haben, die in der Region häufig vorkommen. Heute geht es um Namen in Schallstadt.

Die häufigsten in der Gemeinde sind Müller (245), Hanser (153) und Meier (163). Über Hanser und Meier wird in anderen Artikeln dieser Serie berichtet. An vierter Stelle stehen die Kaiser (136). In Deutschland nehmen sie mit etwa 89 200 Personen den 40. Rang unter den häufigsten Namen ein, gleich hinter den etwa 93 200 König auf dem 38. Rang. In Baden-Württemberg finden sich die meisten Kaiser im Hotzenwald und am Hochrhein. Im Breisgau leben die meisten in Freiburg und Schallstadt. Es kann ein Übername für stolze Menschen sein, meist aber wird es sich wie bei den Namen Herzog oder Bischof um Übernamen handeln, mit denen Bauern je nach der Herrschaft unterschieden wurden, in deren Dienst sie standen. Von Leuten, die an einem Tannenwald wohnten oder aus einem Ort namens T(h)ann kamen, stammen die rund 5900 Danner (124) und 2900 T(h)anner ab. Sie konzentrieren sich in Baden-Württemberg und Bayern, in Baden wohnen mit Abstand die meisten Danner in Schallstadt. Es folgen die Schneider (102), dann die Joos (95). Diese sind Nachkommen eines Mannes, der den Rufnamen Jodokus trug. Jodokus wurde in Dialekten in Baden-Württemberg zu Joos verkürzt, schwäbisch auch Jauss, in Rheinland-Pfalz und Hessen zu Jo(o)st, in Bayern zu Jobst. Die meisten Joos in Baden wohnen in Elzach, Freiburg und Schallstadt.

Von den insgesamt 1800 Burggraf wohnen die meisten im Raum Limburg/Lahn, in Köln und Essen, dann folgt Schallstadt (76). Es ist ein Amtsname für den Richter in einer Stadt. An neunter Stelle stehen die Lupberger (75). Ihr Vorfahr wurde nach seiner Herkunft aus Lipburg bei Müllheim benannt, das früher auch Lüpperg und ähnlich geschrieben wurde. Außer in Schallstadt wohnen noch einige der 220 Menschen mit diesem Namen in Freiburg, Gundelfingen, Emmendingen, Fronreute, sonst einzeln verstreut. Das normale Wort für eine Quelle hieß im Mittelalter Brunnen, auch Bronnen. Die Vorfahren der circa 26 700 Brunner und 1800 Bronner haben ihren Namen davon, dass sie an einer Quelle gewohnt haben oder aus einem der vielen Orte namens Brunn, Brunnen beziehungsweise Bronn, Bronnen stammten. Die Brunner finden sich in der Pfalz, Südhessen, Baden-Württemberg und Bayern, die Bronner nur in Baden-Württemberg, und in Baden wohnen die meisten von ihnen in Freiburg und Schallstadt (69).

Zu vier besonderen Fällen gehört der Name Fotteler (50 Personen). Er findet sich so fast nur in Schallstadt. In der Schreibung Votteler (700) konzentriert er sich in Reutlingen. Man hat den Namen als Verkürzung aus dem Wort Vorteiler ("der seinen Vorteil sucht") abzuleiten versucht, doch ist das eine fragliche Spekulation, eine sichere Erklärung ist nicht gefunden. In Schallstadt und Freiburg wohnen fast alle der insgesamt 50 Geigele. Häufiger sind die 470 Geigle im Raum Karlsruhe-Mühlacker und die 450 Geigl in Bayern. In der Schweiz ist schon 1357 ein Rudi mit Giglin (kleine Geige) bezeugt, es handelt sich also um den Übernamen eines Spielmanns.

Es gibt in Deutschland 780 Gassert, hauptsächlich im Saarland, in der Pfalz und Nordbaden. Einige treten aber auch in Schallstadt auf. Es handelt sich dabei um einen t-Antritt an den häufigen Namen Gasser – "der an der Gasse wohnt". Weil 1,2 Millionen Menschen in Deutschland einen Namen tragen, der auf -ert endet (Albert, Ebert, Siefert, Steiert), ist oft auch an Namen, die auf -er enden, automatisch ein -t angefügt worden. So konnte aus Schreiner der Name Schreinert werden, aus Gruber Grubert, aus Bauer Bauert und aus Gasser Gassert.

Die meisten der circa 210 Personen namens Fiand wohnen in Schallstadt und Freiburg, einige in Kassel und Westfalen. In diesem Namen ist die alte Form des Wortes Feind (mittelhochdeutsch viant) erhalten geblieben. In den meisten Fällen haben sich daraus die Namen Feind (rund 760) und Feindt (etwa 1400) entwickelt. Sie alle sind Übernamen für Menschen, die nicht sehr freundlich waren.

Alle Teile dieser Serie stehen unter badische-zeitung.de/nachnamen
von Konrad Kunze
am Mo, 26. September 2016

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